Holocaust-Überlebender schildert Grauen von Theresienstadt an MSS

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Werne. Als eine der letzten „Stimmen des Holocaust“ erzählte Thomas Gabelin an der Marga-Spiegel-Sekundarschule seine Familiengeschichte.

Er wurde am 21. Dezember 1944 im Ghetto / KZ Theresienstadt als Kind einer jüdischen Mutter und eines nichtjüdischen Vaters geboren. Zum Zeitpunkt der Deportation war die Mutter mit Thomas hochschwanger.

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Statt Vorzeigeghetto und Propagandabeschönigung durch den Film: „Der Führer schenkt den Juden eine Stadt“, erwarteten die Eltern und auch Thomas als Baby unmenschliche Dinge. Sie erlebten furchtbare Situationen wie u.a. das gegen Kriegsende unzählbar viele Züge ins Ghetto einfuhren, die kaum mehr lebende „Fracht“ beinhalteten, sondern Berge von Leichen. Die Unterbringung und die Zeit in Theresienstadt waren unbeschreiblich grausam. Thomas Gabelin war als Baby in der Hohenelber Kaserne (der KZ-Klinik) übersät von Läusebissen. Es gab kein Wasser, deshalb musste der geschmolzene Schnee zum Leben ausreichen.

Von 9.000 in Theresienstadt inhaftierten Kindern überlebten nur 100 und entkamen den Gaskammern von Auschwitz. Thomas ist eines dieser Kinder.

„Betrachtet euch alle als  Menschen, nur dann kann man friedlich miteinander leben. Wir sind alle Menschen!“

Thomas Gabelin zu den Neunt- und Zehntklässlern der Marga-Spiegel-Schule

Gebannt lauschten die Neunt- und Zehntklässler anderthalb Stunden Thomas  Gabelins Geschichte und stellten ihm viele Fragen – auch zur heutigen  politischen Situation. Seine Botschaft lautete: „Betrachtet euch alle als  Menschen, nur dann kann man friedlich miteinander leben. Wir sind alle Menschen!“

Den Kontakt zur Schule stellte Louis Pawellek (26) her, nachdem er von der ersten Auschwitzfahrt der Marga-Spiegel-Schule im letzten Jahr gehört hatte. Mit Thomas Gabelin verbindet Pawellek eine ungewöhnliche und enge Freundschaft. Der junge Buchautor und der KZ-Überlebende setzen sich gemeinsam gegen das Vergessen und für das Erinnern ein.

Thomas Gabelin zählt zu den letzten in der Öffentlichkeit aktiven Überlebenden des Holocaust. Am 28. November 2024 erschien ein neues gemeinsames Buch von Thomas Gabelin und Louis Pawellek. Es trägt den Namen „Es gab mehr als nur Auschwitz – Gedenkorte, die niemals in Vergessenheit geraten dürfen“. In dem Buch hat Pawellek 17 eher unbekanntere Orte des Naziverbrechens in ganz Europa besucht, die mit vielen Bildern und Erklärungen vorgestellt werden. Es gibt in jedem Kapitel einen QR-Code über den es 17 dazugehörige Filme anzuschauen gibt. Gabelin hat das Vorwort geschrieben. Das KZ und Ghetto Theresienstadt, welches er überlebte, ist einer dieser Orte.

Im Rahmen der Veranstaltung an der Marga-Spiegel-Schule begleitete auch ein Filmteam des WDR Louis Pawellek, der aufgrund seines Engagements gegen das Vergessen für die Sendung „Menschen hautnah“ portraitiert wird. Ein Sendetermin steht noch nicht fest.

Im Nachgang zu der Veranstaltung wünschten sich die Schüler der MSS noch mehr solcher Begegnungen, die nicht nur das im Unterricht Thematisierte unterstützen, sondern darüber hinaus ihr Leben bereichern und sie zu „Zweitzeugen“ machen, indem sie Thomas‘ Geschichte weitererzählen.  So erwartet auch die Auschwitz-Projektgruppe der Schule mit doppelt so vielen Teilnehmenden wie im letzten Jahr gespannt die nächste Reise vom 25. bis 29. Juni 2025 an diesen wichtigen Gedenkort.

An die Namensgeberin der Schule, Marga Spiegel, wurde im  Rahmen der Veranstaltung  ebenfalls erinnert und die besondere Verbindung zur Geschichte von Thomas Gabelin herausgestellt.

„Möglich wurde der Besuch von Thomas Gabelin durch die freundliche Unterstützung von Bücher Beckmann in Werne. Die Schulgemeinde dankt herzlich dafür“, so Rita Lefering, Didaktische Leiterin der Sekundarschule.

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