Werne. Mit großer Trauer hat die Stadt Werne vom Tod von Hanna Adler, geborene Heimann, erfahren. Sie starb am 2. Mai 2026 in den USA – nur wenige Wochen vor ihrem 101. Geburtstag. Hanna Adler war die letzte gebürtige jüdische Wernerin. Darüber informiert die Verwaltung.
Die Nachricht erreichte die ehemalige Leiterin von Stadtmuseum und Stadtarchiv, Heidelore Fertig-Möller, über Hanna Adlers Tochter Lauren Stark-Adler aus den USA. Bürgermeister Lars Hübchen zeigte sich tief bewegt: „Mit Hanna Adler verliert Werne eine wichtige Verbindung zu einem Teil unserer Stadtgeschichte, der niemals in Vergessenheit geraten darf. Ihr Lebensweg steht zugleich für Heimat, Vertreibung, Erinnerung und Versöhnung.“
Noch im Juni vergangenen Jahres war in Werne an den 100. Geburtstag von Hanna Adler erinnert worden. Der vom Verkehrsverein Werne organisierte Rundgang führte unter anderem zum ehemaligen Geburtshaus der Familie Heimann sowie zum jüdischen Friedhof an der Südmauer, auf dem ihr Großvater Hermann Heimann begraben liegt. Auch Altbürgermeister Lothar Christ nahm daran teil und beteiligte sich an einer Glückwunschaktion für Hanna Adler.
Ein Video mit einem großen Glückwunschplakat vor dem Historischen Rathaus wurde anschließend an Hanna Adler und ihre Familie in die USA übermittelt. Ihre Tochter schrieb daraufhin, wie sehr ihre Mutter von dieser Geste aus ihrer Heimatstadt berührt gewesen sei.
Hanna Adler hatte Werne selbst nur ein einziges Mal wieder besucht. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Howard Adler reiste sie 1986 in ihre Geburtsstadt. Begleitet von der damaligen Museumsleitung besuchte das Ehepaar das Museum, den jüdischen Friedhof und weitere Orte ihrer Kindheit. Bei diesem Besuch trugen sich beide auch in das Goldene Buch der Stadt Werne ein.
Der Kontakt nach Werne riss jedoch nie ab. Über viele Jahrzehnte bestand ein enger schriftlicher Austausch – zunächst über Briefe, später per E-Mail. Noch bis vor wenigen Jahren schrieb Hanna Adler ihre Nachrichten selbst in deutscher Sprache. Zuletzt übernahm ihre Tochter Lauren Stark-Adler die Korrespondenz.
Heidelore Fertig-Möller, die über viele Jahre den Kontakt zu Hanna Adler und ihrer Familie pflegte, erklärt: „Mit Hanna Adler verliert Werne eine wichtige Zeitzeugin. Für mich persönlich war es sehr bewegend, dass sie ihrer Heimatstadt über all die Jahrzehnte verbunden geblieben ist.“
Der Familie Heimann kommt für die Geschichte der Stadt Werne eine besondere Bedeutung zu. Sie war über Generationen hinweg fest in Werne verwurzelt. In der Pogromnacht rettete Hanna Adlers Vater Albert Heimann die Thora-Rolle aus der brennenden Synagoge neben dem Alten Rathaus. Als die Familie 1939 in die USA fliehen musste, nahm er die Rolle mit nach Amerika. Später wurde sie der Hebrew Tabernacle Synagogue in New York übergeben – jener Synagoge, in der sich die Familie nach ihrer Flucht wieder zusammenfand und in der Hanna Heimann nach dem Zweiten Weltkrieg ihren späteren Ehemann Howard Adler heiratete.
Auch die Erinnerung an das Schicksal der Familie blieb lebendig. Hanna Adlers Tochter Lauren Stark-Adler setzte sich in einer wissenschaftlichen Arbeit mit den Lebensumständen ihrer Mutter und ihrer Familie während der Zeit des Nationalsozialismus in Werne auseinander.
Bürgermeister Lars Hübchen kündigte an, dass die Stadt Werne der Familie ihr Mitgefühl ausdrücken werde: „Die Geschichte von Hanna Adler und ihrer Familie gehört zu Werne. Dass trotz allem über Jahrzehnte eine Verbindung zu ihrer Heimatstadt geblieben ist, ist ein großes Geschenk und zugleich eine Verpflichtung für uns, die Erinnerung wachzuhalten.“






















