Impfstoff aus dem Lostopf: Hoffen auf Zeit mit den Enkeln

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Werne. Normalerweise geht Conny Gebhardt nur für die Fußball- oder Volleyballspiele ihrer Kinder und Enkel in die Linderthalle. Dass sie dort ihre Covid-19-Schutzimpfung bekommt, hätte die 62-Jährige nicht gedacht.

Gebhardt ist eine der 192 Bürgerinnen und Bürger, die für die Impfaktion vergangenen Samstag mit AstraZeneca ausgewählt wurde. 662 Bewerbungen waren im Lostopf. „Ich hätte gerne jeden Wunsch erfüllt, organisatorisch hätten wir das geschafft“, sagt Dezernent Alexander Ruhe von der Stadtverwaltung. Doch der Impfstoff würde immer sehr spontan geliefert werden und die Nachfrage übersteige bisher das Angebot. Für die Planung einer solchen Impfaktion habe das Team immer nur wenige Tage Zeit.

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Trotzdem scheint die Stimmung in der Linderthalle entspannt und die Termine perfekt getaktet: Jeweils in vier Impfstraßen bewegen sich die Bürgerinnen und Bürger von einer Station zur Anderen: Zunächst durch die Anmeldung, bei der sichergestellt wird, dass sie über 60 Jahre alt sind und in Werne wohnen, weiter zur Anpassung des Impfpasses bis hin zum ärztlichen Beratungsgespräch und der Impfung selbst. Diese führen Ärzte aus der Umgebung durch.

Formalitäten mussten vor der Impfung auch erledigt werden. Foto: Alexandra Prokofev
Formalitäten mussten vor der Impfung auch erledigt werden. Foto: Alexandra Prokofev

Gegen 12 Uhr hat die Lüner Ärztin Julia Vollmer bereits 50 Menschen in der kleinen schwarzen Kabine geimpft. „Erstaunlich wenige haben Fragen oder Zweifel zum Impfstoff. Viele denken sich: ‚Hauptsache ich habe ihn‘“, schildert sie. Und auch Conny Gebhardt ist zuversichtlich: „Selbst die Nebenwirkungen der Impfung sind nicht so schlimm wie Corona.“ Ohne die Aktion hätte die 62-Jährige noch lange auf die Impfung warten müssen.

Ihre Freude über ihr Ergebnis bei der Verlosung hat sie deshalb auf Facebook publik gemacht – und eine Welle an Hasskommentaren zurückbekommen. „Viele haben kritisiert, dass ich schon geimpft werde. Die Wut kann ich nicht verstehen. Ich persönlich hätte jedem die Impfung gegönnt“, sagt die ehemalige Altenpflegerin. Noch vor der Auslosung wurden die rund 118 Vorerkrankten über 60 Jahren kontaktiert, die noch nicht geimpft worden waren. Diese wurden ebenfalls am vergangenen Samstag in der Halle geimpft.

Die Stadtverwaltung habe sich bei der Aktion bewusst für das Losverfahren per Zufallsprinzip entschieden, um jeder potenziellen Bewerbung die gleiche Chance zu geben. Das ist die bereits vierte Impfaktion, die die Stadtverwaltung mit Hilfe von medizinischem Fachpersonal des Kreises Unna und dem Sicherheitspersonal BAK bereitstellt. Lehrkräfte und Vorerkrankte unter 60 Jahren erhielten bereits einen Impfstoff.

Nach der Gabe von AstraZeneca muss Gebhardt, wie die anderen Geimpften, aus Sicherheitsgründen 15 Minuten in der Halle verbleiben. Wann die zweite Impfung stattfindet, ist noch unklar: Sie erfolgt etwa in zwölf Wochen. Bis dahin malt sich Gebhardt bereits aus, was sie machen wird, sobald sie fertig geimpft ist: „Zeit mit meinen Enkelkindern verbringen. Meine jüngste Enkeltochter ist gerade mal zwei. Ich habe viel verpasst in der letzten Zeit.“

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