Aus Fehlkäufen macht Selime Aytis Lieblingsstücke

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Werne. Der Einzelhandel der Werner Innenstadt hat viel zu bieten, auf den ersten und zweiten Blick. Kleine und große, meistens inhabergeführte Geschäfte, setzen auf Service, Fachberatung und Kundenfreundlichkeit. WERNEplus stellt Ihnen im August eine Auswahl vor.

Heute: Selime’s Nähkästchen

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Eine Passantin schaut durch die offene Tür und ruft im Vorbeigehen einen Gruß herein. Kurz darauf macht ein Paar das gleiche. Selime Aytis schaut jedes Mal kurz von ihrer Nähmaschine auf und grüßt zurück. „Manchmal kommen die Leute auch nur herein, um sich zu unterhalten“, sagt sie. Und nicht, um etwas ändern zu lassen. Denn darum geht es eigentlich in „Selime’s Nähkästchen“. Vor sechs Jahren, zwischen zwei Lockdowns während der Coronapandemie, wagte Aytis den Sprung in die Selbstständigkeit. Sie eröffnete eine Änderungsschneiderei an der Bonenstraße 29. Und seitdem? „Läuft es“, sagt Selime Aytis. Sie hat einen großen Kreis an Stammkunden. „Und dank Mundpropaganda kommen immer wieder neue Kunden dazu.“

Gewünscht werden Änderungen aller Art. Und für Aytis ist vieles möglich. „Selbst wenn man denkt, ein Kleidungsstück ist ein hoffnungsloser Fall, kann man oft noch etwas retten.“ Das gilt für aufgetragene Lieblingsstücke ebenso wie für Fehlkäufe. Zum Beispiel, wenn man sich von einer Verkäuferin zu einem langärmeligen Kleid mit Stehkragen hat überreden lassen – und sich vor dem Spiegel daheim darin gar nicht mehr wohl fühlt. Selime Aytis ändert den aufgenähten Kragen, kürzt die Ärmel und die Kundin hat ein Kleid, das sie trägt. „Ein anderes Mal haben eine Kundin und ich erst bei der Anprobe festgestellt, dass der Saum des Kleides vorn zu lang war“, erzählt die Schneiderin. Auch einen verschnittenen Blazer kann sie richten, ebenso wie ein geerbtes Kleidungsstück umändern. „Ich finde, das ist eine der schönsten Erinnerungen: etwas von einem geliebten Menschen am Körper zu tragen.“

Bei der Beratung gibt es für Aytis kein richtig oder falsch. „Ich sage meine Meinung, etwa zur Länge eines Rocks oder einer Hose, aber der Kunde entscheidet.“ Sie nimmt sich gern die Zeit, ein Kleidungsstück nochmal neu abzustecken, obwohl es schon im Geschäft oder zu Hause vorgesteckt wurde. Diese Zeit nimmt sie sich auch für Kunden, die wegen körperlicher Einschränkungen oder Gehilfen etwas länger in der Umkleidekabine brauchen. Aytis wartet. Und wenn es gewünscht wird, hilft sie auch beim Umziehen. „Oft entwickeln sich dabei auch Gespräche über die Anprobe hinaus“, sagt sie. Was sie allerdings nicht könne, sei zaubern. Eine Hose mit einem winkelförmigen Riss lasse sich nicht wieder in einen neuwertigen Zustand versetzen. Aber wer dazu steht, kann sie anders aufpeppen lassen. Sitzt der Riss weiter unten, lässt sich aus einer langen Hose eine kurze schneiden. „Oder ich nähe einen bunten Flicken oder Reißverschlüsse drauf“, erklärt Aytis. „Mode darf auch bunt und schräg sein.“

Bevor sie sich selbstständig machte, arbeitete Selime Aytis 14 Jahre lang bei einer Schneidermeisterin. In den vergangenen Jahren stellte sie fest, dass sich das Bewusstsein der Menschen für Mode gewandelt hat. „Es kommen inzwischen viele Menschen zu mir, um Second-Hand-Kleidung ändern zu lassen. Und sie stehen bewusst dazu, aus zweiter Hand zu kaufen.“ Junge Frauen und Männer würden sich von Billigmode abwenden, die weggeworfen wird, wenn ein Knopf abfällt oder der Saum ausfranst. Stattdessen kaufen sie Vintagekleidung auf Online-Plattformen. „Und es lohnt sich, einen Anzug oder ein Kleid dann für den eigenen Körper passend zu machen“, fügt Aytis hinzu. Das gelte übrigens auch für Stücke, die von der Stange gekauft würden. Was am meisten bei ihr nachgefragt wird, ist allerdings das Kürzen von Hosen. Drei bis vier Werktage sollten Kunden dafür einplanen, denn Selime Aytis arbeitet ohne Angestellte.

Auch wenn sie mit ihrem Standort sehr zufrieden ist, wünscht sich Aytis von Politik und Stadtverwaltung mehr Unterstützung für den Bereich der Bonenstraße zwischen Partnerschaftsuhr und Kreisverkehr am Kino. „Es ist eine breite und alteingesessene Straße, an der abends dank der Gastronomie hier viel los ist.“ Tagsüber aber werde sie häufig vergessen. Es wäre schön, diesen Teil der Innenstadt stärker in Veranstaltungen einzubeziehen. Etwa beim Straßenfestival im August. „Das findet aber wieder an anderen Orten statt.“

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