Musica Sacra: Endlich wieder Musik in St. Christophorus

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Werne. „Singt dem Herrn ein neues Lied“: Passend zur musikalischen Andacht betete die Gemeinde am Sonntag in der Werner St. Christophorus-Kirche den Psalm 149. Nach einer langen Zeit kirchenmusikalischer Abstinenz erlaubten gelockerte Coronabedingungen wieder die konzertante Gestaltung einer Andacht.

Auf Einladung der Stiftung „Musica Sacra Westfalica“ sangen und spielten Dagmar Borowski-Wensing (Sopran), Annemieke Corstens (Violine) und Dr. Hans-Joachim Wensing (Orgel).

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„Machen Sie Ihre Herzen weit auf für diese Musik, lassen Sie sich verführen.“ Der anspornenden Worte des Offizianten, Pfarrdechant Jürgen Schäfer, hätte es nicht bedurft. Die Kirchgänger lauschten gebannt und die Worte der fröhlichen Händel-Arie „Singe, Seele“ dürften vielen aus der Seele gesprochen haben. Gemessen an den aktuellen Schutzverordnungen war das Gotteshaus überdies gut besucht.

Die niederländische Geigenprofessorin Annemieke Corstens eröffnete die Andacht mit der Sonate in g-Moll für Solo-Violine von Johann Sebastian Bach. Anmutig schwebte das poetische Adagio durch den Kirchenraum, volltönend und rund öffnete sich die Fuge. Raumfüllende Klangweite wechselte mit zart flirrenden Passagen. Aus den bisweilen ungestümen Variationen der Fuge kristallisierte Corstens das Thema immer wieder präzise heraus. Das Presto kontrastierte als virtuoses Finale mit dem ruhigen Schreitmotiv der Siciliana; Corstens ließ die Töne mit tänzerischer Leichtigkeit fliegen.

Zwischen Lesung und Gebeten interpretierte die Sopranistin Dagmar Borowski-Wensing Stücke von Händel, Mozart und Haydn. Mit ansteckender Zuversicht intonierte sie Händels Arien „Singe, Seele, Gott zum Preise“ und „Meine Seele hört im Sehen“.

Mit jubelnden Koloraturen malte sie ein Bild barocker Lebensfreude. Die gelassene Orgelbegleitung von Kantor Dr. Hans-Joachim Wensing verlieh der hochfliegenden Sopranstimme die nötige Bodenhaftung; Annemieke Corstens Violine umspielte sie dezent und nie dominant. Nach zwei innigen Mozart-Arien, „L’amero“ und „Tu virginum Corona“ schloss der Gesangspart mit Gabriels Arie aus Haydns Schöpfung – „Auf starkem Fittige“. Lautmalerisch empfand Borowski-Wensing die Stimmung eines morgendlichen Vogelkonzerts nach.

Brausend eröffnete Hans-Joachim Wensing die finale Orgelimprovisation über vier Themen aus dem Gotteslob. Die Zuhörer waren eingeladen, dafür Liedwünsche zu benennen, darunter „Großer Gott, wir loben dich“ und „Wenn ich, oh Schöpfer, deine Macht“. Wensing reizte die Klangfülle der großen Seifert-Orgel voll aus, wenn er ein mächtiges Forte aufbaute, unvermittelt abbrach – und eine fein modulierte Melodie anknüpfte.

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