Sonntag, April 5, 2026

Gedenken an die Reichspogromnacht – Zeichen gegen Antisemitismus

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Werne. Die Gräueltaten der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 in Werne, heute vor 85 Jahren, schildert Karl-Heinz Schwarze, Gründer und Vorsitzender des Vereins Freunde des historischen Stadtkerns Werne und pensionierter Deutsch- und Geschichtslehrer, in seinem gerade erschienenen Band „Salomon-Elberfeld-Museum. Von jüdischer Metzgerei zur Stuhlmacherei: Ein verflogener Traum – im Bild-Buch wach gerüttelt“:

„Eine Horde von SS- und SA-Leuten, fast alle aus Werne, drangen in jüdische Wohnungen ein, zerstörten das Mobiliar, schlugen Fenster ein, schmissen Vorräte, Porzellan und Waren auf die Straße, darunter 500 Paar Schuhe des Geschäftes der Familie Blumenthal und Textilien der Familie Gumpert. Bücher, Fotos und Bilder wurden auf der Straße verbrannt. Der Mob prügelte die jüdischen Männer mit Baulatten aus dem Bett, trieb sie leicht bekleidet und blutüberströmt über Scherben zum Marktplatz und zur Synagoge, schreibt Karl-Heinz Schwarze in dem Kapitel „Pogromnacht als katastrophaler Umschwung“. (In weiteren Kapiteln wird die Geschichte der Juden in Werne beschrieben – unter auch in funktionierender Nachbarschaft zu Handwerkern und Ackerbürgern.)

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Am heutigen Donnerstag lädt die Stadt Werne um 17 Uhr wiederum zu einer Gedenkveranstaltung mit Bürgermeister Lothar Christ am Standort der ehemaligen Synagoge in der Marktgasse ein, um an die Opfer von Juden- und Rassenhass zur Zeit der Naziherrschaft erinnern.

Doch der Blick in die Gegenwart und jüngere Vergangenheit zeigt, dass Antisemitismus alles andere als überwunden ist. Für jüdische Menschen in Deutschland sind Antisemitismus, Diskriminierung und Sorgen um die eigene Sicherheit auf erschreckende, nicht hinnehmbare Weise aktuell.

Im Oktober 2019 versucht ein rechtsextremer Täter aus antisemitischen Motiven heraus an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, die in der Synagoge versammelten Menschen zu töten. Er scheitert an der Tür und erschießt auf seiner Flucht wahllos eine Passantin und in einem nahegelegenen Döner-Imbiss einen Gast.

Und vor kaum mehr als vier Wochen wurde mit dem Massaker der Hamas an schutzlosen Israelis am 7. Oktober 2023 ein weiterer Tag hinzugefügt, der im Leben der Familien der Opfer, Verletzten, Geiseln und aller Jüdinnen und Juden niemals enden wird. Er geht mit mehr als 1.400 Toten und zahllosen, an Körper wie Seele verletzten Menschen als unsagbar gewalttätiges Pogrom nach der Shoa in die Geschichte ein.

Vor wenigen Tagen hat WERNEplus über das eingangs zitierte Buch von Karl-Heinz Schwarze berichtet, dass das Leben von Ackerbürgern, Juden und Handwerkern im Laufe der Geschichte beschreibt. Das Werner Bündnis gegen Rechts hat über zahlreiche Nazi-Aufkleber in der Stadt informiert, die auf besonders perfide Art selbst das Schild der Marga-Spiegel-Schule nicht verschonten. Die Namensgeberin der Werner Sekundarschule wurde während des 2. Weltkrieges mit ihrer Tochter von Bauernfamilien in Werne und Herbern versteckt und fand so Schutz vor den Nationalsozialisten. Ihre Geschichte hat Marga Spiegel in dem Buch „Retter in der Nacht“ dokumentiert.

Ebenfalls berichtet hat WERNEplus über die Beteiligung von Wir für Werne und der Mittelstands- und Wirtschaftsunion Stadtverband Werne an der bundesweiten Kampagne „Nie wieder ist jetzt“. Es wurden im Auftrag der Organisationen Aufkleber gedruckt, die an vielen Stellen in Werne kostenlos zu haben sind und ein Statement gegen Antisemitismus setzen. „Flagge zeigen“, lautet der Appell – das kann man tun: heute, 9. November 2023, 17 Uhr, Marktpassage: „Nie wieder ist jetzt“.

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