Donnerstag, Juni 20, 2024

Landesverband Erneuerbare contra mangelnden Wasserkraft-Ausbau

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Stockum. Für den Landesverband Erneuerbare Energien NRW ist es eine höchst bedenkliche Entwicklung, dass landesweit so gut wie keine neuen Wasserkraftwerke mehr genehmigt und gebaut würden. Das teilt der Verband in einer Presseerklärung mit.

Der Ausbau der Wasserkraft in Nordrhein-Westfalen sei zum Erliegen gekommen. Für dieses Jahr weise das Marktstammdatenregister bislang nur zwei kleinere Neubauprojekte mit zusammen 750 Kilowatt Leistung im Land aus. Und nicht nur das: Bis Ende des dritten Quartals habe es nicht eine einzige Genehmigung für ein neues Wasserkraftwerk gegeben, wird kritisiert.

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„Völlig unverständlich“, nennt Hans-Josef Vogel, Vorsitzender des Landesverbandes Erneuerbare Energien NRW (LEE NRW), diese seiner Ansicht nach höchst miserable Entwicklung, „Nordrhein-Westfalen wäre nicht das Industrieland, das es heute ist, wenn es zu Beginn der Industrialisierung nicht die Wasserkraft gegeben hätte.“

Nach wie vor lägen die Vorteile der Wasserkraft, ihre stetige und gut planbare Verfügbarkeit bei dezentralen Projekten mit hoher Netzverträglichkeit, auf der Hand. Wasserkraftanlagen seien außerdem heute nachhaltig und fischfreundlich, sie genießen hohe Akzeptanz. „Wir brauchen alle Erneuerbaren“, so Vogel.

Ein moderner Fischaufstieg soll anstelle des nicht mehr funktionsfähigen alten künftig Fischwanderungen stromaufwärts ermöglichen.

Projektierer Dr. Detering plant hochmodernes Wasserkraftwerk

In der Mitteilung wird auf den Projektentwickler Dr. Michael Detering, der ein ein neues Wasserkraftwerk mit einer Leistung von 400 Kilowatt an der Lippe auf dem Gebiet der Stadt Werne bauen wolle. Das Projekt „Wehr Stockum“, so der Arbeitstitel, könnte jährlich an die zwei Millionen Kilowattstunden erneuerbaren Stroms erzeugen. Diesen Standort habe das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz in einer Studie zum weiteren landesweiten Wasserkraftbau als „ungenutztes Potenzial“ ausgewiesen, heißt es weiter.

Parallel zu der neuen Wasserkraftanlage, die eine Altanlage mit 45 Kilowatt Leistung ersetzen soll, plane Investor Detering auch einen modernen Fischaufstieg: „Damit könnten Fische zum ersten Mal seit rund 200 Jahren an dem Standort wieder die Lippe stromaufwärts wandern und die seit langem, insbesondere von Umweltschützern gewünschte Durchgängigkeit des Flusses würde Wirklichkeit. Die Anlage selbst erhält eine fischfreundliche Turbine.“

Erster Förderbescheid für Planung und Bau aus Arnsberg

Bestärkt sehe sich Detering in seinen Plänen nicht nur durch die Unterstützung des Kreises Unna und der Stadt Werne, für die das geplante Wasserkraftwerk ein Baustein ihres Klimaschutzkonzeptes ist. Von der Bezirksregierung Arnsberg hat er einen ersten positiven Förderbescheid für die Planung und den Bau des hochmodernen Wasserkraftwerkes erhalten. Dennoch sehe sich Michael Detering bislang bei seinem Vorhaben ausgebremst: „Bislang sperrt sich das entsprechende Referat des Düsseldorfer Umweltministeriums – und das entgegen der klaren Rechtspriorität für den Ausbau der erneuerbaren Energien und des Lippe-Verbandsgesetzes.“ Was Detering nicht davon abhält, den Genehmigungsantrag bei der Bezirksregierung Arnsberg einzureichen, von der er einen positiven Bescheid erwarte.

Darauf setze auch Till Knäpper, Eigentümer der Borker Naturwerk GmbH & Co. KG. Er plane, einen alten Wasserkraftstandort an der Lippe in Selm-Bork, rund zehn Kilometer flussabwärts von Deterings Vorhaben in Werne-Stockum, zu reaktivieren. An diesem Standort einer früheren Papierfabrik soll ein Wasserkraftwerk mit gut 200 Kilowatt Leistung wieder in Betrieb genommen werden, mit dem Gros des Stroms sollen die am Standort ansässigen Unternehmen beliefert werden, wird in der Mitteilung der LEE NRW erläutert.

Dort sieht man in beiden Projekten ein wichtiges Signal: „Da schon der Bioenergieausbau in NRW auf allerniedrigstem Niveau stagniert, kann es sich das Land für seine Klimaneutralitäts-Ziele nicht leisten, dass mit der Wasserkraft ein zweiter erneuerbarer Energieträger komplett ausfällt“, betont Vorsitzender Hans-Josef Vogel.

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