Gegen das Vergessen: ICW und Kunstverein präsentieren Kriegslyrik

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Werne. Wenn die Menschen in Großbritannien der Gefallenen des Ersten Weltkriegs gedenken, tragen sie rote Mohnblüten. Grund dafür ist das Gedicht „Auf Flanderns Feldern blüht der Mohn“. Der kanadische Arzt und Dichter John McCrae schrieb es an der Front bei Ypern. Er blieb nicht der einzige, der den namenlosen Schrecken in schlammigen, von Leichengeruch erfüllten Schützengräben in poetische Worte fasste.

Wer andere Gedichte kennenlernen möchte, sollte die Ausstellung „Eine Front und ihre Dichter“ besuchen. Sie wird bis zum 10. Mai im Foyer des Stadthauses gezeigt.

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Neben Fotos von zerbombten Städten, verletzten und erschöpften Soldaten und Friedhöfen mit unzähligen Reihen weißer Kreuze sind sie nachzulesen: die Worte junger Männer aus Großbritannien, Deutschland, Kanada und anderen Ländern. Männer, die nicht wussten, ob sie die nächsten Tage überleben würden. „Und hinter jedem dieser Schicksale stehen weitere. Denn jeder dieser Dichter an der Front war ein Sohn, ein Bruder, ein Ehemann, ein Vater“, sagte Dörte Hübchen-Oesterschulze, die Vorsitzende des Internationalen Clubs Werne (ICW). Der Verein hatte zusammen mit dem Kunstverein dafür gesorgt, dass die Ausstellung in Werne zu sehen ist.

Das Projekt ist ein Beispiel für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und, so Hübchen-Oesterschulze, „gelebte Städtepartnerschaft“. Den Anstoß gab Roland Cooghe, Mitglied des Partnerschaftsclubs Izegem. Die belgische Stadt ist eine weitere Partnerstadt von Wernes französischer Partnerstadt Bailleul. Dort hatten, wie Hübchen-Oesterschulze bei der Vernissage am Sonntag (29. März 2026) ausführte, Jean-André Vandelanoote, Vorsitzender des Internationalen Clubs Bailleul, Eric Vanneufville, Vorsitzender des Heimatvereins Bailleul, sowie Jean-Baptiste Bellanger, Geschäftsführer des Dokumentationszentrums über Flandern, weitere Grundsteine der Ausstellung gelegt. Konrad Günther vom ICW übersetzte die französischen und flämischen Texte ins Deutsche. Vandelanoote und Vanneufville waren zusammen mit den Schautafeln aus Bailleul zur Vernissage nach Werne gekommen.

Eric Vanneufville erläuterte bei der Vernissage den historischen Kontext der Ausstellung. Ebenfalls zu Gast: Jean-André Vandelanoote (Mitte), Vorsitzender des Internationalen Clubs Bailleul. Foto: Schwarze

Auf den großen Tafeln stehen die ursprünglichen Texte; die deutschen sind in einem umfangreich bebilderten Begleitheft nachzulesen, das in der Ausstellung ausliegt. Abseits ideologisch gefärbter Darstellungen und historischer Wissensvermittlung bündeln die Gedichte unmittelbare Emotionen und Erfahrungen der Soldaten. Der Franzose Fernand Gregh beschreibt „das rosige Leuchten des Abendhimmels“ über dem Strand von Koksijde, und im gleichen Atemzug dessen „Sand, von Leichen übersät“. Der Belgier Pieter Meersemann lässt in die Seele eines einsamen Wachpostens schauen, der sich im „eisigen Regen“ nach Hause ans „weihnachtlich knisternde Kaminfeuer“ träumt. Heimweh und Angst sprechen aus fast allen Gedichten.

Konrad Günther vom ICW im Gespräch mit der Vorsitzenden Dörte Hübchen-Oesterschulze und den Gästen aus Bailleul, Jean-André Vandelanoote und Eric Vanneufville. Foto: Schwarze

Auch nach mehr als 100 Jahren berühren sie in ihrer Unmittelbarkeit. Und sie unterlaufen das Pathos, mit dem – nicht nur während der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts – von offizieller Seite der Tod von Soldaten verklärt wurde und wird. In diesem Sinne zitierte Hubertus Waterhues, Vorsitzender des Kunstvereins Werne, aus einem Buch des Klartext-Verlagsgründers Ulrich Homann: „Was kann es Schöneres geben, als für sein Land nicht mehr zu leben?“.

Hubertus Waterhues, Vorsitzender des Kunstvereins Werne, und Dörte Hübchen-Oesterschulze, Vorsitzende des ICW, eröffneten die Ausstellung. Foto: Schwarze

Einige der Dichter, die man in der Ausstellung kennenlernen kann, überlebten den Krieg allerdings. Nicht so John McCrae. Er starb am 28. Januar 1918 an den Folgen einer Lungenentzündung. Seine Gedenkstätte befindet sich auf dem Essex Farm Military Cemetery bei Ypern, nur 20 Autominuten von Bailleul entfernt.

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