Dienstag, März 10, 2026

Vortrag im Café Chaos: Antisemitismus und jüdische Proteste nach 1945

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Werne. Das Café Chaos widmet sich am Freitag, 28. November 2025, in seiner Vortragsreihe im Jugendzentrum JuWeL der Frage, wie Überlebende der Shoah (nationalsozialistischer Völkermord an den Juden Europas) die Zeit nach dem Ende des NS-Regimes in Deutschland erlebt haben. In den unmittelbaren Nachkriegsjahren und in der frühen Bundesrepublik waren die Überlebenden der Shoah vielfach weiterhin mit antisemitischer Ausgrenzung, Marginalisierung und Kriminalisierung konfrontiert.

„Der allenthalben bemühte Topos von der „Stunde Null“ musste Jüdinnen und Juden, aber auch anderen im Nationalsozialismus verfolgten, entrechteten und ausgeplünderten Menschen angesichts der fortwährenden ideologischen und personellen Kontinuitätslinien als blanker Hohn erscheinen“, heißt es in der Ankündigung.

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So habe Norbert Wollheim, der im IG Farben-Lager Auschwitz-Monowitz hatte Zwangsarbeit leisten müssen und seit September 1945 als zweiter Vorsitzender des Zentralkomitees der befreiten Juden in der britischen Zone amtierte, im August 1945 in einem Brief den Wahrnehmungen vieler Überlebender der Shoa Ausdruck verliehen: „Wir sind gerettet, aber nicht befreit“.

Referent beleuchtet Situation der Überlebenden des Nazi-Terrors

Referent Michael Sturm schildert in seinem Vortrag, dass die Jüdinnen und Juden in Deutschland sowie auch andere Überlebende des nationalsozialistischen Terrors die Zumutungen der Gesellschaft nach 1945 keineswegs widerstandslos hingenommen hätten.

Kämpfe um Anerkennung und Selbstbehauptung wurden demnach auf unterschiedlichen Ebenen geführt und hätten sich den allgegenwärtigen gesellschaftlichen und institutionellen Antisemitismus gerichtet, der sich etwa in gesellschaftlicher Schuldabwehr, der weit verbreiteten Stilisierung von NS-Täter/innen zu „Opfern“ und nicht zuletzt der aggressiven Zurückweisung von Restitutions- und Entschädigungsforderungen gespiegelt hätte, heißt es in der Ankündigung der Veranstaltung weiter.

Orte und Schauplätze des Widerstands und des Protests gegen die postnationalsozialistischen Verhältnisse, seien beispielsweise jene Camps gewesen, in denen zahlreiche Überlebende der Shoah aus ganz Europa als so genannte „Displaced Persons“ lebten.

Der Referent ist Historiker in Münster. Er beschäftigt sich mit der Protestgeschichte der Bundesrepublik, der Geschichte der extremen Rechten, Erinnerungskulturen im lokalen, nationalen und transnationalen Kontext.

Die Veranstaltung im 1. Stock des Jugendzentrums beginnt um 19.30 Uhr, Einlass ist ab 19 Uhr. Der Eintritt ist wie immer kostenlos und offen für Menschen jeden Alters. Sollten sich kurzfristige Änderungen ergeben, werden diese auf der Facebook-Seite des Café Chaos‘ mitgeteilt: facebook.com/cafechaos.juwel

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