Dienstag, März 10, 2026

Barrierefreiheit im Solebad – Marius Gellert wagt den Selbstversuch

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Werne. Mit viereinhalb von fünf Sternen hat es das Werner Solebad nun schriftlich – die Anlage ist barrierefrei für Rollstuhlfahrer benutzbar. So lautet jedenfalls das Testergebnis von Marius Gellert vom Projekt „Rollstuhlgerecht in Stadt Werne, Inklusionstreff Werne, barrierefreie Teilhabe“. Die Urkunde soll demnächst den Vertretern der Bäderverwaltung offiziell ausgehändigt werden.

Marius Gellert gehört nicht zu jenen, meist offiziellen Gästen der Bäderwelt aus Freibad, Hallenbad und Sole, die sich bei einer Führung alles erklären lassen und danach über die Verleihung eines Prädikats für die kommunale Einrichtung befinden. Der 39-Jährige ist seit Ende 2020 selbst auf den Rollstuhl angewiesen. Er kennt daher die Alltagsprobleme aus eigener Erfahrung. Er organisiert derzeit die Gründung des Vereins „Rollstuhlgerecht in Stadt Werne“. Die   Vereinsgründung, so Gellert, sei weit fortgeschritten und solle noch in diesem Jahr vollzogen werden.

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Jedoch war seine Schnuppertour durch das Solebad nicht allein technischer Natur. Marius Gellert: „Ich hatte etwas Angst davor, zum ersten Mal wieder zu schwimmen, und hoffte, dass mir das sechsprozentige Solewasser so viel Auftrieb gibt, damit es mir wieder problemlos möglich ist“.

Bevor dieser persönliche Test beginnen konnte, musste Marius Gellert zusammen mit  seinem Tagesbetreuer Sascha Koreck durch die gleichen Stationen, wie sie jeder Badegast absolvieren muss, bevor er in eines der Becken eintauchen darf. Dabei wurde das Duo vom stellvertretenden Betriebsleiter Henrik Schmidt und seiner für die Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Kollegin Anne Kleimann begleitet. Schmidt betont, dass das Solebad seit dem Umbau der alten Anlage von Jahr zu Jahr zunehmend zu einem Anziehungspunkt für die Wasserratten jeden Alters aus dem gesamten Umland geworden sei. Schmidt billanziert: „Im abgelaufenen Badejahr konnten wir 307.251 Eintritte verbuchen. Darunter waren beispielsweise auch zahlreiche Schulklassen und andere Gruppen.“ Die Barrierefreiheit, so Kleimann und Schmidt, habe einen sehr hohen Stellenwert in der Alltagsarbeit. Kleimann: „Es ist zwar noch nicht vorgekommen. Aber wenn ein Blinder mit Führhund ins Bad möchte, darf er seinen Begleiter zwar nicht mitnehmen. Er darf ihn aber bei mir im Büro abgeben.“

Die Türen an den Zugangssperren sind mit einem Transponder leicht zu öffnen und sind breit genug für einen Rollstuhl. Das stellten Marius Gellert und sein Tagesbetreuer Sascha Koreck gleich zu Beginn ihres Rundgangs durch die Werner Badewelt fest.

Die erste Station ist im hell und freundlich gestalteten Kassenbereich. Die Mitarbeiter in diesem Bereich zeichnen nicht nur dafür verantwortlich, dass jeder Badegast seinen Obolus entrichtet. Hier werden auch Fragen rund um die Werner Wasserwelten freundlich und verbindlich beantwortet. Rollstuhlfahrer und andere beeinträchtigte Personen, die in ihrem Schwerbehindertenausweis die Stempel „H“ oder „B“ haben, dürfen ihre Begleitpersonen kostenlos mit in die Wasserwelt nehmen.

Nach den ersten Schwimmzügen tauscht Marius Gellert (links) seine Sole-Erfahrungen mit Anne Kleimann (rechts) aus.

Für den Rollstuhlfahrer und seinem Begleiter sind naturgemäß die beiden behindertengerecht ausgestatteten Umkleidekabinen. Die rund zehn Quadratmeter großen Räume erlauben es, wie Marius Gellert bestätigt, dass sich zwei Personen frei bewegen können. Der einzige Kritikpunkt, den Gellert formuliert, gilt dem Fehlen von Hebevorrichtungen.

Damit Rollstuhlfahrer überhaupt bequem ins Solebecken gelangen können, gibt es im Solebad eine fest montierte Hebeanlage. Schmidt erklärt: „Mit dieser Vorrichtung können die behinderten Besucher in einem badeigenen Rollstuhl ins Wasser gesetzt werden.“ Der badeigene Rollstuhl sei notwendig, weil die modernen Geräte der Rollstuhlbenutzer mit sehr viel Elektrik und Elektronik ausgestattet seien, die nicht mit dem Wasser in Berührung kommen sollten. Wenn dieser Rollstuhl besetzt ist, werden die Badegäste in ein Kunststofflaken eingepackt ins Wasser gesetzt. Dieser Prozedur musste sich auch Marius Gellert unterziehen.

Mit der Einschränkung, des Fehlens der aus seiner Sicht wünschenswerten Hebevorrichtungen zeigte sich Marius Gellert mit der Ausstattung der Behinderten-Umkleidekabinen zufrieden.
Mit der Einschränkung, des Fehlens der aus seiner Sicht wünschenswerten Hebevorrichtungen zeigte sich Marius Gellert mit der Ausstattung der Behinderten-Umkleidekabinen zufrieden.

Er berichtet: „Schon die ersten Schwimmzüge zeigten mir, dass mich die sechsprozentige Sole prima trägt. Meine ursprünglichen Bedenken waren bald verschwunden.“ Sein Gesamturteil bringt er so auf den Punkt: „Mit einigen wenigen Abstrichen ist das Solebad auch für Menschen mit Behinderung eine attraktive Anlaufstelle.“

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