Von Constanze Rauert
Werne. Kreative Ideen, professionelle Vorbereitung, ausverkauftes Haus. Sie können es einfach – die Frauen vom Orgateam Internationaler Frauentag. Aktueller Beleg: Der Frauen-Frühschoppen am 8. März im Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum. Der Andrang war groß, die Stimmung locker und der Programmmix zum Thema „Mut zur Wut“ mit Bedacht gewählt.
Super Sound und Musik auch zum Mitsingen steuerte der ausgesprochen gut aufgelegte Frauenchor Good Vibes aus Selm bei. Theater zum Weglachen mit gewohnt bissigem Witz kam einmal mehr von der Theatergruppe Kaktusblüten.
Von Männern künstlich klein gehalten
Zum wütend werden waren und sind dagegen die Fakten, die Marga Winkelmann über die strukturell zementierte, politisch gewollte und pädagogisch tradierte Ungleichheit zwischen Frauen und Männern präsentierte.
Frauen sind zwar die Hälfte der Welt. Ihre Löhne, ihr Vermögen und ihre Renten sind aber deutlich niedriger. Dafür werden sie mehr zur Kasse gebeten – beim Friseur, in der Drogerie, bei der Bekleidung oder bei Versicherungen. Und dass die Medizin den männlichen Körper für das Maß der Dinge hält, hat für Frauen nachweisbar gesundheitliche Folgen. Egal: Sie müssen sich trotzdem meistens um die Kinder, die Eltern, die Pflegebedürftigen – und natürlich um den Haushalt kümmern.

Ein Poetry Slam macht atemlos
Atemlose Stille dann bei Kara Ehlerts Auftritt. Ihr Slam zum Weltfrauentag kreist um persönliche Erfahrungen, in denen Wut lange runtergeschluckt, kleingeredet oder belächelt wurde. Die Frauen im Publikum fühlten sich „gesehen“ mit ihrem Frust, ihrer eigenen Wut.
Und die ist insgesamt betrachtet viel zu oft viel zu still – auch weil Männer weltweit dann doch gleich ticken: Sie watschen weibliche Wut als unschicklich, hysterisch, herum zicken… ab. Da hilft nur eins: „weiblich-wütend-laut“ sein, so auch der Untertitel des Frauentags 2026.
Wütende Frauen zur Nachahmung empfohlen
Facetten zum Leitthema „Mut zur Wut“ beleuchtete die ausgebildete Sprecherin Aloisia Kreienbaum bereits am Freitag bei ihrer Lesung „Über die Wut der Frauen“. Da war viel zum Heulen, Manches zum Hoffen und tatsächlich fehlte es auch nicht an Witz. „Ich bin das Kind einer wütenden Frau,“ so Frau TV-Moderatorin Lisa Ortgies in einem Buch. „Meine Mutter war raumgreifend, explosiv und ich war beeindruckt.“
Nichts ist mehr wie zuvor
Die Auslöser für weibliche Wut sind ebenso unterschiedlich wie der sprachliche Umgang damit. Daran ließen die Texte wütender Werner Frauen am Samstag beim Rundgang „Frauen gehn“ und der anschließenden Gesprächsrunde keinen Zweifel.
Moderatorin Leonie Schulte führte sensibel durch dieses erstmals ausprobierte Format. Manches sorgte für Tränen, vieles war bekannt und eins war gewiss: Nach Rundgang und Austausch war keine Frau mehr so mutlos wie zuvor.
Kinoabend „Kleine schmutzige Briefe“
Wie sich Wut unverhofft Bahn bricht, ist Thema beim Filmabend zum Frauentag. Das Capitol-Cinema-Center zeigt am Mittwoch, 11. März um 19 Uhr die Komödie „Kleine Schmutzige Briefe“. Eine Platzreservierung empfiehlt sich.
Selbstbehauptung üben
Offiziell endet die Veranstaltungsreihe zum Frauentag am Samstag, 14. März mit dem zweiten Selbstbehauptungskurs, diesmal für Mütter und Töchter (ab 14 Jahren). Angeboten wird der Kurs von der Kreispolizeibehörde Unna. Treffpunkt von 10 bis 14 Uhr ist die Volkshochschule, Bahnhofstraße 8 (Seminarraum 1). Teilnahme kostenfrei, Anmeldungen notwendig unter www.vhs-werne.de.






















