Klangschöne Romantik trotz Hitzewelle: Motettenkreis überzeugt

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Werne. Eine wortgewaltige Psalmvertonung, ein inniger Lobgesang und eine fast ausgelassene Messe: Sein Sommerkonzert widmete der Motettenkreis Werne den Geschwistern Felix Mendelssohn Bartholdy und Fanny Hensel sowie ihrem Zeitgenossen Otto Nicolai.

Trotz Hitzewelle hörten mehr als 60 Menschen in der Martin-Luther-Kirche zu und bekundeten am Ende anhaltenden Beifall für eine klangschöne und konzentrierte Aufführung. Als Solisten überzeugten Jana de Souza (Sopran), Freya Müller (Alt), Gustavo Martin Sánchez (Tenor) und Maximilian Schwarzacher (Bass). Es spielten Mitglieder der Dortmunder Philharmoniker.

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Wie ein Ruf in der Wüste

Unter der Leitung von Annette Drengk lotete der Motettenkreis die emotionale Tiefe der drei romantischen Kompositionen aus. Der 42. Psalm wartet mit einem starken Bild auf: „Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit meine Seele, Gott, zu dir.“ Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847) setzte das im ersten Satz seiner Kantate zu besagtem Psalm kontrastreich um. Und der Chor zelebrierte die Gegensätze zwischen akzentuiertem Forte und unvermitteltem Piano. Es ist ein mächtiger Chorsatz, den Mendelssohn sozusagen durch die Wüste schallen lässt. Die Steigerungen von mittlerer zu gewaltiger Lautstärke gestalteten die Sängerinnen und Sänger nuanciert aus. Verzweiflung klang ebenso durch wie entrückte Momente. Das alles wurde getragen von einem Legato, das wie das besungene Wasser dahinfloss.

Beschwingt und anmutig

Einen völlig anderen Charakter hat dagegen der „Lobgesang“ von Fanny Mendelssohn-Hensel (1805–1847). Kein extrovertierter Schrei, sondern ein innig empfundenes Gebet über Gottvertrauen. Das formulierte der Motettenkreis mit anmutiger Linienführung und prägnanten Einwürfen. Von den beschwingten Achteln im zweiten Satz „Meine Seele ist stille“ ließ er sich einfühlsam treiben; strukturiert führte er zum Finale dieses Chorsatzes das Thema durch die einzelnen Stimmlagen. Aufgeweckt erklang der Schlusschor „Ich will von Gottes Güte singen“. Lebhaft übergaben die Sängerinnen und Sänger einander das Leitmotiv, bis zum Stimmungswandel am Schluss. Die Passage „Ja, wenn der Mund wird kraftlos sein“ wurde, wie ein Choral, getragen angelegt.

Die musikalische Leitung hatte Annette Drengk (links). Als Solisten traten auf (von rechts): Maximilian Schwarzacher (Bass), Gustavo Martin Sánchez (Tenor), Freya Müller (Alt) und Jana de Souza (Sopran). Foto: Schwarze

Dramatisch erzählt

Otto Nicolai (1810–1849) ist vor allem als Komponist der komödiantischen Oper „Die lustigen Weiber von Windsor“ bekannt. Doch er komponierte neben anderen Opern auch geistliche Chorwerke, darunter eine Messe, die von einem jubelnden Grundton und opernhafter Dramatik geprägt wird. Diese Spannung spielte der Chor im eröffnenden Kyrie zunächst moderat aus. Denn es brauchte noch Raum für die fulminanten Sätze des Gloria und des Credo. Schwebend, fast geheimnisvoll wurde der Ruf nach Frieden laut („et in terra pax“), die folgenden Lobpreisungen wurden prägnant unterstrichen. Die Tempowechsel steigerten sich zu einem strahlenden Finale. Im Credo schöpften Chor und Solisten aus dem Vollen der erzählenden Momente. Ein unheimlicher Schauer erfüllte die Kreuzigungsszene – und dann schrie der Chor das Leiden Christi abrupt heraus. Wie ein Fanfarenstoß wurde danach die Auferstehung verkündet. Nach wilden Sechzehnteln im Sanctus war der Chor im melancholischen Agnus Dei nur ein Hauch im Hintergrund für die Solisten.

Im Einklang mit den Solostimmen

Sopran und Alt hatten einen Höhepunkt in Fanny Hensels „Lobgesang“. Im sanglichen Rezitativ ließ die warm modulierte Altstimme von Freya Müller den biografischen Anlass für die Kantate durchklingen: Hensel komponierte sie für ihren einjährigen Sohn Sebastian. Die überschwängliche Freude über die Geburt des Kindes drückte Jana de Souza mit agiler Sopranstimme aus. In der Nicolai-Messe verschmolz das Quartett der vier Solisten harmonisch mit dem Chor. Markante Einsätze gestalteten Gustavo Martin Sánchez mit klarem Tenor und Maximilian Schwarzacher mit einem deklamatorisch geführtem Bass. Im umfassenden Klangbild entschwebte die Bitte nach Frieden als letztes Wort.

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