Werne. Eine Frau, die Fäden spann und zusammenhielt: Das Bild drängt sich unweigerlich auf, wenn man mit Freundinnen, Kolleginnen und Weggefährtinnen von Renate Ostrop spricht. Wobei sich diese Bereiche nicht wirklich trennen lassen. Denn Renate Ostrop verstand es, Kollegen zu Freunden und Freunde zu Weggefährten zu machen. Das gilt für ihre Arbeit als Lehrerin an der Wiehagenschule ebenso wie für ihr Engagement in Vereinen und Gemeinden, vor allem für den Förderverein Jakobsweg Werne.
Geboren wurde Renate Ostrop am 29. Dezember 1939 in Sundern. „Die Verbundenheit mit Sundern war ihr immer sehr wichtig“, erinnert sich ihre langjährige Kollegin und Freundin Ingeborg Müller. Zu den Mitschülern ihrer Volksschulklasse blieb Ostrop stets in Verbindung. Darunter war der frühere Bundesminister Franz Müntefering, den sie einmal mit anderen Ehemaligen aus Sundern in Berlin besuchte. Als Lehrerin wirkte sie für kurze Zeit in Selm und für Jahrzehnte an der Wiehagenschule in Werne. In beiden Fällen hielt sie die Kontakte zu ehemaligen Arbeitskollegen. „Nach unserer Zeit an der Wiehagenschule haben wir uns regelmäßig in einer Runde getroffen“, erzählt Ingeborg Müller. Sie habe Renate Ostrop als Kollegin geschätzt, mit der man gut zusammenarbeiten konnte, die kooperativ war, offen für neue Ideen und einsprang, wenn es eng wurde. Unterm Strich eine aktive Frau.
Das spiegelt ihr jahrzehntelanges Engagement in Werne – für ihre Heimatgemeinde St. Johannes (später Pfarrverbund St. Nikolaus Groß), für Hilfstransporte nach Polen, für Boatpeople aus Vietnam, für die Vermittlung der Stadtgeschichte. Zusammen mit ihrem Mann Berthold erhielt sie dafür den Kulturpreis 2024 der Stadt Werne. 2012 übernahm Renate Ostrop nach dem plötzlichen Tod von Pater Suitbert Telgmann den Vorsitz im Förderverein Jakobsweg Werne. Telgmann hatte als Guardian des Kapuzinerklosters die Idee vorangetrieben, Werne ans Netz der europäischen Jakobswege anzuknüpfen. Nach seinem plötzlichen Tod nahm Renate Ostrop die Wahl zur neuen Vorsitzenden an. „Sie hat die Fäden von Pater Suitbert weiter gesponnen und das Pilgern in Werne emsig vorangetrieben“, sagt Marita Funhoff, die lange als Schriftführerin im Förderverein wirkte.

Renate Ostrop wusste um die Bedeutung des modernen Pilgerwesens für eine Stadt. „So kommen immer wieder Leute nach Werne und verweilen hier“, betonte sie, als zum zehnjährigen Jubiläum des Fördervereins eine Jakobusstatue in St. Christophorus eingeweiht wurde. „Renate hat viel dafür getan, um den Verein und die Idee des Pilgerns in Werne und der Umgebung bekannt zu machen“, erklärt Gabriele Kranemann. Sie übernahm 2022 den Vorsitz von Renate Ostrop – nachdem diese ihre Nachfolgerin sorgfältig eingearbeitet hatte. „Sie hat mich Leuten vorgestellt, mir Literaturtipps gegeben und mir viele praktische Tipps auf den Weg gegeben.“
Die beiden Frauen kannten sich noch aus den Zeiten, als Kranemann die Familienbildungsstätte in Werne leitete. Dort gab es regelmäßig Kochkurse für Grundschulkinder als Ergänzung zum Sachunterricht. „Renate Ostrop hat das sehr unterstützt und es immer wieder geschafft, auch Eltern zum Mitmachen zu begeistern“, erzählt Kranemann. Als Vorsitzende des Fördervereins habe Renate Ostrop sie auch mit ihrer Wertschätzung für andere beeindruckt. Zum Beispiel habe sie nach Mitgliederversammlungen zu einem kleinen Imbiss eingeladen. „Als Dank für die vielen Dinge, die im Hintergrund erledigt werden.“
Ihre Stimme brachte Renate Ostrop auch im Chor der Singing Ladies ein, wo sie den Alt unterstützte. „Sie kam aus einer sehr sangesfrohen Familie und hat uns erzählt, was für eine große Rolle das gemeinsame Singen bei Familienfeiern spielte“, erinnert sich die Chorleiterin Dagmar Wensing. Ostrop sei, so sagt Ingeborg Müller, der absolute Mittelpunkt ihrer Familie gewesen. „Sie wusste, dass es ein Reichtum war, eine Familie mit Schulterschluss zu haben.“ Für die Singing Ladies wollte Renate Ostrop kurz vor ihrem Tod noch eine Busreise in die Heimat ihrer Familie organisieren, zum Kloster Brunnen bei Sundern. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Stattdessen werden die Singing Ladies auf der Beerdigung von Renate Ostrop am heutigen Freitag singen. „Das hat sich Renate von uns gewünscht“, sagt Wensing.
Ihre Beerdigung hat die Verstorbene so aktiv geplant wie alles in ihrem Leben. „Für sie war das Leben ein Pilgerweg: Man muss den Weg gestalten und Menschen mitnehmen“, sagt Gabriele Kranemann. Und Renate Ostrop plante mit Zuversicht, auch als sie wusste, dass ihr Lebensfaden reißen würde.





















