Samstag, April 20, 2024

An(ge)dacht: Vom Unkraut und Weizen

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An diesem Wochenende wird in der katholischen Kirche das Evangelium vom Unkraut und Weizen (Matthäus 13,24 – 30) gelesen. Dazu fand ich eine alte Legende, die von dem gefallen Engel erzählt: Er sei einst der beste, reinste, klügste und mächtigste aller Engel Gottes gewesen. Und auch der Engel, der Gott ergeben war als sein treuester Diener. So sei es eine Ewigkeit gegangen. Und vielleicht wäre es auch ewig so geblieben, hätte Gott nicht eines Tages beschlossen, die Welt zu erschaffen.

Dieser Engel, Luzifer, sah, dass diese Welt neben viel Gutem und Schönem auch Hässliches und Unvollkommenes enthielt, neben Heilem auch Krankes. Und so beschloss er, das Hässliche, Böse und Kranke in der Welt mit Stumpf und Stiel auszurotten. Er habe das Böse ausrotten wollen und das habe ihn selbst böse gemacht. So sei aus dem „Engel“ ein „Teufel“ geworden.

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Für uns Menschen gibt es kaum eine größere Versuchung, als im Namen des Guten zum Kampf gegen das Böse anzutreten, um es mit Stumpf und Stiel auszurotten und manch einer geht dabei, wie man so sagt, auch „über Leichen“! Unsere Welt aber lässt sich nicht billig einteilen in Gute und Böse, Kluge und Dumme, Hässliche und Schöne, Heilige und Verbrecher.

Alexander Solschenizyn schreibt dazu in seinem Buch „Der Archipel Gulag“: „Die Trennungslinie zwischen Gut und Böse verläuft ja nicht zwischen den Völkern, Rassen und Ideologien; sie geht mitten durch jedes Menschenherz“. Jesus weiß darum, dass dies so ist. Und auch darum, dass wir Menschen meist nur die anderen für „böse“ halten, während wir selbst glauben, „gut“ zu sein.

Jesus sagt: In jedem Leben – auch in meinem und unser aller Leben – gibt es neben dem Weizen auch das Unkraut. Aber Gott, der das Gute in mir wachsen lässt, kommt auch mit dem Unkraut zurecht. Ich soll mich über das Gute in meinem Leben und in der Welt freuen – aber nicht unnütz Kraft damit vertun, jedes Unkraut ausrotten zu wollen. Sonst könnte es sein, dass bald nichts mehr wächst: nichts Böses – aber auch nichts Gutes.

Mit freundlichen Grüßen aus St. Christophorus

Pfarrer Karl-Heinz Hense

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