Wer industrielle Messdaten früher aus einer Fertigungshalle bekommen wollte, kannte das Problem: Rohdaten raus, Hoffnung rein. Jeder Sensor schickt seine Werte ungefiltert zu einem Server, irgendwo im Netz, und erst dort passiert die eigentliche Auswertung – wenn die Bandbreite reicht und die Latenz nicht schon längst zu spät ist. Die Bochumer Auto-Intern GmbH hat diesem Prinzip nach eigenen Angaben zehn Jahre lang immer wieder dieselbe Antwort entgegengesetzt: ein kleiner, robuster Linux-Rechner, direkt an der Quelle. Aus den vielen Einzelanfertigungen ist inzwischen ein fertiges Produkt geworden – die skAInet Edge-Compute v1.5.
Rechenleistung, wo die Daten entstehen
Im Kern ist die Edge-Compute ein programmierbarer M12-PoE-Switch mit eigenem Compute-Modul. Ein WAN-Port verbindet das Gerät mit dem übergeordneten Firmennetz, sieben weitere M12-LAN-Ports mit PoE Class 3 spannen ein eigenes, internes DHCP-Netz auf. Sensoren, SPS-Steuerungen, Kameras oder eigene Messgeräte hängen auf der LAN-Seite – nach außen geht nur, was man tatsächlich weiterleiten will. Dahinter arbeitet ein 8-Kern-ARM-Prozessor mit 1,5 GHz, 8 GB RAM und 32 GB eMMC-Speicher: genug, um Messdaten vor Ort zu puffern, vorzuverarbeiten und zu analysieren, statt sie roh und unverarbeitet in die Cloud zu schicken.
Bemerkenswert ist die Modularität: Das Rechenmodul im Inneren ist pin-kompatibel zur Raspberry-Pi-Compute-Module-Familie und sitzt auf einer eigenen Trägerplatine. Wird eine schnellere oder günstigere Recheneinheit verfügbar, tauscht man das Modul – Gehäuse, Platine und Anschlüsse bleiben unverändert.
Ein Kabel für alles, dicht bis unter Wasser
Die Stromversorgung läuft über ein einzelnes M12-Kabel mit 48 bis 72 V DC, aus dem sowohl das Modul selbst als auch alle sieben angeschlossenen PoE-Geräte versorgt werden. Das Gehäuse aus eloxiertem Aluminium mit versiegelten M12-Steckverbindern ist für den Betrieb unter Wasser bis 1 bar ausgelegt – kein Marketingwert, sondern ein Ergebnis aus der EMV-Testkampagne in Dongguan, bei der genau diese Steckverbindung an ihre Grenzen kam.
Auf der Softwareseite läuft ein Yocto Linux mit vollem SSH-Zugriff und einer dokumentierten Software Bill of Materials (SBOM) – vorbereitet auf die Anforderungen des EU Cyber Resilience Act. Nach oben spricht das Gerät praktisch jedes gängige Protokoll: REST, WebSocket, MQTT, OPC UA, Modbus-TCP und weitere. Wer die eigene Sensorik über MQTT anbinden will, findet damit eine fertige, geprüfte Schnittstelle statt einer Bastellösung.
Vom Prototyp zum Produkt
„Ten years of rebuilding the same thing is a strong hint that it wants to be a product“ – so beschreibt Stephan Bökelmann, COO von Auto-Intern, den Weg der Edge-Compute vom internen Werkzeug zum eigenständigen Produkt. Vorläufer liefen unter anderem als Gateway-Rechner im DIANA-Programm der Deutschen Bahn und als Steuerungseinheit für einen Reflow-Ofen-Monitor bei Kurtz Ersa in Dongguan – jeweils mit demselben Grundprinzip: PoE-Switch, ein WAN-Port, Linux, und so nah wie möglich an der Messquelle digitalisieren.
Die technischen Daten und ein Getting-Started-Guide sind öffentlich einsehbar, Preise starten bei 299 US-Dollar.
Wer tiefer in die technische Architektur einsteigen will – vom MQTT-Aufbau bis zur Auswahl des Compute-Moduls –, findet weiterführende Einblicke bei maxclerkwell.tech.



