Werne. Wenn es – wie am Donnerstag, 8. Januar 2026, im Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz – mal wieder um die Nachpflanzungen von Bäumen im Innenstadtbereich ging, regt sich in dem Gremium immer wieder Kritik.
Kritik, weil es trotz aller Zusagen und Willensbekundungen nicht wirklich gelungen ist, ausreichend Ersatz für abgängige Bäume zu schaffen. Misst man den betreffenden Zeitraum in Baumalter, sind seither schon gut und gerne ein Dutzend Jahresringe zusammengekommen.
Dabei ist der Nutzen von Stadtgrün auf den Klimaschutz offensichtlich: „Der Ausbau städtischer grüner Strukturen wirkt sich sowohl auf die Klimaschutz- als auch auf die Klimaanpassungsziele in Werne positiv aus. Vor allem in dicht versiegelten Innenstädten können Bäume durch Verschattung sowie durch Verdunstungskälte einer sommerlichen Hitzebelastung entgegenwirken. Zudem binden sie aktiv Kohlendioxid und Luftschadstoffe wie Feinstaub. Mit den geplanten Nachpflanzungen wird die Maßnahme ‚Bäume in die Stadt‘ aus dem Klimaschutzkonzept der Stadt Werne maßgeblich verfolgt“, heißt es in der Sitzungsvorlage, in der die Nachpflanzung von 54 Bäumen im gerade begonnenen Jahr 2026 angestrebt wird.
„Hakt bei den Mitteln“ – KBW-Leiter rät zu Antrag an den Haushalt
Dr. Tobias Gehrke, Leiter des Kommunalbetrieb Werne (KBW), machte sich in der Sitzung ehrlich. „Das ist mein Tiefpunkt heute Abend“, räumte er ein und benannte den tatsächlichen Grund für die höchstens zögerlichen Nachpflanzungen von Bäumen: „Es hakt bei den Mitteln, es gibt kein eigenes Budget im Haushalt.“
So wurden Nachpflanzungen bislang immer aus dem Topf Straßensanierung bezahlt, vorausgesetzt, es blieb etwas übrig. Und das sei meistens nicht der Fall, weil die Stadt dafür sorgen müsse, bei der Straßenunterhaltung beispielsweise nicht in den Bereich der Haftung zu kommen, schilderte er.
Zwar habe man zweimal Erhöhungen für die Nachpflanzungen beschlossen, allerdings immer nur mit einem „Nicht-Budget“. Die Kosten für Baumpflanzungen sind in der Tat erheblich. Für Nachpflanzungen mit Standortverbesserungen werden pro Exemplar 4.100 Euro fällig, bei jene ohne 900 Euro.
„Sie haben das treffend beschrieben, wir brauchen ein Budget“, bestätigte Ferdinand Schulze Froning (CDU) und wies auf die angespannte Haushaltslage der Stadt hin. Wenn man ein Haus baue, kämen der Schmuck und die Bilder auch erst später, denn für Schmuck müsse man Geld haben.
„Bäume sind sehr wichtig“, fand auch Fraktionskollege Jürgen Regener. Bürgermeister und Kämmerer sollten ein Budget vorschlagen und anderes zurückstellen.
Adelheid Hauschopp-Francke, sachkundige Bürgerin der SPD, holte etwas länger aus. Es gehe nicht um zusätzliche Bäume, sondern um die, die in 10 bis 15 Jahren entfernt und nicht ersetzt worden seien. Klaus Schlüter, ehemaliger Grünen-Ratsherr, habe jahrelang „genervt“ und schließlich die Zahl von 160 abgängigen Bäumen ermittelt. So müsse man Abbitte leisten. Es gehe nicht darum, etwas aufzuhübschen. „Wir müssen zeitnah pflanzen in der hochverdichteten Innenstadt“. Jetzt sei die Chance da, das in Ordnung zu bringen, hieß es sinngemäß.
Eine Frage des politischen Willens
„Maximal enttäuscht“, zeigte sich Andreas Drohmann, Bündnis 90/ Die Grünen: „Wir brauchen ein ordentliches Budget.“ Sven Laube, sachkundiger Bürger der UWW, sah es ähnlich. „Es geht nicht um Schmuck oder Bilder, sondern um Verantwortung für Nachkommende.“ Ein Baum sei kein Schmuck, sondern lebensnotwendig, argumentiert Martina Hasse für die Linke. Für die Liberalen lenkte Artur Reichert den Blick ebenfalls auf die Finanzen. „Bäume kosten Geld, wir haben noch keinen beschlossenen Haushalt“, betonte er.
Dr. Gehrke wies auf die Schwierigkeiten des Themas hin. Bäume mussten somit aus sehr verschiedenen Gründen gefällt werden, etwa weil der Standort ungeeignet war oder Versorgungsleitungen und Bauten eine Nachpflanzung verhindern. Letztlich sei es eine Frage des politischen Willens, riet er zu einem Antrag in den Haushaltsberatungen. Darin sei beispielsweise festzuhalten, ob man einmalig oder jährlich eine Summe bereitstellen wolle. Dieses Frühjahr noch als Pflanzzeit nutzen zu können, sei aber unrealistisch.
„Ich finde das Eingeständnis und den Vorschlag gut“, kommentierte Hauschopp-Francke und bedankte sich für die ehrliche Einschätzung der Situation durch den KBW-Leiter.






















