Mittwoch, März 4, 2026

Gedenken zum Pogrom 1938: Zivilcourage gegen Antisemitismus

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Werne. Die Stadt Werne wird auch in Zukunft alles kommunal Mögliche tun, um Kontrapunkte gegen jede Art von Antisemitismus zu setzen. Dieses Bekenntnis legte Bürgermeister Lothar Christ vor rund 40 Zuhörern der Gedenkveranstaltung an die Opfer des 9. November 1938 ab.

Im Anschluss bot das Duo Nurit in einem Konzert im vollbesetzten kleinen Saal des Kolpinghauses einen Überblick über das musikalische Schaffen jüdischer Komponisten und Musiker bis in die Gegenwart.

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Hunderte jüdische Menschen wurden reichsweit in der Pogromnacht ermordet, 30.000 weitere Mitglieder jüdischer Gemeinden wurden am 10. November in Konzentrationslager deportiert. An diesem Tag setzte sich der staatlich organisierte Pogrom im „angeschlossenen“ Österreich und in Danzig fort.

Dieser historische Sachverhalt ist der Hintergrund für die jährlich von der Stadtverwaltung oft in Zusammenarbeit mit Schulen und wie in diesem Jahr mit den beiden Kirchen organisierten Gedenkveranstaltung vor dem Platz der 1940 abgebrochenen Synagoge in der Innenstadt. Jedoch galt der Blick des Rathauschefs weniger der Vergangenheit, sondern vielmehr der Gegenwart und Zukunft. Immer wieder zitierte der Redner den Grünen-Politiker Cem Özdemir, der in diesem Jahr als erster Muslim mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgezeichnet wurde.

Besorgt zeigte sich Christ über die Zunahme antisemitischer Hetze besonders in den sozialen Medien des Internets. Als Beispiel führte Lothar Christ die über das Netz verbreiteten Verschwörungstheorien an. Deutlich negativ bewertete der Kommunalpolitiker den Selbstvergleich heutiger Impfgegner mit den vor 80 verfolgten Juden. Der Redner rief dazu auf, Erscheinungsformen des Antisemitismus nicht einfach hinzunehmen. Gleichzeitig bekannte er sich, analog zu Özdemir, zu einer aktiven Rolle der Kommune und der Schulen im Kampf gegen den Antisemitismus. In seiner Rede wies Lothar Christ deutlich daraufhin, dass die Judenfeindschaft nicht nur von Neo-Nazis oder Reichsbürgern ausginge. Der Bürgermeister machte Antisemitismus auch in linken und islamistischen Kreisen aus.

Christ warnte aber davor, das Judentum nur in seiner Opferrolle zu sehen. Er erinnerte an die starken jüdischen Einflüsse in den vergangenen Jahrhunderten auf wissenschaftlichem und künstlerischem Gebiet auf die deutsche Kultur. Der Bürgermeister plädierte unter anderem  für die sachliche Aufklärung von Kindern und Jugendlichen über das Judentum aus und meinte: „Kein Kind kommt als Antisemit auf die Welt.“

Die aktive Gestaltung einer Erinnerungskultur müsse auf den gesellschaftlichen Wandel reagieren, um die Erinnerung an die Katastrophe des Holocaust wachzuhalten und daraus Konsequenzen für das aktuelle politische und gesellschaftliche Handeln zu ziehen.

Im Anschluss an seine Rede legte das Stadtoberhaupt einen Kranz vor der Gedenktafel auf dem Platz vor der ehemaligen Synagoge nieder.

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