Kaffeehaus-Nachmittag im Flöz K: Wenn Lesen die Seele berührt

Anzeige

Werne (rau). Kuchen, Quiche und Kummer: Flöz K ließ am Monatsletzten die Tradition der Kaffeehaus-Nachmittage aufleben und so transportierten Vorleserin Aloisia Kreienbaum und Kollege Roger Otten aus Köln in atemberaubender Weise atemberaubende Texte. Das Publikum war begeistert und einig: Es muss mehr geben. „Man“ hört: wird es wohl auch.

Kreienbaum und Otten sind ausgebildete Sprecher/innen – sie in Werne eine hörbare Größe u.a. durch die Lesewelt. Für den Wiedereinstieg in die Kaffeehaus-Nachmittage hatten beide „Unbekanntes von Bekannten“ gewählt.

- Advertisement -

Heinrich Böll war dabei: Natürlich, kaum einer kann so vorsichtig zuversichtlich traurig sein wie er. Zu lesen und zu hören z.B. in der Geschichte über den Jungen, der nach dem Krieg durch den Satz eines Vaters: „Sie ist tot“, weiß, dass mehr als seine schwärmerische Kindheit verloren und Neubeginn noch einzuüben ist.

Wolfdietrich Schnurre: Älteren aus dem Schulbuch „Wort und Sinn“ bekannt, lebt mit seiner Vater-Sohn-Erzählung über „Wir kennen einen Zwerg“-Geschichte hoffentlich ewig (nicht nur) in Kinderseelen weiter. So liebevoll, so zuversichtlich, Tolkien würde sich verneigen.

Christa Reinig: Sie kann Ballade und sie ist so pointiert, so witzig, dass Friedrich von Schiller wohl gerne gelauscht und vielleicht von der Leichtigkeit der treffenden Formulierungen ein bisschen inspiriert gewesen wäre.

Martin Walser: Ein Mann mit subtiler Leidenschaft fürs Nebenbei. Und wer es Sonntag noch nicht ahnte, wusste nach dem Kaffeehaus-Nachmittag, wie dramatisch kompliziert das Leben eines Pförtners zu sein vermag.

Dietrich Bonhoeffer: Ein Theologe mit klaren Blick auf die Bedrohung durch dumme Menschen, die in geistig flachen Pfützen leben und schnell zur Beute von Bosheit und damit zu Chargen jedweder Demokratiefeinde werden können. Bonhoeffer starb im Konzentrationslager.

Siegfried Lenz: Ein Mann so viel mehr als seine „Deutschstunde“. „Der Läufer“ eröffnete den Kaffeehaus-Nachmittag im Flöz K. Eine berührende Geschichte über die letzte Chance eines Sportlers, der dann doch nicht siegt, nach der Ziellinie zusammenfällt, vergessen ist.

Wer danach das EM-Endspiel der Fußballfrauen gesehen hat, wusste irgendwie mehr.

Weitere Artikel von Werne Plus

Reisen mit Tieren: Kreis Unna gibt wichtige Tipps

Kreis Unna. Die Sommerferien haben begonnen und für viele Familien steht die Urlaubsreise noch bevor. Wer sein Haustier mitnimmt, sollte sich frühzeitig über die...

Praxis „LOMOH“: Mit modernen Konzepten zum Erfolg

Werne. In der Praxis für Ergotherapie und Lerntherapie an der Bahnhofstraße ist zu den Öffnungszeiten immer etwas los. Das liegt am breiten Spektrum der...

Blaulicht mal anders: THW lädt zum 40. Sommerfest ein

Werne. Die THW-Helfervereinigung Werne e.V. lädt für Samstag, 1. August, ab 20 Uhr zum 40. Blaulichtsommerfest ein. Wie in den vergangenen Jahren ist das Gelände...

Immer mehr Brot vom Discounter: Herausforderung für Handwerks-Bäcker

Werne. Bundesweit geraten immer mehr Bäckereien unter Druck. Das liegt auch daran, dass Menschen ihr Brot häufiger beim Discounter und nicht mehr in klassischen...