Werne (RGW) „Ein Stoma ist die Alternative zum Friedhof.“ – Mit diesem Satz bündelte am Freitag (27.03.2026) Martina Richter ihre Erfahrungsberichte als Betroffene mit einem künstlichen Darmausgang, dem Stoma.
Zusammen mit den Darmkrebschirurgen Dr. Gerhard Leder und Dr. Alexander Janzen, beide vom Darmkrebszentrum in Unna, sprachen und diskutierten die drei Referenten beim monatlichen Treff des Vereins „Rollstuhlgerecht in Stadt Werne“ (RGW) über den Themenkreis „Krebs und Stoma“.
Vor rund einem Dutzend Besucher galt der Appell der Nutzung der Vorsorgeuntersuchungen. Jährlich erkranken bundesweit ungefähr 40.000 Frauen und Männer an Darmkrebs. Rund 16.000 Menschen sterben im gleichen Zeitraum an den Folgen dieser Erkrankung. Diese Zahlen nannte Gerhard Leder. Von den neu erkrankten Krebsopfern lebt nach fünf Jahren rund die Hälfte, 52 Prozent bei Männern, 54 Prozent bei Frauen noch. Nach zehn Jahren sind 36 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen noch am Leben.

Für den Krebsarzt sind diese Zahlen Grund genug, zur Teilnahme an der Vorsorgeuntersuchung aufzurufen. Leder: „Wer sich weigert weil ihm das flüssige Mittel zur Darmsäuberung vor der Vorsorgeuntersuchung nicht schmeckt, sollte daran denken, dass es durch OP und die Chemotherapie noch viel unangenehmere Folgen zu bewältigen gilt.“
Der Oberarzt erläuterte anhand von Grafiken, wie Darmkrebs entsteht und sich weiter entwickelt, wenn die Zellwucherungen nicht rechtzeitig erkannt und während der Vorsorgeuntersuchung entfernt werden. Sobald das Geschwür so weit angewachsen sei, dass es die Darmhaut durchstößt und die Blutbahn erreiche, kann sich der Krebsherd auf andere Organe ausweiten.
Je nach Art und Lage des Karzinoms kann, so Lederer, ein künstlicher Darmausgang, das Stoma, notwendig werden. Im Darmkrebszentrum werden im Jahr rund 100 solcher Operationen notwendig. Das Stoma wird aber nicht nur bei Krebspatienten notwendig. Davon berichtete Martina Richter. Sie ist Landesvorsitzende des Betroffenenverbandes „ilco“. Richter bekam das Stoma, weil eine chronische Darmentzündung die Entfernung des gesamten Dickdarms notwendig machte: „Ich habe gelernt, damit zu leben und gehe selbst im Urlaub ins salzige Meerwasser schwimmen.“ Möglich machen das die modernen Stoma-Verbandsmittel, mit denen der künstliche Ausgang hermetisch abgeschottet werden kann. Genauso wichtig ist für Martina Richter der familiäre Rückhalt. Die mehrfache Mutter ist seit über 30 Jahren verheiratet und wird von ihrem Ehemann betreut.
Schwer werde es für Patienten, die bei der Anlegung der „Platte“ keine familiäre oder freundschaftliche Hilfe zur Hand haben. In diese selbstklebende „Platte“ muss die vorhandene Öffnung auf die Größe des individuellen Stomas zurecht geschnitten werden. Wer nach der Operation keinen Schwerbehindertenausweis vorweisen kann, muss die Hilfe durch einen Pflegedienst selbst bezahlen. Auch in diesem Punkt kann die Landesvorsitzende beruhigen: „Wir haben eine blinde Frau unter unseren Mitgliedern, die mit der Anpassung der Platte völlig selbstständig zurechtkommt.“
Besonders spannend wurde die Veranstaltung, als die beiden Chirurgen die Stoma-Operation an Hand einer Kunststoffplatte und eines biegsamen Schlauchs unter reger Mithilfe der Besucher demonstrierten.






















