Archivarbeit gegen das Vergessen: MSS und Stadtarchiv mit Kooperation

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Werne. Dem Namen ihrer Schule fühlen sich Schüler- und Lehrerschaft verpflichtet: „Nach Marga Spiegel benannt zu sein, bedeutet auch, sich mit Geschichte auseinanderzusetzen“, sagte Bürgermeister Lars Hübchen. Und zwar in einer Weise, die „fit macht für die Zukunft“.

In diesem Sinne steht die neue Kooperation zwischen der Marga-Spiegel-Sekundarschule (MSS) und dem Stadtarchiv Werne. Zur Unterzeichnung der Vereinbarung trafen sich am Mittwoch im Stadthaus neben Bürgermeister Lars Hübchen und Schulleiter Hubertus Steiner die Schülersprecher Janice Kerker und Jonas Samotzki, Achmed Elmenthaler als Ganztagskoordinator der Sekundarschule, Stadtarchivarin Bettina Nohr, Bianca Behrens als Vorsitzende der Schulpflegschaft sowie der Schul- und Kulturdezernent Frank Gründken.

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Teil einer umfassenden Erinnerungskultur

Teil des Projekts ist eine Stolperstein-AG, und zwar als Teil eines Mitmachangebots des WDR. Der Westfälische Rundfunk macht via App und Internetbrowser die Lebensgeschichten hinter 17.000 Stolpersteinen in Nordrhein-Westfalen zugänglich. Die Teilnehmenden der Stolperstein-AG in Werne können Biografien, Grafiken und multimediale Präsentationen zu den Stolpersteinen in Werne erstellen. „Zunächst lernen sie das Archiv kennen, dann begeben sie sich auf Spurensuche nach einzelnen Personen“, erklärt Bettina Nohr. Die Ergebnisse werden in die Stolperstein-App des WDR eingepflegt. „Auf diese Weise wird das, was die Schüler erarbeiten, Teil einer umfassenden Erinnerungskultur“, sagte Nohr. Nationalsozialismus sei für viele junge Menschen ein abstrakter Begriff. Deshalb sei es wichtig, lokale Bezüge herzustellen. „Das erleben sie nur im Archiv, denn dort sind die Quellen.“ Im Stadtarchiv warte ein wahrer „Schatz“ an Schriftstücken nur darauf, gehoben zu werden.

Die neue Kooperation wurzelt im Marga-Spiegel-Projekttag 2025. „Unser zehnter Jahrgang widmete sich dabei dem Schwerpunkt ,Flucht und Vertreibung‘“, erklärte Elmenthaler. Dabei lernten die Schülerinnen und Schüler das Stadtarchiv kennen. Außerdem schlüpften sie in die Rolle von Zeitzeugen aus der NS-Zeit und erzählten deren Geschichten in Videointerviews. Aus diesem Projekt entwickelten Elmenthaler und Nohr die Idee einer langfristigen Zusammenarbeit zur Erinnerungskultur. Die archivalische Spurensuche zu den Stolpersteinen soll Teil des Unterrichts sein.

Wie Detektive auf Spurensuche

Schulleiter Hubertus Steiner begrüßte die Initiative. Er habe Marga Spiegel noch persönlich kennengelernt. „Ihr Name erinnert an Menschen, die Leid erfahren haben, aber auch an die, die Courage gezeigt haben“, sagte Schulleiter Hubertus Steiner. Wie die Familie Sickmann, auf deren Hof sich Marga Spiegel und ihre Tochter eine Zeit lang verstecken konnten. Die historischen Orte von Spiegels Überlebensbericht „Retter in der Nacht“ sind in Werne und Umgebung bis heute erfahrbar. Und das im wahrsten Sinne des Wortes auf einer Radroute des ADFC Werne, der Marga-Spiegel-Erinnerungstour. Die Höfe selbst sehen zu können, sei für ihn eine besondere Erfahrung gewesen, berichtete der stellvertretende Schülersprecher Jonas Samotzki. Schülersprecherin Janice Kerker bezog sich auf die Gedenkstättenfahrten der Sekundarschule nach Auschwitz. „Es ist wichtig zu sehen, dass Juden auch in Werne verfolgt wurden.“

Die Schülerinnen und Schüler werden lernen, dass Archivarbeit keineswegs eine trockene Angelegenheit ist. „Ihr arbeitet im Grunde wie Detektive auf Spurensuche“, sagte Hubertus Steiner. „Und die Ergebnisse werden zeitgemäß aufbereitet“, fügte Bürgermeister Lars Hübchen hinzu. Geschichte mit Quellen aus erster Hand greifbar zu machen sei etwas, das Künstliche Intelligenz nur bedingt könne. „Die KI muss mit vernünftigen Informationen gefüttert werden.“

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