Donnerstag, April 18, 2024

Landwirtschaft und Landschafts-Ökologie im Dialog

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Werne. Nach allen wissenschaftlichen Erkenntnissen ist die Bekämpfung des Artensterbens und des Klimawandels die größte Herausforderung für die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten. So waren 15 Personen der Einladung der BIN gefolgt, ein Jahr nach der ersten Naturwanderung mit Dr. Götz Loos, den Blick auf die münsterländisch geprägte Kulturlandschaft zu lenken.

Werner Thiemann, Vorsitzender der BIN, führte in die Thematik ein, indem er den Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft zitierte: „Wir müssen und können neue Wege gehen, damit Landwirtschaft angesichts von Extremwetter, Artensterben, Kriegen und Konflikten krisenfester wird und die Bevölkerung mit Nahrung versorgen kann.“ Die Blühstreifen entlang der Felder sind ein Weg, um dem Artenschwund weltweit und vor Ort zu begegnen. Damit gab er das Wort an die Referenten, die sich zunächst kurz vorstellten:

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Robert Schulze Kalthoff, Sprecher der Landwirte in Werne und immer schon durch die Familie mit
Landwirtschaft verbunden, und Dr. Götz Loos, studierter Geograph mit dem Schwerpunkt Landschaftsökologie und Biogeographie, bekannt als bester Kenner von Flora und Fauna im Kreis
Unna, bekannt auch als „Heimatbiologe.“

Kompetent begann Schulze Kalthoff und führte aus, dass durch die Veränderungen der Lebensstile der letzten Jahrzehnte der Bezug zur Natur und zu Landwirtschaft verloren gegangen ist. Er nutzte die Gelegenheit, den Anwesenden interessante Zusammenhänge von Boden, Luft und Wasser zu verdeutlichen. Sein Vortrag streifte auch kritische Themen wie Einsatz von Dünger, Technik, Tierhaltung und dem Einsatz von Bioziden. So berichtete er von einem ertragsschädigendem Pilz, der über dem Luftweg eine Distanz von 800 Kilometer zurücklegen kann.

Er verdeutlichte dadurch die Aufgabe der Landwirtschaft, für Ernährungssicherheit zu sorgen und gleichzeitig aber auch den Erhalt unserer Schöpfung zu garantieren. Wer wisse denn schon, dass Landwirte regelmäßig Bodenproben nehmen?

Er räumte auch mit dem Vorurteil auf, dass wir es hier in Werne mit Agrarindustrie zu tun haben wie 2021 im Zusammenhang des Bürgerentscheides behauptet wurde. Was diese bedeutete ergänzte ein kompetenter Zuhörer durch den Blick auf die Geschichte der LPG im Osten Deutschlands. Die vorhandenen Parzellen seien viel zu klein für diese Art der Bewirtschaftung.

Außerdem hob Schulze Kalthoff hervor, dass es „die Landwirtschaft“ nicht gibt. In Werne gibt es eine Fülle der Bandbreite von landwirtschaftlichen Betätigungsfeldern im Bereich von, Ackerbau
und Viehzucht. Die Vielfäligkeit reicht vom Spargel- oder Erdbeerbauern bis zur Hühner-, Rinder und Schweinehaltung, wobei die traditionelle Schweinemast rückläufig ist.

Die Anwesenden konnten jederzeit Fragen stellen so auch im Zusammenhang der Blühstreifen-Patenschaft hier in Werne. So erinnerten einige Zuhörer an das Ackerrandstreifenprogramm der achtziger Jahre, was letztlich durch eine falsch akzentuierte Politikt zunichte gemacht worden war. „Wir waren, was den Naturschutzgedanken anlangt, schon einmal weiter.“ So war man sich in der
Runde einig.

Gekonnt und versiert baute Dr. Götz Loos sein kulturhistorisch profundes Wissen mit ein und natürlich seine Artenkenntnis. Er erinnerte an die Sesshaftwerdung des Menschen und daran, dassdie Landwirtschaft als Wiege der Zivilisation gilt. Kritisch beäugte er aber auch die Saatgutmischungen, die aktuell verwendet werden. Er gab Tipps für naturnahe Begrünung von gebietseigenen Wildblumen und Wildgräsern. Diese seien in der Regel auch klimaresistenter. Wichtig für die Ernährung der Insektenwelt sei auch für die jahreszeitlich orientierte Blütenvielfalt
zu sorgen, eben auch ein wichtiges Anliegen der Imker.

Allerdings ist damit auch immer die Kostenfrage verbunden. Kalthoff bedauerte, dass auch in
diesem Jahr zu wenige sich in Werne an der Blühstreifenaktion beteiligt haben. Götz fasste respekt- und humorvoll zusammen: „Ein Blühstreifen ist besser als gar kein Blühstreifen.“

Schulze Kalthoff zeigte, dass in diesem Jahr die Blühstreifen auf den Maisäckern ausgesät werden.
Die Anwesenden waren sich einig, dass Politik und Gesellschaft nicht mit der gebotenen Dringlichkeit gegen das Artensterben vorgingen.

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