Kritik am Nahverkehrsplan der VKU: „Ältere und Behinderte bleiben auf der Strecke“

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Werne. Der Beirat für Inklusion und Seniorenarbeit der Stadt Werne hat der VKU-Betriebsleitung eine Stellungnahme zum Nahverkehrsplan 2026 geschickt. Diese ist gleichzeitig als Offener Brief zu verstehen, den WERNEplus ungekürzt veröffentlicht.

Die Stellungnahme wurde in der letzten Sitzung des Beirates einstimmig beschlossen, teilt Niklas Wilde, Inklusionsbeauftragter der Stadt Werne, mit.

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Stellungnahme zum Nahverkehrsplan 2026 der VKU durch den Beirat für Inklusion und
Seniorenarbeit der Stadt Werne

Der im Mai 2026 umgesetzte Nahverkehrsplan der VKU verfolgt das Ziel, den öffentlichen Nahverkehr schneller und wirtschaftlicher zu gestalten. Das Ziel ist richtig und nachvollziehbar.
Gleichzeitig ist ein ÖPNV-Netz an Kriterien der Nutzbarkeit für alle Teilnehmer*innen zu messen. Und hier müssen wir feststellen, dass insbesondere Menschen mit Behinderungen und ältere Mitbürger durch den neuen Nahverkehrsplan wortwörtlich auf der Strecke bleiben.

Besonders der Wegfall von Haltestellen im Bereich zwischen Hamm und Werne auf der neuen Linie X1 trifft Menschen mit Mobilitätseinschränkungen besonders hart. Nach dem Bericht „Mobilität in Deutschland“ sind 14 % der Bevölkerung von einer Mobilitätseinschränkung betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt dieser Wert über 20 % (mit 65) bis zu 33 % (70+) an.

Unter den ab 70-Jährigen mit einer Mobilitätseinschränkung sind ein Drittel auf einen Rollator, einen Rollstuhl oder ein Elektromobil angewiesen. Die VKU selbst erkennt (in einem Bericht bei WERNEplus, Anm. d. Red.) an, dass „auch wenige hundert Meter mehr im Alltag eine erhebliche Veränderung darstellen können“. Diese Formulierung ist noch zu milde: Diese durch den Nahverkehrsplan notwendig werdenden zusätzlichen Wege machen die Nutzung des ÖPNV für viele mobilitätseingeschränkte Personen gänzlich unmöglich.

Der Wegfall der Haltestellen zwischen Lünen und Werne betrifft besonders Menschen aus den Ortsteilen Langern und Lenklar und dort Menschen mit Mobilitätseinschränkungen im Besonderen. Ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen, die auf dem Weg zur Arbeit, zum Arzt, zu Freizeitaktivitäten oder zu vielen weiteren Terminen den öffentlichen Nahverkehr genutzt haben sind nun nicht mehr selbstbestimmt in der Lage diese Termine wahrzunehmen, da die nächste Haltestelle in diesem Bereich häufig weit entfernt ist. Eine Folge kann der Verlust des Arbeitsplatzes, eine verschlechterte Gesundheit oder Einsamkeit im Alter sein. Und nicht jeder kann die Fahrten durch Krankenfahrten, Taxiunternehmen oder die Familie ersetzen. Dabei wird sich mit dem ständig voranschreitenden demographischen Wandel die Situation nicht verbessern.

Drittens ist die fehlende Barrierefreiheit der Haltestellen zu bemängeln. Sowohl die Haltestelle „Freistuhl“ in Fahrtrichtung Lünen als auch die Haltestelle „Schemmelweg“ in Fahrtrichtung Hamm ermöglichen keinen stufenlosen Einstieg in Form eines Hochbordes. Besonders in Fahrtrichtung Lünen wäre dies durch einen erhalt der Haltestelle „Berliner Straße“, die zumindest in eine Richtung ein Hochbord besitzt, zu vermeiden gewesen. So ist ein selbstständiger Einstieg für Menschen mit Mobilitäts- und Sehbehinderungen erschwert bis unmöglich. Durch fehlende Querungshilfen in unmittelbarer Nähe und unzureichende Sicherheitsabstände zum fließenden Verkehr auf dem Weg zu Haltestelle ist die Haltestelle „Freistuhl“ aus weiteren Gründen ungeeignet. Mit der Einrichtung einer Unterkunft für Geflüchtete und dem damit verbundenen Umzug der Tafel Werne und der Arbeitsgemeinschaft Flüchtlinge (AGF) Werne, sowie die Errichtung des Wohngebiets „Bellingholz Süd“ an die Lünener Straße ist in diesem Bereich mit einer vermehrten Nutzung des ÖPNV zu rechnen.

Daher stellen wir folgende Forderungen auf, um die Situation für Menschen mit Behinderungen
und der älteren Generation zu verbessern:

  1. Wiederanbindung der Ortsteile Langern und Lenklar an die Verbindung X1
  2. Einrichtung eines Halts an der „Berliner Straße“
  3. Bestehende Barrierefreiheit und eine barrierefreie Zuwegung bei der Auswahl von Haltestellen zu beachten

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