Sonntag, April 5, 2026

Kinder- und Jugendparlament – Diskussion im Fachausschuss

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Werne. Wie können Kinder und Jugendliche in Entscheidungen eingebunden werden, die ihre ureigenen Interessen berühren? Darüber wurde am Mittwoch, 21. Mai 2025, im Jugendhilfeausschuss intensiv beraten.

Zwei Beschlussvorschläge standen zur Abstimmung: 1. Die Einrichtung eines Kinder- und Jugendparlaments. Für die Umsetzung sind eine halbe Stelle für Fachpersonal sowie 10.000 Euro Kosten für Fachpersonal einzuplanen. 2. Die Verwaltung wird beauftragt, die projektbezogene Kinder- und Jugendbeteiligung weiter auszubauen und strukturell zu verankern.

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Hintergrund: Bereits im Mai 2022 hatten Bündnis ´90/ Die Grünen mit einem Antrag auf Einrichtung eines Kinder- und Jugendparlaments das Thema auf die Tagesordnung gerückt. Das Format des Jugendparlaments wurde damals zunächst abgelehnt und eine Entscheidung darüber verschoben. Stattdessen ging der Auftrag an die Verwaltung, eine projektbezogene Kinder- und Jugendbeteiligung umzusetzen. Anhand der so gewonnenen Erkenntnisse sollte dann später über über die Schaffung eines Kinder – und Jugendparlaments neu entschieden werden.

Jugendamtsleiter Maik Rolefs und Anika Hartung berichteten für die Verwaltung von gelungenen Beteiligungsformaten, die in der Zwischenzeit umgesetzt wurden. Das waren die Jugendkulturwoche „Now & Then“ (März 24), das von Jugendlichen der AG Bikepark selbst angestoßene und intensiv mitgestaltete Projekt des Bikeparks Werne, die Jugendbefragung 2025 sowie die Entwicklungsplanung für inklusive Spielplätze. Hierbei werden Kinder und Jugendliche an der Planung von Spielflächen beteiligt und deren Wünsche und Bedürfnisse aufgenommen.

Gelungene Projekte schaffen Bereitschaft zum Mitmachen

Am Beispiel der Jugendkulturwoche „Now & Then“ belegte Maik Rolefs, dass man vielfältige Erkenntnisse aus dem Projekt mit 60 Workshops und freien Angeboten gewonnen habe. 300 Kinder und Jugendliche hatten teilgenommen. Die im Frühjahr 2025 durchgeführte Befragung von Jugendlichen zwischen 11 und 21 Jahren hätte rund 800 Rückläufe gebracht, schilderte er. Den eingeschlagenen Weg wolle man fortsetzen. Für die erfolgreiche Einbindung der Jugendlichen in die Projekte gab es in der Runde viel Anerkennung.

Neben den oben genannten Personal- und Sachkosten müsse man für die Parlament-Format auch die Gemeindeordnung ändern, so die Jugendpflegerin. Maik Rolefs gab zu bedenken, dass sich für die Mitarbeit in einem Parlament möglicherweise genau die Kinder melden, die sich bereits engagieren und nicht so sehr jene, die leiser seien.

Erfahrungen aus Kommunen mit Kinder- und Jugendparlament hätten auch gezeigt, dass es schwierig sei, Engagement und Beteiligung an diesem Format über längere Zeit hochzuhalten. Das setze auch voraus, dass sie die Kommunalpolitik die notwendige Unterstützung leiste.

Parlament-Format nutzt Jugendlichen und der Gesellschaft

Für die Grünen bekräftigte Dr. Eberhard Stroben den Ruf nach einem Kinder- und Jugendparlament. „Eine Reihe von Städten macht das anders“, sagte er, und wies auf positive Erfahrungen mit der Mitarbeit von Jugendlichen hin. Ihnen werde eine Stimme gegeben, dies sei auch Demokratiebildung. Es gebe immer mehr Jugendliche mit rechtslastigen Auffassungen und Demokratiebildung sei auch nicht nur von Schulen zu leisten. Ein Kinder- und Jugendparlament sei ein Nutzen für die Beteiligten und für die Gesellschaft, appellierte er in diesem Sinne.

Christian Lang (CDU) sah wie die Verwaltung in den projektbezogenen Beteiligung das bessere Format. Auch ohne Parlament könnten Kinder und Jugendlichen so Demokratie erlernen und seien in den verschiedenen Projekten auch nicht auf eine Gruppe begrenzt. Ähnlich sah es Dörte Hübchen-Oesterschulze (SPD), die sich statt „statischer Parlamentsarbeit“ für eine Partizipation über Projekte aussprach, wie die verantwortungsvolle Arbeit beim Bikepark gezeigt hätte.

Carolin Siegeroth (FDP) lobte die „tollen Projekte und Aktionen“, schloss sich aber der Argumentation der Grünen an. So könnten die Jugendlichen im Parlament auch Dinge anstoßen, wenn sie nicht einer bestimmten Gruppe angehörten und sich von Projektgedanken lösen. Pro Parlament-Format äußerte sich Angelika Roemer (Awo), auch um den Kindern und Jugendlichen zu zeigen, dass ihre Stimme etwas zähle.

Unterstützung auf dem Weg zum Ziel

Eine andere Einschätzung brachte Diakon Michael Reckmann mit. „Wir dürfen nicht vergessen, wir kommen von Corona her“, wandte er ein, dass es Kindern und Jugendlichen an Erfahrungen fehle, sich in größerer Runde zu verständigen. „Jugendliche trauen Politik nicht“, fügte er hinzu. Kinder fänden es hingegen gut, themenorientiert zu arbeiten. So gebe es beispielsweise den Wunsch nach einem Jugend-Café. Den Weg zum Ziel aufzeigen und unterstützen, lautete sinngemäß sein Rat.

Kristina Sollich (KEW Erziehungshilfen) äußerte ebenfalls Skepsis: „Wenn wir uns ein perfektes Kinder- und Jugendparlament vorstellen, werden wir bruchlanden.“ Kinder könnten sich vertreten, wenn sie etwas ansprechen wollen. Wenn man ein Kinder- und Jugendparlament neu denke und vorhandene Politikstrukturen verlasse, könne man diese für Politik und Demokratie begeistern.

Schlussendlich behielt das Thema Partizipation seine uneingeschränkte Bedeutung in der Einschätzung von Verwaltung und Politik. In der Abstimmung wurde die Schaffung des Kinder- und Jugendparlaments knapp mit 5 Ja-Stimmen gegen 6 Nein-Stimmen abgelehnt. Dem Vorschlag 2, Beibehaltung und Ausbau der projektbezogenen Partizipation, stimmten dann alle zu.

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