Donnerstag, Juni 13, 2024

CDU, SPD, UWW setzen Rotstift an: Wiehagenschule erhält keine Brücke

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Werne. Die Entscheidung ist gefallen: Der geplante Erweiterungsbau und das Bestandsgebäude der Wiehagenschule werden nicht mit einer Brücke im 1. Obergeschoss (Variante 3.A) verbunden. Stattdessen sprach sich die Politik mehrheitlich für einen Pavillion im Erdgeschoss aus (Variante 3.B) und damit für eine Kostenersparnis vor rund 260.000 Euro.

Mit Nachdruck setzte sich Schuldezernent Frank Gründken zu Beginn der gemeinsamen Sitzung von Schul- und Sportausschuss sowie Betriebsausschuss für den Kommunalbetrieb Werne (KBW) am Dienstag (21.11.2023) für die von der Schulgemeinde favorisierte Variante 3.A ein, führte dabei auch die enge Abstimmung mit Bürgermeister Lothar Christ und Kämmerer Marco Schulze-Beckinghausen ins Feld. Die Funktionalität der Schule zu erhöhen, lange Wege zu vermeiden, Beibehaltungen des pädagogischen Konzepts und auch ein „Gefühl der Sicherheit“ für die Kinder durch ein zusammenhängendes Gebäude waren die Argumente von Verwaltung und Schulleitung.

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Frank Gründken rechnete vor: „Die Mehrkosten für die Verbindungsbrücke im 1. Obergeschoss belaufen sich auf rund 260.000 Euro. Wir schreiben die Baumaßnahme 60 Jahre lang ab, was einer jährlichen Belastung des Haushalts von circa 4.300 Euro entspricht. Wenn die Brücke nicht kommt, muss die Schulgemeinde, deren Zufriedenheit wir uns wünschen, dauerhaft mit Nachteilen und Kompromissen leben.“

Planer Daniel Fleer (links) stellte für das Büro gpe die Varianten noch einmal vor. Foto: Wagner

Die anschließende Debatte stand dann ganz im Zeichen der alarmierenden Haushaltslage der Stadt Werne, über die die Parteien unlängst aufgeklärt wurden.

Klaus Schlüter (Bündnis 90/Die Grünen) fasste sich kurz: „Variante 3.A mit der Verbindungsbrücke ist die beste Lösung, die wir favorisieren.“ Gleichzeitig mahnte er Baumnachpflanzungen als Ersatz für die zufällenden Exemplare auf dem Schulhof an.

„Gute Bildung der Kinder darf nicht von einer Brücke abhängen.“

Marita Funhoff (SPD)

Marita Funhoff (SPD), Vorsitzende des Schul- und Sportausschusses, holte weiter aus: „Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir haben jahrelang in eine gute Schullandschaft investiert. Doch die schwierige Haushaltslage macht uns Angst, die Dimensionen sind noch gar nicht absehbar. Wir müssen auf die Brücke verzichten. Gute Bildung der Kinder darf nicht von einer Brücke abhängen.“ Zustimmung gab es aus dem CDU-Lager. „Wir sind für Variante 3.B. Beim Bau einer Verbindung im 1. Obergeschoss müssten die Kinder übergangsweise für vier bis sechs Monate in Containern unterrichtet werden. Das wollen wir nicht. Entscheidend sind aber die Kosten. Die Haushaltslage ist nicht erschreckend, sondern dramatisch. Der Kämmerer hat gesagt, alle Investionen müssen so gering wie möglich gehalten werden.“

„Mir fallen spontan fünf, sechs andere Sachen im Haushalt ein, bei denen wir effizienter sparen könnten.“

Artur Reichert (FDP)

Neben den Grünen brach auch Artur Reichert (FDP) eine Lanze für den Vorschlag von Verwaltung und Schulleitung. „Variante 3.A ist genial. Aber jetzt wird eine gute Lösung und damit das Konzept der Schule torpediert wegen 260.000 Euro Mehrkosten? Mir fallen spontan fünf, sechs andere Sachen im Haushalt ein, bei denen wir effizienter sparen könnten“, war der Liberale fassungslos und legte nach: „Für das, was wir ins Solebad stecken, könnten wir sechs Brücken bauen – jedes Jahr! Jetzt wollen Sie an Kindern sparen. Ich appelliere an Ihr Gewissen, das nicht zu tun.“

In Dr. Eberhard Stroben (Bündnis 90/Die Grünen) brodelte es: „Ich könnte aus der Haut fahren. Es wurde ein gutes Konzept vorgelegt, um den Schulfrieden aufrecht zu erhalten. Mir ist schleierhaft, warum Sie nicht den Weg der Variante 3.A folgen – die wäre das Beste für die Schüler/innen.“

Auch der Versuch von Planer Daniel Fleer (Büro gpe) und Dezernent Frank Gründken, die Interimsmaßnahmen (mögliche Containerlösung, Anm. d. Red.) so kostengünstig wie möglich, eventuell durch die Nutzung leerstehender Schulgebäude, zu halten, stimmte die Gegner der Variante 3.A nicht mehr um. Mit den Stimmen der CDU, SPD und UWW – Andreas Schütte (Linksfraktion) enthielt sich – wurde zunächst der Verwaltungsvorschlag abgelehnt und anschließend der Variante 3.B zugestimmt.

Wie ein Verbindungspavillon im Erdgeschoss genau aussehen wird, darauf konnte Dezernent Frank Gründken auf Nachfrage von WERNEplus noch keine Antwort geben. Uta Leisentritt (CDU) sprach im Ausschuss von einem „geschlossenen System“. Dieses würde aber Probleme mit der Haupteingangssituation mit sich bringen. „Wie wir den gewünschten Durchgang im Erdgeschoss gestalten, müssen die kommenden Planungen zeigen – in enger Absprache mit der Schulgemeinde.“

Die Präsentation zur Erweiterung der Wiehagenschule sowie den Variantenvergleich finden Sie hier.

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