Gebärden in der Kita: Mit Händen sprechen und Brücken bauen

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Werne. Schon bevor Kleinkinder ihre ersten Worte sprechen, teilen sie ihre Bedürfnisse oder Beobachtungen durch einfache Handzeichen mit. Sie heben die Hände und winken, um „Hallo“ oder „Tschüss“ mitzuteilen.

Der Weg von Gesten zu Gebärden ist kurz. Und so greift die evangelische Kita „Unter dem Regenbogen“ in Werne das Konzept von „babySignal“ auf, um die Kommunikation und Entwicklung von Mädchen und Jungen mit verzögerter Sprachentwicklung oder Hörschwierigkeiten zu unterstützen. Aber auch für alle anderen ist Mitmachen angesagt. Und das macht nicht nur den Kleinen Spaß. Die Zeichen stammen alle aus der deutschen Gebärdensprache.

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Die Vorteile liegen auf der Hand: Kinder können sich mit Gebärden schon früh mitteilen, Eltern und Erzieher/innen verstehen Wünsche und Bedürfnisse ihrer Kinder noch besser. „Gebärden stellen Brücken zwischen verschiedenen Sprachen da. Mädchen und Jungen mit Sprech- und Lernschwierigkeiten oder einer Behinderung profitieren von den Gebärden“, ergänzt Tina de Boer. Die Diplom-Pädagogin führte im vergangenen September einen weiteren Teamtag in der Einrichtung durch.

„Wir haben uns dazu entschieden, diesen wirkungsvollen Schwerpunkt in unsere Arbeit zu integrieren“, schildert Kita-Leiterin Anja Raab. Es folgten Schulungen, Teamtage und Kurse mit den Kindern in den Gruppen; alles spielerisch, mit Singen und Sprechen und vor allem viel Freude.

Im Alltag greifen Klein und Groß die Gebärden immer wieder auf, beispielsweise beim Begrüßen oder Verabschieden, bei Spielen, Liedern, Gebeten, Bilderbüchern oder bei täglich wiederkehrenden Ritualen wie den Mahlzeiten.

Kita-Leiterin Anja Raab (von links), Seminarleiterin Tina de Boer und Kursleiterin Stefanie Bollermann freuen sich über die „Talking Hands Flipbooks“, ein Set mit 100 Gebärden-Daumenkinos, die vom Förderverein um Sonja Wenner (2. Vorsitzende) gespendet wurden. Fotos: Wagner

Aktionen, Beobachtungen und Gedanken teilen die Kinder mit Handzeichen differenziert mit. Wer jetzt aber denkt, in der Kita „Unter dem Regenbogen“ ist es jetzt ganz still, weil sich die Kinder nur noch in Gebärdensprache unterhalten, der irrt. „Das gesprochene Wort wird visuell unterstrichen, das hilft vor allem bei schwierigen Wörtern und sorgt für ein gutes Gefühl“, sagt Stefanie Bollermann, die Anfang 2022 Kita-Team und Kinder die Gebärden unterstützende Kommunikation näher brachte: „Insgesamt fördert das Konzept die Sprechfreude und sorgt dafür, dass die Kleinen noch mehr reden.“

Vor wenigen Tagen hat die Einrichtung „Unter dem Regenbogen“ die Zertifizierung als „babySignal“-Kita erhalten. „Wir haben die Eltern mit ins Boot geholt. Sie erhielten die Gebärden in digitaler Form“, berichtet Anja Raab. Ein weiterer Info-Nachmittag und ein Krippenkurs für Eltern und U3-Kinder sind für Januar 2023 geplant. Alle sind sich einig: Die Gebärden unterstützende Kommunikation stärkt die Eltern-Kind-Beziehung.

INFO

„babySignal“ wurde 2005 von der Diplom-Pädagogin und Sprachförderin Wiebke Gericke in Hamburg gegründet. Sie entwickelte auf Basis ihrer beruflichen Erfahrungen – unter anderem in der Arbeit mit Kindern gehörloser Eltern – das Kurskonzept. Seit 2008 bildet sie bundesweit zertifizierte Kursleiter/innen aus.

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