„Ich kann nur mein Werne retten. Aber natürlich nicht allein“

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Werne. Ein zweiter Lockdown – das bedeutet vorerst keine Kino- oder Cafébesuche, keine Konzerte, und kein Adventsmarkt. Kaum ein Berufszweig hat es so schwer, wie die Kulturszene. Was aber können Betroffene und Bürger tun? Ein „Genusskonto“ anlegen, findet Hubertus Waterhues, Vorsitzender des Kunstvereins und Buchhändler bei Bücher Beckmann. Was es damit auf sich hat und welche Veranstaltungen „verschoben, aber nicht aufgehoben“ werden müssen, erzählt er im Interview mit WERNEplus.

Ein kurzer Überblick: Was muss alles ausfallen?

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Hubertus Waterhues: Im Prinzip alles. Der Martinsmarkt, der Weihnachtsmarkt, das Literaturnier, Veranstaltungen der Freilichtbühne und des flözK, die Lesung von Titus Müller in unserer Buchhandlung, die jedes Jahr auf die Adventszeit einstimmt und viel Anhang findet. Gerade bei letzterer haben wir vom Kunstverein als Mitveranstalter alles gegeben, um ein geeignetes Hygienekonzept zu entwickeln. Wir haben die große Christophorus-Kirche angefragt, die ein erprobtes Konzept hat. Dass das und vieles mehr ausfallen muss, ist sehr schade. Wir sind da für dieses Jahr bestimmt schon im dreistelligen Bereich, was abgesagte Veranstaltungen angeht.

Was bedeutet das für die Künstler und Musiker?

Eine existenzielle Gefährdung, null Einnahmen bei den gleichen Kosten. Die nicht etablierten Musiker, die zu uns kommen, die werden in keinem Radio gespielt und erhalten keinerlei Tantiemen. Ich finde, die Öffentlich Rechtlichen könnten zum Beispiel dafür sorgen, dass eine Stunde lang eher unbekannte Künstler zu hören sind. Phil Collins wird nicht hungern müssen, wenn seine Lieder einmal seltener spielen. Aber ein kleiner Künstler hätte was davon.

Aber auch Ton- und Lichttechniker, Lkw-Fahrer für Equipment, die alle habe es schwer und werden schnell vergessen. Es ist eine wahnsinnig harte Situation.

Auch die Bürger vermissen die lebendige Kulturszene. Was könnte man tun, um trotz Coronapandemie am kulturellen Leben teilzunehmen?

Als Buchhändler würde ich natürlich sagen: Bücher kaufen und lesen. Und zwar nicht unbedingt nur die beliebtesten zehn, sondern vielleicht auch mal lokale Autoren oder andere Geschichten. Außerdem lege ich persönlich mir für die Coronazeit eine Art „Genusskonto“ an. Man kann zwar nicht ins Kino gehen, aber man kann sich oder jemand anderem einen Kinogutschein kaufen. Man kann nicht im Lieblingsrestaurant essen, aber sich einen Gutschein für eine leckere Mahlzeit nach dem Lockdown holen. Auch die Freilichtbühne bietet zur Weihnachtszeit Gutscheine an. So habe ich etwas, worauf ich mich freuen kann und ich kann die Branche schon jetzt unterstützen.

Was halten Sie von dem Entschluss, den zweiten Lockdown zu starten?

Mir persönlich tut das echt weh. Ich bin ein Mensch, der Ausstellungen und Konzerte liebt, es fehlt ein Teil meines Lebens. Ich habe zuhause eine Schublade mit Konzerttickets von diesem Jahr, alle nicht abgerissen. Ich muss aber auch, mit Blick rundum Deutschland, zugestehen, dass es sinnvoll zu sein scheint. Wenn ich eins nicht will, dann dass auf irgendeinem Grabstein steht „Danke, Hubertus“. Dann ist mir der Verzicht lieber. Man muss aber dafür sorgen, dass die betroffenen Branchen überleben und das kann jeder Einzelne tun. Ich kann vielleicht nicht Köln oder Hamburg retten, ich kann nur mein Werne retten. Aber natürlich nicht allein.

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