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Werne. Das Wetter: trocken und mild. Die Karten: schon drei Wochen im Voraus ausverkauft. Besser kann eine Premiere nicht starten. Und einmal mehr zeigte sich: „Das Dschungelbuch“ ist ein Selbstläufer in der Freilichtbühne Werne.

Selbst, wenn die Wetteraussichten am Sonntagmorgen noch trübe aussahen. Doch der Regen verzog sich. Und pünktlich zu Beginn des Stücks – und damit zum Saisonstart – kamen noch ein paar Sonnenstrahlen durch.

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Fünf Monate hatten die Darstellenden geprobt, hatten die Teams der Requisite die Kulissen gebaut und Kostüme genäht. Vor dem Publikum breitete sich mitten im Münsterland ein lebendiges Dschungelpanorama aus. Neben der Wolfshöhle plätscherte ein echter Wasserfall, meterhohe Stoffblumen blühten auf urwaldgrünen Tarnnetzen. Zwei Säulen deuteten die Tempelruine an, die die Affenbande zu ihrem Refugium erkoren hatte.

Die Inszenierung folgte in weiten Zügen dem Buch von Rudyard Kipling. Franca Neumann hatte die Geschichte vom Menschenkind, das unter Wildtieren aufwächst, in bewährter Tradition der Freilichtbühne Werne umgesetzt – mit viel Aktion auf der Bühne, Tanzeinlagen, Songs zum Mitklatschen und Gelegenheiten für die Kinder, mitzumachen. „Bürgt ihr mit mir für das Menschenjunge?“, fragte Balu. Ein vielstimmiges „Jaaa!“ scholl ihm entgegen. Zwischendurch wurde das Stück mitten ins Publikum getragen, raste ein Frauentrio auf der Flucht vor dem Tiger Shir Khan schreiend durch die Reihen.

Die Dschungeltiere verbünden sich gegen Shir Khan.
Die Dschungeltiere verbünden sich gegen Shir Khan.

Für Erheiterung bei Zuschauenden jeden Alters sorgten die Wortgefechte zwischen Balu und Baghira. Christian Palm gab einen ebenso liebenswürdigen wie tapsig-gutmütigen Bären, Markus Brinkmann bot das kongeniale Gegenstück als manchmal mürrischer, aber stets grundanständiger Panther. Eine putzige Zutat zum Original war der vorlaute und quasselnde Waschbär Bruce. Emma Schmucker wurde in der Rolle des ausgebüxten Zootiers schnell zum Publikumsliebling – und zum gefunden Fressen für Balus Scherze. Da der Bär das kleinere Tier nicht als ebenbürtig ansah, taufte er es kurzerhand in „Waschlappen“ um.

Unter den plüschigen oder zottigen Tierkostümen blieb Mogli zunächst eher ein Nebendarsteller. Die Stunde seines Darstellers Elias Brinkmann schlug nach der Pause – als er die unterschiedlichen Tiere des Dschungels in einer flammenden Rede zu einem Rudel gegen Shir Khan vereint. Denn bei aller Komik fehlten die beklemmenden Momente der Geschichte nicht. Wenn der alternde Wolf Akela (Oliver Keuth) von seinem eigenen Rudel gejagt wird. Wenn Shir Khan die Gesetze des Dschungels manipuliert, um allein herrschen zu können. Das musste in dieser Deutlichkeit gezeigt werden, um Kiplings Geschichte von Freundschaft und Loyalität das notwendige Fundament zu verleihen.

Mogli in Gewalt der Affen
Mogli in Gewalt der Affen.

Dazu passte es, dass die Bösewichte der Geschichte keine platt gezeichneten Schurken waren. Shir Khan hatte einen Grund, Menschen zu hassen, war er doch von Jägern verletzt worden. Jutta Neugebauer spielte den Tiger mit samtiger Bedrohlichkeit in ihrer volltönenden Stimme. Die bestechliche Schlange Kaa ließ sich am Ende auf die Seite der Verbündeten ziehen. Dunja Nüsken zischelte sich glattzüngig ins Vertrauen der jeweils von Kaa bevorzugten Seite und zog mit sportlicher Ausdauer einen schweren Schlangenschwanz hinter sich her. Affenbande und Wolfsrudel brachten mit ihrer quirligen Beweglichkeit immer wieder Abwechslung auf die Bühne.

Das Publikum sparte nicht mit Szenenapplaus
Das Publikum sparte nicht mit Szenenapplaus.

Unterschiede lassen sich überbrücken – mit dieser Botschaft endete das Stück. Allerdings ohne erhobenen Zeigefinger. Dafür sorgten natürlich wieder Balu und Baghira. Ständig einer Meinung wollten sie nun auch nicht sein. „Sonst“, stellte Balu fest, „wird’s ja langweilig.“

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