Sonntag, April 21, 2024

Zukunft des „Russischen Friedhofs“: AFG-Schülergruppe engagiert sich

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Werne. Seit mehr als zwei Jahren beschäftigen sich Schülerinnen und Schüler des Anne-Frank-Gymnasiums bereits mit der Historie des „Russischen Friedhofs“ in Werne.

Archivforschung, Vernetzung und viel Engagement bilden seither die Basis der Arbeit der Gruppe. Die Entwicklungen zeigen: Die Hingabe zum Projekt lohnt sich, denn die lang ersehnten Änderungen treten endlich in Kraft und die Arbeitsgemeinschaft kommt ihrem Ziel immer näher: Verantwortung übernehmen, Erinnerungskultur vor Ort lebendig machen und den Opfern der Zwangsarbeit den nötigen Respekt erweisen.

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Im Oktober 2021 bat die damalige OPENION-AG um die Patenschaft jenes Ortes. Am 27. Januar 2022, dem Holocaust-Gedenktag, fand dann die feierliche Übergabe der Patenschaft im Alten Rathaus in Werne statt.

Ab diesem Zeitpunkt perfektionierte die Arbeitsgemeinschaft ihre baulichen und namentlichen Pläne für den Friedhof, die die Umbenennung der Gedenkstätte, die Neugestaltung des Geländes sowie eine praktische Verkehrsanbindung des Friedhofs an den Südring umfassen. So soll ein Weg mit Dolomitsand und Kantensteinen als Abgrenzung zum Rasen gelegt werden. Findlinge sollen den Friedhof selbst von der Umgebung abheben und einrahmen.

Weiter sind Steinquader als Sitzgelegenheiten geplant. Sie sollen nicht nur Besucherinnen und Besuchern einen Ort des aufrichtigen Verweilens bieten, sondern besonders auch Schulunterricht mit Besuchen des Friedhofs verbinden. Auf diesem Wege können Informationen über die Geschichte des Friedhofs vermittelt werden.

Der „Russische Friedhof“ soll in Zukunft „Gedenkstätte Zwangsarbeit“ heißen. Foto: Wagner

Die Sitzsteine bieten hier eine gute Möglichkeit, den Unterricht interaktiv und mit Augenkontakt untereinander und mit Blick auf den Friedhof zu gestalten. Zuletzt soll auch ein Sichtschutzzaun zum Klärwerk angebracht werden, um die Grabstätte von der unwürdigen Umgebung zu entkoppeln und ihr eine neue Bedeutung zuzuschreiben. Diese baulichen Pläne werden unter anderem mit dem Wunsch nach Parkplätzen, einer neuen und auffälligeren Beschilderung sowie Fahrradständern und einer Reduktion der Geschwindigkeit auf der anliegenden Straße kombiniert.

Nur so sei ein sicheres und gut zugängliches Besuchen der Gedenkstätte möglich, ist man in der AG überzeugt. Dass diese Maßnahmen bereits umgesetzt werden, zeigt die Baustelle am Südring. Die Schülerinnen und Schüler merken, dass ihr Handeln Wirkung zeigt.

Der jetzige Wegweiser. Foto: Wagner

Schon früh stellten die Mitglieder der AG (heute unter dem Namen ,,WEREmember“, zu deutsch: „Wir erinnern“) fest: Die Umgestaltung des Friedhofes ist kein Projekt von kurzer Dauer. Es soll die Bürgerinnen und Bürger für die individuellen Schicksale der Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, Zivilisten und Zivilistinnen sowie Kinder, die dort beerdigt wurden, sensibilisieren. Weiterhin ist es den Lehrpersonen und den Schülerinnen und Schülern selbst ein großes Anliegen, dem Leitbild ihrer Schule nachzukommen, dem durch ihre Namensgeberin Anne Frank eine besondere historische Verantwortung zuteil wird.

Am 28. September 2022 verzeichnete die AG einen weiteren Erfolg: Im Kolpingsaal Werne stellte die Arbeitsgemeinschaft mit einer Präsentation ihre Recherche-Ergebnisse zum „Russischen Friedhof“ im Stadtrat vor, die auf jahrelanger Archivarbeit der Schülerinnen und Schüler der Geschichtsleistungskurse ihrer Schule fußt.

Viel Arbeit liegt noch vor der AFG-Schülergruppe. Foto: Wagner

Neben der Vorstellung ihres Projekts wurde auch der Vorschlag für eine Umbenennung des Friedhofs thematisiert. In Zukunft soll aus dem sogenannten Russischen Friedhof die „Gedenkstätte Zwangsarbeit Werne“ werden. Als Gründe führten die Jugendlichen abermals die Informationen an, die sie über die Opfer der Zwangsarbeit gesammelt haben. Sie stellten fest, dass der ursprüngliche Name weder den auf dem Friedhof vertreten Nationalitäten, noch der Tragik des geteilten Schicksals gerecht werden würde. Demnach liegen auf dem Friedhof nicht nur aus Russland stammende Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen, sondern auch Arbeiter und Arbeiterinnen aus der Ukraine, Belarus, Rumänien und Polen. Darunter auch Kinder.

Mit dem Stadtmuseum Werne und dem „Volksbund deutsche Kriegsgräberfürsorge“ hat die AG starke Kooperationspartner an ihrer Seite, die sie unterstützen und die Arbeit mitgestalten.

Und die Arbeit an dem Herzensprojekt hat sich gelohnt: Die Ratsmitglieder stimmten der Namensänderung ausnahmslos zu und lobten den starken Einsatz der Arbeitsgemeinschaft. Auch Bürgermeister Lothar Christ sprach sich für die Namensänderung aus und sicherte seine Unterstützung für das Projekt zu.

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