An(ge)dacht: „Pfingsten – Fliegen wie ein Adler“

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Werne. Ein Bauer fand ein Adler-Ei und legte es in das Nest einer gewöhnlichen Haushenne. Der kleine Adler wuchs zusammen mit den Hühnerküken auf. Sein ganzes Leben lang versuchte er, sich wie ein Huhn zu benehmen. Er kratzte und scharrte in der Erde nach Würmern und Insekten. Er glaubte, er gehöre auf den Boden, nicht in dem Himmel.

Das sah ein Falkner und sagte: „Dieser Vogel da ist kein Huhn, er ist ein Adler!“ „Stimmt“, antwortete der Bauer, „aber er hat sich den Hühnern völlig angepasst. Jetzt ist er ein Huhn.“ Der andere widersprach: „Er ist noch immer ein Adler. Er hat das Herz eines Adlers, das ihn hoch hinauffliegen lassen wird.“ – „Nein, er ist jetzt ein richtiges Huhn. Er wird niemals fliegen.“

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Da nahm der Falkner den Adler, hob ihn in die Höhe und sagte beschwörend: „Der du ein Adler bist, der du dem Himmel gehörst: Breite deine Schwingen aus und fliege!“

Der Adler saß auf der hochgereckten Faust und blickte sich um. Er sah die pickenden Hühner, und …sprang zu ihnen hinunter. „Siehst du“, sagte der Bauer: „Er ist ein Huhn!“ – „Nein, er ist ein Adler. Morgen versuche ich es noch einmal!“

Nächsten Morgen stieg der Falkner mit dem Adler auf das Dach des Hauses, hob ihn empor und sagte: „Der du ein Adler bist, breite deine Schwingen aus und fliege!“

Aber der Adler sah die scharrenden Hühner unten und sprang er wieder zu ihnen hinunter. „Ich habe es dir gesagt, er ist ein Huhn!“ – „Nein, er ist ein Adler. Er hat das Herz eines Adlers – das bleibt ihm.“

Früh am nächsten Tag nahm er ein letztes Mal den Adler und brachte ihn an den Fuß eines hohen Berges, weit weg von den Häusern. Die Sonne stieg gerade auf. Ein wundervoller Morgen. Er hob den Adler hoch und sagte zu ihm: „Adler, du bist ein Adler. Du gehörst dem Himmel und nicht dieser Erde. Breite deine Schwingen aus und fliege!“ Der Adler blickte umher, zitternd als erfülle ihn neues Leben, und als der Falkner ihn direkt in die Sonne schauen ließ, da breitete er plötzlich seine gewaltigen Flügel aus, erhob sich mit dem Schrei eines Adlers, flog höher und höher. Er kehrte nie wieder zurück in den Stall.

Der Adler hat sein Herz entdeckt und gelernt, auf sich selbst zu hören. Er hat den Mut zu sich selbst gefunden.

An Pfingsten feiern wir das Fest des Geistes. Der Himmel, der Geist Gottes ist in euch – entdeckt ihn, lebt ihn. Breitet die Schwingen aus und fliegt! Ihr müsst nicht länger ängstlich tun, als wärt ihr Hühner, nicht tun, was andere sagen. Ihr könnt selbst entscheiden. Gottes Geist ist die Kraft, die uns fliegen lässt.

Pfingsten ist das Geschenk, wieder Adler sein zu können und zu fliegen.

Ein gesegnetes Pfingstfest wünsche ich allen Leser/innen

Andreas Bader, Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Werne

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