Mittwoch, Juli 24, 2024

Nach über 40 Jahren im Einsatz für die Jugend: Dagmar Reuter geht

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Werne. Wenn Kinder sie umringen, dann ist Dagmar Reuter in ihrem Element. Doch schon bald muss die Jugendpflegerin der Stadt Werne auf diese Momente im großen Stil verzichten. Denn nach über 40 Jahren wartet Ende der Woche der Ruhestand.

Nach dem Studium an der Fachhochschule in Dortmund (1975 bis 1979) absolvierte Dagmar Reuter ihr Anerkennungsjahr als Sozialarbeiterin bei der Stadt Werne. Die Jugendzentren in Stockum und Werne – damals noch am ehemaligen Freiherr-vom-Stein-Stadion – waren ihr „Revier“.

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Bereits am 1. August 1981 trat sie die Nachfolge von Wolfgang Broschk an, stieg als Jugendpflegerin ein und  leitete das Jugendzentrum in Stockum. Lange teilte sie sich die Aufgaben mit ihrem Kollegen Norbert Lutterbeck.

„Am Freitag gibt es eine kleine Abschiedsfeier im Dezernat, dann habe ich noch Urlaub“, sagt die 65-Jährige, die zum letzten Mal das Kinder- und Jugendferienprogramm (KIJUFE) organisiert hat und noch einmal mittendrin ist. Am 9. August wird Bürgermeister Lothar Christ eine der dienstältesten Mitarbeiter der Verwaltung besonders ehren.

Dagmar Reuter (ganz links) und „Wernutopia“: Die Kinderferienstadt war eine von vielen ihrer Herzensangelegenheiten. Foto: Archiv/Jugendamt

In den über 40 Jahren sind Dagmar Reuter viele Erlebnisse in Erinnerungen geblieben. Die außerschulischen Jugendbegegnungen in Italien, Polen oder Frankreich hätten immer Spaß gemacht. „Ich weiß noch, wie ein Junge aus Werne mit Händen und Füßen geflirtet hat, weil er sich sonst den italienischen Mädchen nicht verständlich machen konnte“, schmunzelt sie.

Mit ihrem Team hatte Reuter auch die Idee zur Kinderferienstadt „Wernutopia“ und entwickelte diese zu einem echten Erfolgsmodell in Werne weiter. „Erst haben wir drei Wochen im Sommer angeboten, dann vier und schließlich die kompletten sechs Ferienwochen. Das ist einmalig im Kreis Unna und wäre durch die Unterstützung seitens der Stadt, der Politik und Sponsoren nicht möglich“, so die Jugendpflegerin.

Dass die Mini-Stadt zuletzt wegen der Corona-Pandemie dreimal nicht stattfinden konnte, bedauert Dagmar Reuter. „Für die Kinder ist es ein Riesenspaß, Berufe kennenzulernen, Geld zu verdienen und natürlich wieder auszugeben. Dazu kommen sie in Kontakt mit anderen Mädchen und Jungen“, gerät sie ins Schwärmen. Und die Eltern hätten eine große Verlässlichkeit in Sachen Kinderbetreuung. In den „Wernutopia“-Jahren seien pro Woche 150 Kinder betreut gewesen.

Dagmar Reuter und Martin Niehaus (Jugendhilfe) mit einem Modell der ehemaligen Steintorschule, wo „Wernutopia“ bis einschließlich 2013 stattgefunden hat. Archivfoto: Klaus Brüggemann

Auch der Weltkindertag oder die Beteiligung von Jugendlichen lagen der in Hamm-Pelkum lebenden Reuter immer am Herzen. „Die Mädchen und Jungen in Prozessen einzubinden, ist Aufgabe der Kommune. Das ist gut und wichtig.“ So wünscht sie sich zukünftig für Werne ein Jugendparlament oder ein ähnliches Format sowie eine geeignete BMX-Strecke.

In den vielen Jahren als Jugendpflegerin hat Dagmar Reuter eine Menge Kontakte geknüpft oder wie sie es nennt, „Beziehungsarbeit“ geleistet. „Es gibt da eine Clique aus vergangenen Jugendzentrumszeiten, die sich immer noch trifft. Dann werde ich eingeladen und wir schauen uns zusammen alte Fotos an und schwelgen in Erinnerungen. Für die Kids war das Jugendzentrum damals wie ein zweites Zuhause“, erzählt die 65-Jährige.

Langweilig wird es Dagmar Reuter auch in Zukunft nicht werden. „Ich mache mit meinem Mann zwar keine Weltreise, aber wir fahren zur Rhön. Dort ist es landschaftlich sehr reizvoll. Außerdem werde ich italienisch bei der VHS Werne lernen“, berichtet die Bald-Pensionärin, die leidenschaftlich gerne töpfert und sich kreativ in Miniatur-Puppenhäusern im Maßstab 1:12 „austobt“. Und vielleicht ist es ja keine schlechte Idee, Dagmar Reuter zur Ehrenbürgermeisterin von „Wernutopia“ zu ernennen, wenn die Kinderferienstadt im nächsten Jahr wieder ihre Türen öffnet.

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