Sonderfahrten der Kleinbahn: Großer Zuspruch für Maikirmes 1923

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Werne. Die Maikirmes in Werne läuft seit gestern wieder nach zwei Jahren Corona-Zwangspause. Wernes Kirmes-Experte Rainer Schulz erinnert im zweiten Teil an Unterhaltungsprogramme und weitere Karussell-Highlights rund um den Rummel.

Beim Stöbern in alten Zeitungsausgaben stießen wir zufällig auf Belege zur Maikirmes von vor 97 Jahren. Im Jahre 1925 wurde die Kirmes, im Gegensatz zu heute, wo eine Veranstaltung die andere jagt, noch als eines der ganz großen Feste im Jahresverlauf gefeiert. Dementsprechend stark war auch die Zahl der Schaustellerbetriebe und aus den Nachbarstädten kamen viel mehr Menschen als heute.

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Wie damals üblich, wurde in den Werner Lokalen mit entsprechenden Räumlichkeiten der typischen Kirmes-Ball geboten sowie „Tingel-Tangel“ aller Art, wie man die kirmestypischen Unterhaltungsprogramme in den Kneipen und Gaststätten nannte. Während auf dem Marktplatz und der damaligen Hagenwiese jede Menge Schaustellerbetriebe für die Unterhaltung der Gäste von fern und nah sorgten.

In den Gastronomien war während der Maikirmes immer eine Menge los, wie Gaststättenanzeigen aus den 1930er-Jahren belegen. Quelle: Sim-Jü-Verlag/Rainer Schulz

So waren 1923 unter anderen die in Werne stets auch zu Sim-Jü gastierende Schneider’sche Autobahn, die von einer Dampfmaschine angetrieben wurde, die große Schiffschaukel von Rumpf & Grevel, Trillings Schwanenflieger und eine Zoologische Ausstellung vertreten. Natürlich fehlte auch die beliebte Kuchenbude von Ewers aus Münster nicht im Aufgebot. Sie stand jahrzehntelang immer vis a vis dem Kaufhaus Kroes am Markt. Der Zuspruch zur Maikirmes war seinerzeit so stark, dass die Kleinbahn Unna-Kamen-Werne am Sonntag und am Kirmesdienstag jeweils Bus-Sonderfahrten zwischen Werne und Lünen anbot. Traditionell kamen nämlich aus der Nachbarstadt immer viele Kirmesbesucher, wie dies auch heute noch – insbesondere zu Sim-Jü – der Fall ist.

Über den Verlauf des ersten Kirmestages 1923 berichtet die Werner Zeitung damals wie folgt: „Auf der Hagenwiese und auf dem Marktplatz herrscht aus Anlaß der gestrigen Maikirmes ein Leben und Treiben, das hinter der weit und breit bekannten Simon- und Judakirmes nicht zurücksteht. Besitzer von Panoramen, Schiffschaukeln, Fliegerkarussells, Verkaufs- und Schaubuden waren erschienen. Auch der billige Jakob fehlte nicht. In den Kaffees und Wirtschaften wurde durch Künstlerkonzerte, Tingel-Tangel und sonstige Darbietungen für die Unterhaltung der zahlreichen Gäste gesorgt. Hoffentlich ist morgen wieder gutes Wetter, damit der zweite Kirmestag sich dem ersten in allen Teilen würdig anschließt.“

Im Gegensatz zu heute ging die Feierei in früheren Jahren allerdings weit weniger glimpflich ab und so kam es immer wieder zu Streitereien, bei denen die Polizei gefragt war. Das las sich 1925 dann wie folgt: „Gegen 9 Uhr musste die Polizei gegen den Bergmann H.R. aus Evenkamp einschreiten, weil er dem Karussellbesitzer G. aus Kamen mit einem Messer eine Stichwunde über dem linken Auge beigebracht hat.“  

Heute ist die Maikirmes eine eher gemütlich Veranstaltung für das breite Spektrum des Familienpublikums. Mai-Tanz steht nur noch in den wenigsten Fällen auf dem Programm und Tingel-Tangel gibt es im Zeitalter der Mattscheiben schon lange nicht mehr. Dennoch hat unsere kleine aber feine Kirmes nichts von ihrer Anziehungskraft eingebüßt – auch wenn sie mit der großen Schwester Sim-Jü im Oktober schon lange nicht mehr konkurrieren kann. – von Rainer Schulz –                                                                                                                             

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