Denkmalserie: Stadtmauer schützte Werne bis ins 18. Jahrhundert

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Werne. „Auf die Türme!“ schallte dieser Ruf durch die Straßen und Gassen Wernes, „rotteten“ sich die Bäcker, die Schneider, die Schmiede, die Fleischhauer, Meister und ihre Gesellen, zusammen, auch die der anderen Zünfte und Gilden.

Drohte ein räuberischer Überfall, oder setzte der Feind, der Graf von der Mark, mit Rittern und Knappen über die Lippe, musste die Vereidigung schnell auf den Beinen sein. Daher war genau festgelegt, wieviel Mann sich an welchem Abschnitt der Stadtmauer zu versammeln hatten, so etwa zwischen Steintor und Grieseturm am Bäckerhäuschen 28 Mann, am Steintor 8, am Grieseturm 5.

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Es wurde getrommelt und geblasen. So konnten schnell vier Stadttore, eine Pforte, 8 Türme und vier Häuschen auf dem Mauerring besetzt werden. Von dort eilten dann die Mannschaften auf dem Wehrgang der Mauer zu der Stelle, an der die Angriffsspitze des Feindes zustieß. Eine Abteilung wurde „Rotte“ genannt; sie unterstand einem Rottmeister. Der musste stets wachsam sein.

Im alten „Werneschen Rottebuche“ heißt es, dass die Rottmeister „erstlich jederzeit durch ihre Rottgesellen fleißige Schildwacht halten, und falls sie etwas vernehmen, sollen sie Alarm schlagen lassen“. Die wehrfähigen Männer mussten sich im Gebrauch der Waffen üben und jederzeit für die Stadtverteidigung verfügbar sein.

Der Denkmalbereich der Stadtmauer erschließt Wichtiges zur Stadtentwicklung. Ursprünglich ist schon der Raum rings um die Pfarrkirche mit Wall und Graben befestigt, ab 1302 durch eine Mauer verstärkt. 1383 wird der Ort mit Gräben und Palisaden umgeben. Er dient den Bewohnern als Fluchtort bei Angriffen. Um 1400 erweist sich diese Anlage als zu klein.

Nicht nur sind räuberische Überfälle allgegenwärtig, vor allem befehden sich die beiden Territorialherren, der Bischof von Münster und die Grafen von der Mark, um ihre Besitzungen auf Kosten des Anderen auszudehnen. Mehrfach wird Werne von den Truppen des Grafen angegriffen und gebrandschatzt.

Die Stadtmauer begrenzt den jüdischen Friedhof. Foto: Wagner

Der Bischof von Münster, Wernes Landesherr, baut Werne gegen den Feind zur Grenzfestung aus. Die Bauern in den westlichen Werner Bauerschaften müssen in die Stadt umsiedeln. Sie werden zu Ackerbürgern, wohnen in der Stadt und bestellen ihre Felder in den Feldmarken außerhalb. Die Zahl der wehrfähigen Männer erhöht sich. Doch nur eine Mauer rings um die Stadt gewährleistet eine relative Sicherheit.

Allerdings werden erst über eine Bauzeit von ca. 100 Jahren einfache Verteidigungsanlagen, Wälle, Gräben, Palisaden, schrittweise durch eine stabile Steinmauer, 3,60 Meter hoch und 60 Zentimeter dick, ersetzt. Sie besteht aus Feldbrandsteinen auf einem Bruchsteinfundament, 3.700 Taler teuer, damals eine riesige Summe.

Für die Entwicklung Wernes zur Stadt ist der Bau der Mauer eine der Voraussetzungen. Sie schützt nach außen; innerhalb bildet sie einen eigenständigen Rechtsbezirk, in dem der Landesherr wichtige Privilegien an die Stadtbürger abgetreten hat. Inmitten werden Rathaus und Marktplatz zum Zentrum einer stolzen Bürgergemeinde.

Mit dem Westfälischen Frieden und neuer Waffentechnik wird die Mauer im 18. Jahrhundert überflüssig. Die Stadt verkauft die Mauer auf Abriss. Das Material wird zum Haus- und Straßenbau verwendet. Bei den Resten der historische Südmauer handelt es sich um eine etwa 3 Meter hohe Backsteinmauer mit spitzer Krone, die im unteren Teil mit Bruchstein durchsetzt ist. Diese Reste begrenzen den jüdischen Friedhof.

WERNEplus präsentiert zusammen mit dem Verein „Freunde des historischen Stadtkerns Werne“ Denkmäler der Lippestadt; in der gedruckten Zeitung und auch online.

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