Werne. Niemand in Werne verbindet mit den Namen der Frauen, Männer und Kindern, die auf dem kleinen Friedhof am Südring ruhen, eine Geschichte oder Erinnerung. Diese Menschen starben hier in der Fremde, wo sie von den Nationalsozialisten zur Zwangsarbeit eingesetzt worden waren.
Am Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus, dem 27. Januar, gaben Schülerinnen der WEREmember-AG des Anne-Frank-Gymnasiums einigen der Verstorbenen einen Teil ihrer Biografie und damit ihrer Würde zurück.
Es waren oft nur Bruchstücke, die sich über die Toten finden ließen, von den Jugendlichen in knappen Worten eindrucksvoll vorgetragen. Ein neun Jahre alter Junge, gestorben an einer Blutvergiftung. Ein17-Jähriger, der an Tuberkulose und Entkräftigung starb, nachdem er auf der Zeche Werne als Schlepper arbeiten musste. Ein Neugeborenes, das nur einen Tag „unter grässlichen Umständen“ leben durfte: Die Zuhörenden konnten sich so einiges von dem, was nicht zur Sprache kam, ausmalen. Und es waren viele Menschen, die an diesem kalten Januartag zu der Gedenkstätte Zwangsarbeit Werne gekommen waren und in der Dämmerung auf die kleinen Flammen der Grablichter schauten, die die Schülerinnen auf die Gräber gestellt hatten.

„Dass dieser Ort, an dem wir hier sind, so aussieht und heute so lebendig gefüllt wird, ist den Schülerinnen und Schülern des Anne-Frank-Gymnasiums zu verdanken, die diese Gedenkstätte seit 2021 wesentlich mitgeprägt haben“, sagte Bürgermeister Lars Hübchen neben der Lichtstele, die als Spende des Anne-Frank-Gymnasiums daran erinnert, das hinter jedem Grab ein Mensch mit individuellem Gesicht und eigener Lebensgeschichte steht.

„Der Ort wurde lange kaum wahrgenommen“, fuhr Hübchen fort. Er war da, wurde aber oft übersehen. Schon vor vielen Jahren haben sich Menschen aus Werne bemüht, diesem Ort mehr Würde zu geben. Eine offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt fand erst in der Amtszeit von Bürgermeister Rainer Tappe statt. „Heute ist dieser Ort Teil der städtischen Erinnerungskultur, auch dank des Engagements junger Menschen.“






















