Werne. Wie sollen neue Gewerbeflächen in Werne zukünftig entwickelt werden? Darum geht es beim Bürgerdialog am Mittwoch, 25. März, ab 18 Uhr (Einlass: 17.30 Uhr) im Jugendzentrum JuWeL.
„Werne braucht Platz für die Wirtschaft von Morgen. Aktuell verzeichnen unsere heimischen Unternehmen einen hohen Bedarf an Flächen, den wir im Stadtgebiet derzeit nicht mehr bedienen können. Um den Wirtschaftsstandort Werne langfristig zu sichern, hat der zuständige Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung bereits im März 2025 einstimmig beschlossen, der Frage nach neuen Gewerbeflächen verstärkt nachzugehen“, heißt es auf der städtischen Homepage.
Aus diesem Anlass lädt die Stadtverwaltung alle interessierten Bürgerinnen und Bürger zum Dialogforum Gewerbeflächen ein.
Erste Betriebe sind bereits in umliegende Kommunen abgewandert, weil das Angebot an Gewerbeflächen in Werne ausgeschöpft ist. Neben der Wichtigkeit, den Wirtschaftsstandort Werne in Zukunft zu sichern, tragen Unternehmen durch Gewerbe- und Grundsteuern auch einen ganz wesentlichen Teil zur Lebensqualität in unserer Stadt bei, argumentiert die Verwaltung.
Doch die Frage nach neuen Flächen sei bekanntermaßen viel diskutiert – denn mit Natur, Wohnen,
Gewerbe und Landwirtschaft bestehen vielfältige Nutzungsansprüche an die begrenzte Ressource
Fläche. Ein Grund mehr für die Stadt Werne, bereits frühzeitig mit der Öffentlichkeit ins Gespräch zu kommen.
„Wir wollen den Prozess so offen wie möglich gestalten. Deshalb suchen wir schon jetzt den Austausch mit den Bürgerinnen und Bürgern – noch bevor es um konkrete Planungen oder Standorte geht“, erklärt Bürgermeister Lars Hübchen. „Ob Unternehmerin oder interessierter Bürgerin: Es geht uns darum, unterschiedliche Perspektiven auf das Thema zu hören und wertvolle Impulse für den weiteren politischen Prozess mitzunehmen.“
Interaktives Format
Wichtig dabei: Es wird für die Teilnahme kein Vorwissen benötigt. Das Dialogforum ist als Austausch rund um die Themen Wirtschaft, Flächen, Lebensqualität und Nachhaltigkeit gedacht – anstelle langer Vorträge können Bürgerinnen und Bürger sich direkt einbringen.
Um die Diskussion auf ein fachlich fundiertes Fundament zu stellen, werfen Wulf-Christian Ehrich, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK zu Dortmund, Christine Wolf, Geschäftsführerin der wbp Landschaftsarchitekten, und Wernes Stadtplaner Ralf Bülte unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema Gewerbefläche.
Moderiert und begleitet wird die Veranstaltung von Dr. Wolfgang Haensch und Pernilla Kober vom Büro CIMA, das viel Erfahrung im Bereich der Stadtentwicklung, Lebens- und Wirtschaftsräume mitbringt.
Lehren aus dem Bürgerentscheid 2021
„Dass die Stadtverwaltung jetzt so frühzeitig in den Dialog einsteigt, ist auch eine Lehre aus dem Bürgerentscheid 2021“, so Bürgermeister Lars Hübchen. Das bedeutet aber auch: „Weil sich der Prozess noch ganz am Anfang befindet, steht noch nicht fest, in welche Richtung es geht. Wir können daher auch nicht über konkrete Standorte sprechen, weil es sie einfach noch nicht gibt. Stattdessen geht es in der Veranstaltung darum, den Menschen die Möglichkeit zu geben, sich persönlich zu informieren, mit anderen auszutauschen und gemeinsam an Qualitäten für künftige Gewerbeflächen in Werne zu arbeiten.“























Hühnerhof als Weckruf: Neue Gewerbegebiete brauchen volle Kostentransparenz
Die kürzlich bekannt gewordenen archäologischen Kosten am Hühnerhof sind kein bedauerlicher Einzelfall. Sie machen deutlich, dass Werne ein strukturelles Problem in seiner Gewerbe- und Flächenpolitik hat: Entscheidungen werden getroffen, ohne dass sämtliche finanziellen Risiken transparent auf dem Tisch liegen.
Die BIN stellt klar: Es geht nicht um individuelles Fehlverhalten, sondern es geht um politische Verantwortung. In einer angespannten Haushaltslage müssen große Projekte denselben Maßstäben unterliegen, die in den Haushaltsberatungen parteiübergreifend eingefordert wurden.
So erklärten (…) im vorhergehenden Haushaltsausschuss der Stadt die CDU, man müsse „die bereits bestehenden Einnahmemöglichkeiten sowie die Ausgabenstruktur der Stadt prüfen“. Die SPD sprach sich dafür aus, „laufende Planungen kritisch zu prüfen und abzuwägen, welche Maßnahmen unter den aktuellen Rahmenbedingungen noch sinnvoll und finanzierbar sind“. Die FDP forderte „eine ehrliche Aufgabenkritik“, die UWW will „alle Ausgaben auf den Prüfstand stellen“, und die Linke betonte: „Es gilt dort einzusparen, wo dies möglich und gerecht ist.“
Diese Aussagen sind richtig. Sie müssen jedoch auch für neue Gewerbegebiete gelten.
Das Hühnerhof-„Fiasko“ zeigt exemplarisch, welche Kosten jenseits des Kaufpreises entstehen können: Zinsen, Gutachten, Planung, Erschließung, ökologische Ausgleichsmaßnahmen und archäologische Untersuchungen. Diese Ausgaben fallen lange vor möglichen Gewerbesteuereinnahmen an und sind, wie gerade zu beobachten, mit erheblichen Risiken verbunden.
Gerade archäologische Risiken sind in Werne nicht überraschend, sondern sehr bekannt. Darauf wurden die Vertreter der Stadt beim sogenannten Hühnerhofspazierhang schon von BIN-Vertretern angesprochen und taten dies lakonisch mit der Bemerkung ab, das werde man dann sehen, was „da noch drunter liegt“.
Wer Grundstücke ankauft, ohne diese Risiken transparent und vollständig zu kennen und darzustellen, verlagert finanzielle Unsicherheiten in den städtischen Haushalt – und damit auf die Bürgerinnen und Bürger von Werne.
Die zentrale Frage lautet daher: Wie viel kosten neue Gewerbegebiete tatsächlich – und wie viel kann sich Werne angesichts seiner katastrophalen Haushaltslage leisten? Transparenz darf nicht erst einsetzen, wenn die Kosten explodieren. Eher muss sie Voraussetzung jeder politischen Entscheidung sein. Die Erfahrungen mit dem „Hühnerhof“ sollten deshalb ein Wendepunkt sein: für eine Gewerbe- und Flächenpolitik, die Risiken offenlegt, Alternativen ernsthaft prüft und finanzielle Verantwortung über Symbolpolitik stellt.
Und die eine echte Bürgerbeteiligung gewährleistet. Nicht nur bei der Frage, wie mögliche Flächen entwickelt werden sollen, sondern ebenso, ob ein solches Vorhaben zum jeweiligen Zeitpunkt überhaupt sinnvoll ist und wo es sich unter den gegebenen finanziellen, ökologischen und strukturellen Rahmenbedingungen am verantwortungsvollsten umsetzen lässt.