Das Kloster: Barockes Schmuckstück unter Wernes Sehenswürdigkeiten

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Werne. In der historischen Altstadt von Werne finden sich auf engstem Raum Beispiele für die wichtigsten Epochen der Kunstgeschichte – von der Romanik (in Form von Gewölberesten unter St. Christophorus) bis hin zur Bauhausarchitektur. Ein herausragendes Beispiel für den Barock liegt am Rande des Altstadtkerns: das Kapuzinerkloster.

Es ist das einzige vollständig erhaltene Kapuzinerkloster im Bistum Münster und daher ein Musterbeispiel für die deutsche Kapuzinerarchitektur des 17. Jahrhunderts. Seine Kirche präsentiert sich von außen, wie es sich für einen Bettelorden geziemt: als schmuckloser, weiß verputzter Bau. Erst im Inneren offenbart sich die Epoche, in der das Gotteshaus errichtet wurde: Die Schnitzkunst der Altäre und ihre Gemälde spiegeln barocke Pracht.

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Die Grundsteinlegung für die Kirche erfolgte am 10. August 1677. Verantwortlich für den Entwurf des Gotteshauses zeichnete der Ordensbaumeister Ambrosius von Oelde. Dabei hielt sich der Kapuzinerbruder an die Ordensregeln, nach denen die Gotteshäuser klein und ärmlich aussehen sollten. Um diesem Anspruch zu genügen, griff Ambrosius auf einen Kirchenbautypus zurück, der sich bei Bettelorden bewährt hatte: eine einfache Saalkirche mit fast schmucklosen Außenmauern.

So schlicht die Architektur ausfällt, so verschwenderisch wurden die Altäre im Inneren ausgestattet. Den Hauptaltar zahlte Fürstbischof Ferdinand II. von Fürstenberg (1626–1683), den rechten Seitenaltar stiftete die Adelsfamilie von Ascheberg. Und die Stifter wünschten mehr Prunk, als es einem Bettelorden geziemte. Die üppige Schnitzkunst und die kunstvollen Gemälde verkörpern in idealer Weise die sakrale Barockkunst.

Die Holzkonstruktionen der Altaraufsätze stammen aus der Entstehungszeit des Klosters. 1682 wurden die beiden Nebenaltäre aufgestellt, 1685 der Hochalter. Sie werden der Werkstatt des Bildhauers Paul Gladbach von Rüthen († Januar 1688) zugeschrieben. Er schuf eine Schauseite, die Elemente antiker Tempelfassaden aufnimmt. Die Altarbilder rahmte er mit gedrehten Säulen, an denen sich die christlichen Symbole Weinblätter und Trauben empor ranken.

Das Gemälde am Hochaltar fängt einen zentralen Augenblick der Kreuzigung ein. Foto: Anke Barbara Schwarze

Wie es für barocke Kirchenmalerei charakteristisch ist, inszenieren die drei Altargemälde biblische und legendäre Ereignisse wie auf einer Theaterbühne – mit dramatischen Gesten und effektvoller Lichtregie. Das illustriert das Gemälde am Hochaltar. Es fängt einen zentralen Augenblick der Kreuzigung ein: den Moment, in dem ein römischer Soldat mit der Lanze in den Körper des Gekreuzigten sticht, um festzustellen, ob dieser noch lebt. Und vor dem finsteren Himmel wirkt der weißliche Körper des Gekreuzigten wie von einem Scheinwerfer angestrahlt.

Die Gemälde auf allen drei Altären schuf der Kapuzinerbruder Damian von Ratingen († 1709). Dabei vereinte er italienische und niederländische Einflüsse. So verzichtete Damien ähnlich wie der italienische Barockmaler Annibale Carracci (um 1560–1609) bei Licht- und Schattenspielen auf harte Kontraste. Stattdessen scheint ein diffuser Schleier wie ein Weichzeichner über dem Bild zu liegen.

Für die Komposition der Kreuzigung ließ sich Damian von einem Star der damaligen Kunstszene inspirieren – vom Peter Paul Rubens und dessen Kreuzigung mit Lanzenstoß, die der flämische Maler 1619/1620 für die Kirche der Franziskaner-Rekollekten in Antwerpen anfertigte.

Die Betonung des Todes Christi steht im Zusammenhang mit dem Konzil von Trient (1545–1563). Dort formierte sich die katholische Kirche gegen die Reformation. 1562 fasste die Versammlung einen grundlegenden Beschluss: Weil im Messopfer Christus enthalten ist und unblutig geopfert wird, so ist das Messopfer ein wirkliches Sühneopfer, welches das Opfer Christi am Kreuz erneuert. Es wird dargebracht, um die Sünden der lebenden Gläubigen zu sühnen. Mit dieser Lehre grenzten sich die Katholiken von Reformatoren ab, die die leibhaftige Gegenwart Christi im Abendmahl bestritten.

Zum 350. Jubiläum der Grundsteinlegung des Kapuzinerklosters haben die Brüder einen neuen Kirchenführer zu ihrer Klosterkirche herausgegeben. Er ist zu den Öffnungszeiten an der Klosterpforte für 9,50 Euro erhältlich.

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