Werne. Das Spätsommer-Turnier des Reit- und Fahrvereins St. Georg, dieses Mal vom 20. bis zum 23. August auf der Vereinsanlage in Ehringhausen ausgetragen, gehört weiterhin zu den beliebtesten in der Region: 1798 Nennungen waren für die 42 Prüfungen eingegangen – eine sehr gute Resonanz.
Am letzten der vier Turniertage gab’s zwei Höhepunkte: Die Springreiter kämpften vor großer Kulisse um den Moormann-Preis, parallel stand – etwas abseits und bei gebotener Ruhe – auf dem Viereck eine Dressur der Klasse S** auf dem Programm. Und das mit einer Werner Gewinnerin: Ann-Kathrin Leisentritt erfüllte sich einen Karrieretraum, denn mit dem Sieg im Sattel des 10-jährigen Hannoveraners Ferrero Mio meisterte die 23-jährige Studentin auch die letzte Vorgabe zum Erhalt des Goldenen Reitabzeichens.
Insgesamt war die Atmosphäre sehr entspannt, allerdings trübte ein Unfall auf dem Abreiteplatz die Stimmung am ersten Tag.
Freude über „ein sehr gutes Turnier“
„Es war ein sehr gutes Turnier, das Wetter war super und von den Besuchern her top“, freute sich Andreas Trouvain, Vorsitzender des RV St. Georg Werne, ergänzte allerdings auch: „Es sind aber nicht mehr so viele wie früher.“ Im Vergleich zu vielen anderen Reitveranstaltungen „sind wir immer noch sehr, sehr gut besucht“, sagte Trouvain, der sich mit seinem Team viele Gedanken darüber mache, warum der Reitsport für Außenstehende an Attraktivität verloren hat: „Wir haben schon viel versucht. Ich glaube, dass Schauwettbewerbe das Publikum inzwischen mehr anziehen. Und die Profis wollen eigentlich eher in der Woche reiten statt am Sonntag, weil da die großen Turniere sind.“

Moormann-Preis nach Kirchhellen
Der traditionelle Moormann-Preis war der krönende Abschluss der vier Turniertage in Ehringhausen: In der Springprüfung der Klasse S* bis 1,40 Meter kamen nach 460 Metern Bahnlänge, elf Hindernissen mit 14 Sprüngen (eine Zwei- und eine Dreifache Kombination) acht von 26 Pferden ins Stechen – darunter auch Balounita S mit Stephan Schwert. Der Lokalmatador jubelte bereits nach dem fehlerfrei überstandenen Umlauf, als sei ihm gerade der Sieg gelungen. Nach dem Stechen stand mit der 10-jährigen Stute von Balous Bellini Platz sieben zu Buche, „aber ich war echt nahe dran, ich bin zufrieden. Wenn es das Turnier zuhause ist, dann muss man schon volles Risiko gehen“, meinte Schwert, der seinen Mut mit einem Abwurf sowie einem Steher am letzten Sprung bezahlte. „Stephan ist der einzige Amateur, der gegen die Profis kämpft. Und das mit einem Pferd, das er selbst gezogen hat. Er war nicht weit weg vom Sieg“, lobte der St. Georg-Vorsitzende Andreas Trouvain.
Den Moormann-Preis gewann Justus Sternschulte vom RV Kirchhellen mit dem letzten Ritt des Tages. Hauke Bintig war mit Touloubre zwar noch eine Sekunde schneller als der Sieger, hatte aber einen Abwurf zu verzeichnen.

Zu Besuch in der Heimat
Bintig, langjährig erfolgreicher Reiter des RV St. Georg Werne und bereits mit 16 Jahren Träger des Goldenen Reitabzeichens, freute sich auf das Wiedersehen mit Freunden – und war auch sportlich erfolgreich. „Hätte mir vor dem Wochenende einer gesagt, ich werde Dritter und Fünfter in den beiden S-Springen, dann hätte ich das sofort unterschrieben“, sagte der inzwischen 25-Jährige, der aus dem 320 Kilometer entfernten Viernheim (Metropolregion Rhein-Neckar) angereist war.
Der Besuch habe gut in seinen Kalender gepasst, denn: „Ich hatte von meinem Chef an diesem Wochenende eigentlich frei und habe eher durch Zufall gesehen, dass hier in Werne Turnier ist.“ Arbeitgeber sind inzwischen Martina und Bernd Herbert, bei denen neben anderen auch Richard Vogel, in der vergangenen Woche Weltmeister mit dem deutschen Team in Aachen geworden, seine Ausbildung absolvierte. Bis Ende 2024 war Bintig noch in Schopfheim an der Schweizer Grenze im Stall Trefzger angestellt, dann trennten sich nach Umstrukturierungen im Betrieb die Wege. Weltklasse-Springreiter Hans-Dieter Dreher stellte schließlich im Rahmen des Weltcup-Finales Anfang 2025 in Basel den Kontakt zu den Herberts her. „Die Chance musste ich wahrnehmen. Ich habe sehr, sehr tolle Pferde und ein super Umfeld – nicht nur sportlich, auch menschlich gesehen. Was ich im letzten Jahr lernen durfte, ist enorm. Die stehen jeden Morgen mit auf dem Springplatz und arbeiten mit mir“, sagt Bintig. Er hatte Anfang 2024 beschlossen, als kaufmännischer Angestellter bei Venneker in Nordkirchen zu kündigen und sich seinen Lebensunterhalt als Profi-Bereiter zu verdienen.

Für die „Deutsche“ gerüstet
Wernes Springreiter-Talent Lutz Gripshöver junior verzichtete in Ehringhausen auf Starts in den schweren Springen, war in Prüfungen bis zur Klasse M** erfolgreich unterwegs. „Ich bin mit dem Wochenende sehr zufrieden. Ich bin drei neue Pferde geritten, die liefen sehr gut“, berichtete der 15-Jährige. Und Cornet Royal, sein Lieblingspferd, sei auch top-gesprungen. Es sei für ihn und seinen erst 8-jährigen Hengst noch einmal eine gute Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft gewesen. In der kommenden Woche geht es für Gripshöver nach Ostönnen, bevor in Münster beim Turnier der Sieger eine schwerere Runde im Rahmen der U25-Tour wartet, und schließlich eine Woche später in Zeiskam (Rheinland-Pfalz) die DM der Junioren als Abschluss der Sommersaison.

Unfall auf dem Abreiteplatz
Für Britta Wittenbrink war das Turnier beendet, bevor es für sie so richtig begonnen hatte. Die Reiterin des gastgebenden Vereins wurde am ersten Tag des Turniers auf dem Abreiteplatz – im Sattel sitzend – vom auskeilenden Pferd eines Konkurrenten auf Stiefelhöhe getroffen. Folge: Offener Schien- und Wadenbeinbruch, Operation und eine lange Pause. Eigentlich hätte sie in den kommenden Tagen bei den anstehenden Bundeschampionaten in Warendorf von fünf qualifizierten Nachwuchspferden vier präsentieren sollen.
„Sie hat schon sehr viele Genesungswünsche bekommen“, berichtete ihr Mann Christian am Schlusstag, „das hat sie riesig gefreut.“ Schon wenige Stunden nach dem Unfall hatte es die besten Wünsche vom Turnierplatz mit einem Gruppenbild vor der Anzeigetafel via Instagram gegeben. St. Georg-Vorsitzender Trouvain: „Gott sei Dank ist an den Tagen danach nichts mehr passiert.“

















