Sonntag, Mai 3, 2026

An(ge)dacht: Gerade in der Fastenzeit prüfen, wo Hilfe nötig ist

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Werne. Wir befinden uns in der Fastenzeit. Viele nehmen die 40 Tage bis Ostern zum Anlass, auf bestimmte Dinge zu verzichten. Damit tut mancher nicht nur Gutes für seine Gesundheit, er spart Geld, das er vielleicht spendet. So gut und richtig dies ist, in vielen Fällen ist Hilfe mehr, oder je nach Blickwinkel weniger, als der Griff zum Geldbeutel.

Wir leben in einem Zeitalter der Notfälle. In der Ukraine herrscht ein erbarmungsloser Krieg, in der Türkei und Syrien tötet ein Erdbeben tausende von Menschen. Auch im eigenen Land müssen immer mehr Menschen, unter ihnen viele Rentner, zu einem der Tafelläden gehen, weil sie nicht mehr genügend Geld für die Lebensmittel aus dem Supermarkt oder dem Bioladen haben. Zugleich ist die Hilfsbereitschaft unter den Menschen groß. Daneben gibt es aber auch Alltagsszenen, in denen eine erschreckende Neigung zu beobachten ist, Hilfe zu verweigern.

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Genau diese Hilfsbereitschaft ist ein wichtiger Aspekt biblischer Ethik. Die bekannteste Geschichte dazu stammt aus dem Neuen Testament, aus einem Gleichnis Jesu. Ein Mann war von Räubern überfallen und schwer verletzt worden. Menschen, unter ihnen sogar ein Tempelpriester, gingen an dem Leidenden vorbei ohne etwas zu unternehmen. Lediglich ein Samariter, einer der religiösen Underdogs der damaligen Zeit, kümmerte sich um das Verbrechensopfer.

Es gab in unserer Zeit Testsituationen, in denen am Straßenrand eine Unfallszene simuliert wurde. Die vorbeifahrenden Autofahrer hätten eigentlich anhalten und wenigstens die Polizei oder den Rettungsdienst per Handy alarmieren sollen. Die Testergebnisse waren ernüchternd. Viele Verkehrsteilnehmer fuhren achtlos vorbei und unternahmen gar nichts. In anderen Fällen behindern Gaffer die Rettungskräfte oder filmen Sterbende, statt zu helfen.

Schon im Alten Testament schreibt König Salomon in seinem „Buch der Sprüche“: „Verweigere keinem die nötige Hilfe, wenn es in Deiner Macht steht“ (Spr.3,27). 

Mancher mag sich fragen, was er als Einzelner schon tun kann. Er sieht die Zahl der Menschen, die täglich verhungern und meint, man, beziehungsweise er könne diesen Mitmenschen in ihrer helfen. Aufgrund dieser Überlegungen beschließt er, gar nichts zu spenden. Für keinen Menschen ist es an der Reihe, alle retten zu wollen. Es geht immer um einzelne Personen. Das betont auch Jesus, wenn er sagt: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder an Gutem erwiesen habt, habt ihr an mir getan“.

Ein anderer Einwand lautet: „Ich habe nicht viel Geld, sollen diejenigen spenden, die in Saus und Braus leben.“ Auch zu diesem Einwand nimmt Jesus Stellung. Im Jerusalemer Tempel beobachtet er die Gläubigen, die Geld in den Opferstock werfen. Einige sind offensichtlich reich und werfen große Münzen ein. Es kommt aber auch eine arme Witwe, die nur zwei kleine Münzen in den Kasten einlegt. Jesus erklärt dazu seinen Jüngern, dass die Frau mehr gegeben habe, als die Reichen, denn für sie hätten die beiden kleinen Münzen einen echten Verzicht bedeutet. Damit spielt er auf die Herzenshaltung der Spender an.

Es gibt auch viele Möglichkeiten, ohne Geld Gutes zu tun. Manchmal genügt ein Blick in die Nachbarschaft. Da wohnt vielleicht ein alleinstehender alter Mann, für den die regelmäßigen Einkäufe beschwerlich sind. Oder eine alleinerziehende Mutter, die jemanden bräuchte, der für ein paar Stunden auf die Kinder aufpasst. Deshalb sollte gerade die Fastenzeit ein Ansporn sein, mit offenen Augen zu prüfen, wo Hilfe nötig ist.

Ihr

Hermann-Peter Steinmüller, Christliche Gemeinde Waldstraße

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