Dienstag, Juni 18, 2024

Repair-Café in Werne: Vom Dinosaurier bis zum Flachbildschirm

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Werne. Die eine Stehlampe kommt, die andere geht: Am Samstag (18.11.2023) gaben sich die Menschen am Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum die Klinke in die Hand. Das erste Repair-Café der Evangelischen Kirchengemeinde Werne war gefragt. „Ich bin so froh, wie super es läuft“, sagte Sabine Strauß.

Die Presbyterin hatte das nachhaltige Angebot initiiert und mit einem engagierten Helferteam organisiert. An langen Tischen wurde hantiert, getüftelt, geprüft und beratschlagt. Die Besucher schleppten an, was sie in ihren Händen tragen konnten. Die Palette an reparaturbedürftigen Dingen reichte vom Spielzeug-Dinosaurier bis zum Flachbildschirm. „Elektroartikel sind besonders oft vertreten“, sagte Olaf Steinweg, einer der ehrenamtlichen Helfer. Er selbst hatte einen Rasierapparat mitgebracht. „Das Kabel wird sozusagen gerade durchfiletiert, um zu prüfen, ob der Stecker defekt ist oder ein Kabelbruch vorliegt.“

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Nebenan wird eine defekte Pultleuchte aufgeschraubt, von der sich ihre Besitzerin Elisabeth Kramer nicht trennen möchte. „Ich finde die Idee hier großartig, das muss man unterstützen“, sagt sie. Das Ergebnis der Analyse wartet sie im vorderen Bereich des Gemeindezentrums bei einer Tasse Kaffee ab. Dort haben es sich auch andere Wartende an einem großen Tisch gemütlich gemacht. Schnell kommen alle miteinander ins Gespräch. Sie sei eigens aus Lünen gekommen, erzählt eine Dame. Sie hängt seit mehr als 30 Jahren an ihrer Stehlampe, deren Zugschalter nun kaputt ist. „Das hat mein Mann rausbekommen, aber ihm fehlte der Mut, das selbst zu reparieren“, erzählt sie. Den Hinweis auf das Repair-Café in Werne habe sie von den Grünen in Lünen erhalten.

Die Experten sind mit Herzblut dabei, wenn es darum geht, den Fehler eines defekten Geräts ausfindig zu machen. Foto: Schwarze
Die Experten sind mit Herzblut dabei, wenn es darum geht, den Fehler eines defekten Geräts ausfindig zu machen. Foto: Schwarze

Der fünfjährige Theo kommt derweil strahlend aus dem Werkraum. In der Hand hält er seinen wiederhergestellten T-Rex. Dem batteriebetriebenen Dinosaurier waren beim Spielen die Füße abgebrochen. „Vielleicht hätte ich das auch hingekriegt, aber ich habe mich nicht richtig getraut“, erklärt sein Vater. Seinerseits hat er eine Lichterkette, deren Kabel gerissen war, herrichten lassen. „Außerdem konnte ich hier Ideen sammeln, wie ich zu Hause Dinge reparieren kann.“ So habe er gute Tipps zum Löten erhalten – so gut, dass er überlege, später noch einmal vorbeizukommen. „Mir ist es außerdem wichtig, wenn mein Sohn lernt, dass man Sachen reparieren kann und nicht neu kaufen muss.“

Repariert wird, was die Besucher des Repair-Cafés mit den Händen tragen können. Der Bildschirm fällt noch so gerade in die Kategorie. Foto: Schwarze

Brigitte Schmidt hat das Recyceln zu ihrem Hobby gemacht. Hinter ihrer Nähmaschine schaut treuherzig ein Stoffmops hervor. Er trägt ein schickes rot-blaues Hundemäntelchen. „Das habe ich aus einer kaputten Matschhose für Kinder gefertigt“, sagt Schmidt. Tragbar sei der Überzieher natürlich auch für echte Hunde. „Ich mache das gern, Taschen aus getragenen Kleidungsstücken nähen oder Socken und Pullis aufribbeln, um aus der Wolle etwas Neues zu häkeln oder stricken.“

Aber es kommen nicht nur Leute, die etwas repariert haben möchten, sondern auch solche, die reparieren möchten. Reinhard Bergmann zum Beispiel, ein gelernter Schlosser im Ruhestand. Er wohnt ganz in der Nähe des Bonhoeffer-Zentrums und bietet an, an den Tagen des Repair-Cafés jene Dinge, die in seinen Bereich fallen, zu Hause auf seiner Werkbank instand zu setzen.

Dem T-Rex waren die Füße abhanden gekommen. Dank des Teams im Repair-Café ist das Spielzeug wieder komplett einsatzbereit. Foto: Schwarze

Nicht immer lässt sich alles sofort vor Ort reparieren. Eine Kaffeemaschine braucht ein Ersatzteil. Die Fachleute suchen im Internet nach dem passenden Stück und werden in einem Online-Auktionshaus fündig. Dort kann es die Besitzerin bestellen und zum nächsten Repair-Café mitbringen. „Unser Presbyter Felix Wiorek plant darüber hinaus den Einsatz eines 3D-Druckers für Ersatzteile“, berichtet Sabine Strauß. Sie freue sich über die entspannte Atmosphäre und die vielen Helfer. „Die Konfi-Kids haben Schnittchen fürs Café hergerichtet, übrigens auch vegane.“

Ein Helfer erklärt, was er herausgefunden hat: Die Leuchte braucht einen neuen Kontakt. Foto: Schwarze
Ein Helfer erklärt, was er herausgefunden hat: Die Leuchte braucht einen neuen Kontakt. Foto: Schwarze

Und viele hätten bereits nach dem nächsten Termin gefragt. Der steht bereits fest: am 20. Januar 2024, wieder von 10 bis 13 Uhr im Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum.

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