Donnerstag, April 25, 2024

Flemming Feß: Museum als Identitätsort der Stadt

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Werne. Flemming Feß ist der Neue im Stadtmuseum Werne. Zum 1. Juli 2023 hat er die Nachfolge von Dr. Constanze Döhrer angetreten und die Leitung des Karl-Pollender-Stadtmuseums übernommen. Die bisherige Museumsleiterin hatte Ende 2022 ihren Wechsel ans Historische Museum in Bielefeld bekanntgegeben.

Gegenwärtig steht für Fleß das Kennenlernen von „Stadt und Menschen“ ganz oben auf der Agenda, berichtete er jetzt im Gespräch mit WERNEplus. „Wie ist das Lebensgefühl in der Stadt, welche Themen gibt es, und wer hat die Expertise dazu?“, schilderte er, was ihn derzeit beschäftigt.

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Grundsätzlich sieht der 32-Jährige das Museum als identitätsstiftenden Ort der Begegnung, als Stätte für lebendigen Austausch. „Das Museum ist für die Stadtbevölkerung da“, skizzierte er in der Westfälischen Stube die Basis seiner Arbeit. „Die Angebote müssen sich nach dem Bedarf der Besucher/innen richten“, ist er überzeugt. So wie etwa die Westfälische Stube, die als Trauzimmer und verschiedene Anlässe angenommen werde.

Bei den Besuchergruppen, die sich für die Ausstellungen und Exponate zu Wernes Stadtgeschichte interessieren, sei ein Generationswandel ebenso zu erkennen wie ein veränderter Zeitgeschmack. Hinzu komme, dass sich Museen heute in einer starken Konkurrenz zu vielen anderen Bildungs- und Freizeitmöglichkeiten befänden. Ziel sei es deshalb, Ideen und Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln, denn das Museum sei ein Identitätsort für die Selbstwahrnehmung der Stadt.

„Ich bin froh über die Arbeit von Dr. Döhrer“, so Feß, der sich in diesem Sinne weiteren Räumen im Haus zuwenden will. „Aber selbstverständlich gehe ich jetzt nicht wie ein Tornado durchs Haus und ändere alles“, machte er klar und will etwa mit Farben, veränderten Blickachsen und dem Einsatz von Medien neue Akzente setzen.

Bürgernah spannende Geschichten erzählen

„Die Ausstellungen sind das Kerngeschäft“, skizzierte Flemming Feß eine der drei Säulen der Museumsarbeit. Wichtig sei es heute, spannende Geschichten zu erzählen, die einen aktuellen Bezug zur Lebenswelt hätten. Ab 2024 werden dann wieder Sonderausstellungen initiiert.

Die zweite Säule seien museumspädagogische Angebote für Schüler/innen. Hier könnten Unterrichtseinheiten jenseits des Klassenzimmers den Bezug der Kinder und Jugendlichen zur Geschichte ihrer Stadt herstellen. Der Museumsleiter möchte nun zeitnah den Kontakt zu den Werner Schulen suchen und den Bedarf nach solchen Angeboten ausloten.

Die dritte Säule sind Veranstaltungen, die sich an verschiedene Zielgruppen richten, sodass das Museum als lebendiges Bildungs- und Freizeitangebot seinen Platz in der Stadt hat.

Als eine der nächsten Aufgaben will sich Flemming Feß dem Thema Simon-Juda-Markt widmen, der mit der Vergabe der Stadtrechte anno 1362 von zentraler Bedeutung sei.

Gefragt, welche Ausstellungsstücke im Haus ihn besonders beeindrucken, nannte er das seidene Messgewand aus dem 13. bis 14. Jahrhundert, das 1995 bei Renovierungsarbeiten in einem Grab in der St.-Christophorus-Kirche gefunden wurde. „Die Kasel ist ein absoluter Schatz“, so Feß zu dem wertvollen Gewand, das im eigens errichteten Anbau zu sehen ist. Auch das 1443 angelegte Bürgerbuch mit seinen Bestimmungen zum Zusammenleben in der Stadt und den Namen von 4.601 Bürger/innen von vor 1380 bis 1770 erzählen viel über die Geschichte Wernes.

Flemming Feß lebt mit seiner Frau und einer kleinen Tochter in Münster. Das Rüstzeug für seine Arbeit als Museumsleiter hat er sich neben dem Studium der Geschichte sowie der Medien- und Filmwissenschaften auf unterschiedlichen Feldern der Museumsarbeit erworben. Ferner zählen ein PR-Volontariat beim Deutschen Filminstitut/Deutschen Filmmuseum in Frankfurt a.M. und eine mehrjähriger freiberufliche Tätigkeit als Lokaljournalist zu seiner Expertise. Zuletzt leitete er als verantwortlicher Kurator die Ausstellungsprojekte des Kulturzentrums und Kreismuseums „kult Westmünsterland“ des Kreises Borken.

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