Dienstag, Mai 28, 2024

„Lernen 2040“-Studie: Begeisterte Resonanz am AFG Werne

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Werne. Als erste Schule bundesweit hat das Anne-Frank-Gymnasium (AFG) Werne Ergebnisse der interdisziplinären Studie „Lernen im Jahr 2040“ in die Praxis umgesetzt und in konkrete Raum- und Unterrichtskonzepte überführt.

Die vom Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie FKIE initiierte und 2021 abgeschlossene Delphi-Studie hatte das Ziel, offene Forschungsfragen rund um das Thema „Lernen der Zukunft“ zu adressieren und ein Szenario für das Lernen im Jahr 2040 zu erarbeiten.

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Nach sechs Monaten der realen Erprobung bewerten Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte des AFG die neuen Bestandteile des Lehr- und Lernangebots gleichermaßen positiv, heißt es in der Pressemitteilung des Fraunhofer-Instituts.

Leuchtturmprojekt des Anne-Frank-Gymnasiums in Werne und Element 1 der neuen Space-Lernlandschaft ist der »Maker Space«, eine große, vor allem auch mittels Sachspenden örtlich ansässiger Betriebe technisch umfangreich ausgestattete Werkstatt. © AFG Werne
Zweites Element: der „Thinking Space“. Der Klassenraum bietet eine kreativ gestaltete Lernumgebung mit Arbeits- und Präsentationsbereich, flexiblem Mobiliar und beweglichem Smart-TV. Den Schülerinnen und Schülern gefallen der neue Raum und seine Möglichkeiten. Ihrer Ansicht nach ist das Lernen hier viel offener und freier, in jedem Fall besser. © AFG Werne
Drittes Modul und beinahe eine eigene Space-Lernlandschaft ist der „iCreative Space“. „i“ steht dabei für innovativ und individuell. Der Bereich ist in unterschiedliche Teilräume untergliedert, die ein handlungsorientiertes, offenes und projektorientiertes Lernen ermöglichen sollen. Die Schaffung einer Atmosphäre, die zum Wohlbefinden von Lernenden und Lehrenden und damit zu einer angenehmen und motivierenden Lernumgebung beiträgt, ist das vorrangige Ziel der im Rahmen der Studie erarbeiteten Maßnahmen für das Lernen der Zukunft. © AFG Werne

Wo, wann, wie und womit werden wir zukünftig was lernen? Das war die Ausgangsfrage, der ein interdisziplinäres Team von FKIE-Wissenschaftlerinnen und -Wissenschaftlern in der nach Delphi-Methodik durchgeführten Befragung „Lernen im Jahr 2040“ nachgegangen ist. „2040 deshalb, da wir schätzen, dass 20 Jahre ein realistischer Zeithorizont sind, innerhalb dessen Entwicklungen sichtbar und spürbar werden können“, erläutert Studienleiterin und Psychologin Lisa Reray. „Mithilfe der Umfrage wollten wir ein Meinungsbild zum Thema erheben und Impulse für zukünftige Trainingsmittel erhalten.“

Studienteilnehmer: ein Querschnitt der deutschen Bildungsexpertise

Bis zu 20 ausgewählte Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Forschung (Hochschulen, Bildungsforschungsinstitute, angewandte Forschung), Wirtschaft (Beratung, Produktentwicklung) sowie bildungsbezogenen Verbänden und öffentlichen Bildungseinrichtungen nahmen an den insgesamt drei Befragungsrunden der Studie im Jahr 2021 teil.

Unter ihnen auch AFG-Schulleiter Marcel Damberg: „Am Anne-Frank-Gymnasium setzen wir einen besonderen Schwerpunkt auf die Bereiche Individuelle Förderung, MINT und Digitales Lernen und gelten damit als Leuchtturmschule in der Region. Mit größtem Interesse habe ich die Studie daher von Anfang an begleitet. Die Ergebnisse fand ich sehr überzeugend. Dank der tatkräftigen Unterstützung der Schulmitwirkungsgremien, der Stadtverwaltung und natürlich des gesamten Kollegiums konnten wir innerhalb eines Jahres viele Aspekte umsetzen. Außerdem haben wir Unterstützung zahlreicher gewerblicher Förderer aus Werne erhalten.“ In die Karten gespielt habe ihnen bei der Umsetzung allerdings auch die präsenzfreie Unterrichtszeit während der Corona-Pandemie.

Analoge und digitale Welten verbinden mit iCreative, Maker und Thinking Space

Dem Konzept „Digitale Schule“ folgend werden am Anne-Frank-Gymnasium bereits seit dem Schuljahr 2014/15 alle Schülerinnen und Schüler mit iPads ausgestattet und diese in Abhängigkeit von Alter und Kenntnisstand der Schüler inhaltlich und methodisch sinnvoll im Unterricht eingesetzt. Für ihren didaktisch und pädagogisch gelungenen Ansatz wurde die Schule, die auch dem nationalen Exzellenznetzwerk MINT-EC e.V. angehört, von der nationalen Initiative „MINT-Zukunft schaffen“ mit dem Titel „Digitale Schule 2020“ ausgezeichnet.

Neben der Nutzung digitaler Lerntechnologien, die auch die Studie „Lernen 2040“ als Empfehlung festhält, wurden weitere Maßnahmen umgesetzt, die sich positiv auf das zukünftige Lernen auswirken sollen. So hat die Schule ein auf Studienergebnissen basierendes „Space-Lernlandschaft“-Konzept ausgearbeitet und realisiert, das drei unterschiedliche Arten von Lern-Spaces vorsieht: Da wäre zum Ersten der „Maker Space“. Am AFG wurde er in Form einer großen, umfangreich technisch ausgestatteten Werkstatt umgesetzt. Zwei Dutzend unterschiedlichste 3D-Drucker, eine moderne Abluftanlage, eine Lötstation sowie Werkbänke, ein umfangreiches Werkzeugarsenal und viele Materialien stehen hier zur Verfügung. Nicht nur bekennende Technik- und Handwerk-Freaks werden so zum praktischen Arbeiten und Ausprobieren animiert. Die Resonanz ist groß.

Eine ambitionierte Schüler-AG hat es sich zur Aufgabe gemacht, Auftragsarbeiten bei ansässigen Firmen einzuwerben und somit echte Gewinne zu erwirtschaften, die anschließend wieder in die Ausstattung des Raums fließen.

Zweites Element der Lernlandschaft ist der „Thinking Space“, ein Klassenraum, der zu einer kreativ gestalteten Lernumgebung umgebaut wurde: mit Arbeits- und Präsentationsbereich, flexiblem Mobiliar und beweglichem Smart-TV. Schulleiter Damberg erläutert: „Dieser Raum bietet zahlreiche Möglichkeiten für kommunikative Lernarrangements, steht jedoch zunächst leider nur der Oberstufe für individualisierte Lernprozesse in den naturwissenschaftlichen Fächern zur Verfügung.“

Anders der „iCreative Space“, das dritte Modul der Space-Lernlandschaft. Er steht bereits heute der Gesamtheit der Schüler und Lehrer zur Verfügung. „i“ steht dabei für innovativ und individuell. Ein 120 m2 großer Bereich wurde hierzu in unterschiedliche Teilräume untergliedert, die ein handlungsorientiertes, offenes und projektorientiertes Lernen ermöglichen sollen: So beinhaltet der „iCreative Space“, der eigentlich eine eigene Lernlandschaft darstellt, einen Kreativraum („Kommunikation“), ein überdimensionales Relax-Terminal mit Rundum-Sitzfläche, das wahlweise auch als Bühne genutzt werden kann („Präsentation“), einen Bereich mit Arbeitsplätzen in Form von Stehtischen und Hockern („Entdecken und Arbeiten“) oder auch ein beinahe geschlossen rundes Sofa mit überdimensional hohen Rückenlehnen für das abgeschirmte Arbeiten in kleinen Gruppen.

Total beliebt für das Lernen in kleinen Gruppen, Hausaufgaben oder auch den Plausch zwischendurch: die "Kuschel-Muschel" im iCreative Space. Foto: AFG Werne
Total beliebt für das Lernen in kleinen Gruppen, Hausaufgaben oder auch den Plausch zwischendurch: die „Kuschel-Muschel“ im iCreative Space. Foto: AFG Werne

Begeisterte Resonanz bei Schülern und Lehrern

Vor allem Letzteres, das Rundsofa, hat sich zu einem der Lieblingsorte der Schüler entwickelt: „Mein Highlight ist die Kuschel-Muschel“, schwärmt die 16-jährige Greta, die weiter erzählt, dass sie und ihre Freundinnen sich hier häufig zum Reden treffen würden, aber auch zum Lernen oder zum Unterricht in kleinen Gruppen. Als Oberstufenschülerin kommt sie zudem in den Genuss des Unterrichts im „Thinking Space“. Auch hier ist sie von Raum und Konzept begeistert: „Zirka vier von fünf Erdkunde-Stunden haben wir im Thinking Space. Das ist toll. Der Unterricht ist viel offener und freier.“ Man sei viel motivierter, bestätigt ihre Freundin Sarah (16). Und Anna (17) ist überzeugt: „Man erarbeitet sich den Lernstoff in diesem Raum anders. Es bleibt viel mehr im Kopf.“

Die Lehrer freut das, denn auch sie erkennen in den neuen Raumkonzepten und Unterrichtsmodellen viele Vorteile: „Die Unterrichtsatmosphäre ist anders: freier, lockerer. Wir arbeiten viel in kleinen Gruppen, üben Präsentationssituationen. Raumkonzept und vorhandene Technik unterstützen dies optimal. Eine Win-win-Situation: Beide, Schüler und Lehrer, sind motivierter. Der Unterricht macht allen mehr Spaß“, lobt Erdkunde-Lehrer Marius Gregg.

Mensch und sein Wohlbefinden im Fokus

„An den Lernorten der Zukunft steht der Mensch und dessen Wohlbefinden im Fokus“, fasst FKIE-Wissenschaftlerin Reray die Ergebnisse der Studie zusammen. „Die Lernorte, in denen Lernende und Lehrende aufeinandertreffen, können dabei sowohl analog als auch digital sein, aber sie sollen lernförderlich gestaltet werden. Aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive sind dabei sowohl in der Bildungs- als auch in der Arbeitswelt Raumkonzepte notwendig, die zum Lernen anregen, kreative Entfaltungsmöglichkeiten und Möglichkeiten der Individualisierung bieten. Um einen möglichst hohen Grad an Lernmotivation zu erhalten, ist es wichtig, den unterschiedlichen Bedürfnissen der Lernenden gerecht zu werden. Soziale Interaktionen und Kommunikation sind dabei eine wichtige Lernquelle. Die Raumkonzepte sollen daher beides vorrangig unterstützen. Das AFG hat beispielhaft gezeigt, wie unsere Studienergebnisse sinnvoll und gewinnbringend für alle Beteiligten umgesetzt werden können. Das macht uns stolz und zeigt, wie wichtig es ist, Heterogenität und Abwechslung beim Lernen zu schaffen.“

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