Werne. Gemeinsam mit Hubertus Waterhues und seinem Team von Bücher Beckmann empfiehlt unsere Autorin Anke Barbara Schwarze hier jeden Monat ein Buch, das sie besonders begeistert hat. Das kann ein Roman sein, ein Kinderbuch, ein Sachbuch oder ein Kochbuch: Hauptsache, es gefällt. Diesmal: „Das große Buch der Alpen“.
„Das große Buch der Alpen“ entfaltet wahrhaftig ein Panorama der mächtigen europäischen Gebirgskette. Auf mehr als 100 Seiten erheben sich Bergpanoramen und zwischendurch geht es hoch hinaus. Auf vier aufklappbaren Bögen, von der untersten Höhenstufe bis zum schneebedeckten Gipfel, zeigen sich Pflanzen und Tiere der Alpen. Auf den detaillierten Illustrationen entdeckt man stets etwas Neues, das in knappen Textblöcken erklärt wird.
Zunächst stellen sich die Alpen vor, als Zug von Bergriesen, der von Frankreich über die Schweiz, Italien, Liechtenstein und Deutschland bis Österreich und Slowenien reicht. Allerdings spielen diese Alpenländer in dem Bilderbuch nur eine untergeordnete Rolle. Tatsächlich geht es um die Berge an sich, als Naturraum ebenso wie als von Menschen geprägte Naturlandschaft. Wenn es um die Besiedlung geht, stammen die Beispiele für Pfahlbauten, Burgen und mittelalterliche Städte aus verschiedenen Regionen. Das gilt ebenso, wenn man im Buch „Zu Fuß unterwegs“ ist, wie für „Strassen, Brücken und Schienen“.
Die Alpen trennen einerseits, wie im Abschnitt zum Wetter anschaulich erklärt wird, aber sie verbinden auch durch ähnliche Lebensumstände. Das prägte den Kinderalltag auf den Bergbauernhöfen und die Berufsbilder wie Bergführerin und Seilbahntechniker. Erfreulicherweise traut das Autorenteam die „Jobs für starke Nerven“ Frauen und Männern gleichermaßen zu. Die Lawinensprengmeisterin steht neben dem Seilbahnführer, die Stauseetaucherin neben dem Bergretter. Ideengeber für das Buch im NordSüd Verlag war der Wirtschaftsgeograf Thomas Streifeneder. Die Texte stammen von Sachbuchautorin Barbara Piatti, die Bilder von der Kinderbuchillustratorin Elsa Klever.
Illustrationen und Text ergänzen sich wunderbar. Erstere wecken Aufmerksamkeit und Fragen, die in den Texten gleichermaßen plastisch erklärt werden. Lesende und Betrachtende können sich in Einzelheiten verlieren, etwa in den Zimmerfluchten eines alpinen Grand Hotels oder in den Fakten zur Eiszeit. Bei den Illustrationen der Berge besticht außerdem eine Oberflächenstruktur, bei der man die raue Oberfläche unter den Fingerspitzen zu spüren meint.
Rau ist auch die Wirklichkeit, die hinter idyllischen Alpenpanoramen steckt. „Die Zukunft der Alpen“ ist in Gefahr, daraus macht das Buch keinen Hehl. Verlassene Geisterdörfer auf der einen und verkehrsüberfüllte Orte mit Fun-Parks und Pistenrumme auf der anderen Seite bescheren trübe Aussichten. Und genau die waren die treibende Kraft hinter dem Buchprojekt. „Die Gletscher schmelzen so schnell, dass unsere Zahlen wohl schon kurz nach Erscheinen [des Buches] überholt sein werden“, stellt das Redaktionsteam auf den letzten Seiten fest. Ein Jahr zuvor ist das Bergdorf Blatten unter einem Bergsturz verschwunden. Der Klimawandel erhöht die Gefahr solcher Naturkatastrophen.
Da es um die Zukunft der Berge geht, richtet das Autorenteam am Ende seinen Aufruf zum Alpenschutz an unsere Zukunft, die Kinder. Doch auch Erwachsene sollten sich davon angesprochen fühlen – ebenso wie von diesem Buch, das ein Bilderbuch für die Kleinen wie ein illustrierter Bildband für die Großen ist.
Barbara Piatti, Thomas Streifeneder, Elsa Klever: Das große Buch der Alpen, NordSüd Verlag 2026, gebunden, 112 Seiten durchgehend farbig illustriert, 28 Euro, ab 7 Jahren





















