Neuer Standort tut Kanzel gut: Museumsleiter erklärt Konzept des neuen Foyers

Anzeige

Werne. Die Kanzel ist weg. Das ist der erste Eindruck, den Besucher gewinnen, die das neue Foyer des Stadtmuseums betreten. Tatsächlich ist die Kanzel aber noch da. Sie steht nur einen Raum weiter, genauer gesagt im modernen Anbau, wo die Geschichte von St. Christophorus erzählt wird.

„In diesen kirchenhistorischen Bereich der Dauerausstellung haben wir die Kanzel inhaltlich neu integriert“, erklärt Museumsleiter Flemming Feß. Auch optisch kommt das einstige Prunkstück der neogotischen Ausstattung von St. Christophorus hier neu zur Geltung.

- Advertisement -

Diese Ausstattung wurde Mitte der 1990er-Jahre weitgehend ausgebaut, als der Innenraum der Kirche renoviert und umgestaltet wurde. Bei Ausschachtungsarbeiten legten Arbeiter zufällig ein Priestergrab frei, in dem sich ein Sensationsfund befand: ein Messgewand aus dem späten Mittelalter. Eine Auseinandersetzung mit dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe über die Aufbewahrung des Fundstücks konnte Werne für sich entscheiden: 2003 kam die aufwendig restauriere Kasel in einen eigens für sie errichten Erweiterungsbau.

Dieser wurde im angrenzenden Wärmehäuschen eingerichtet. Ein Zwischentrakt aus Sandstein verbindet seitdem die beiden Museumsbereiche. Damit erhielt das Stadtmuseum auch seinen neuen Eingang gegenüber der Christophorus-Kirche.

Museumsleiter Fleming Feß freut sich über die positive Resonanz auf das neue Konzept.

Frischer Blick auf sakrales Rednerpult

Im Eingangsbereich wurde 2003 auch die mehr als 100 Jahre alte Kirchenkanzel installiert, nachdem sie ebenfalls durch den LWL restauriert worden war. Mit der Zeit veränderte sich allerdings der Blick der Museumsbesucher auf das Kirchenstück. „Sie wirke bedrohlich, wuchtig, nicht einladend: Das bekamen wir häufiger zu hören“, berichtet Feß. Als erhöhter Standort, von dem herab Geistliche einst ihre Predigten hielten, sollte sie jedoch gar nicht einladend wirken. „Aber was in eine Kirche passt, ist nicht unbedingt sinnvoll in einem Foyer“, erklärt Feß. Auch aus konservatorischen Gründen stand die Kanzel dort nicht gut. Der Holzkörper sowie die Farben und das Blattgold der Tafelgemälde vertrugen sich schlecht mit Sonnenlicht und wechselnden Temperaturen, bedingt durch das Öffnen und Schließen des Museumseingangs. Der liegt gegenüber der Tür zum Museumshof. So stand die Kanzel außerdem oft im Durchzug.

Jetzt befindet sie sich in einem klimatisierten Raum mit konstanter Beleuchtung. Unter den neuen Lichtverhältnissen leben die vier Tafelgemälden mit Szenen aus dem Leben Christi neu auf. Mit einem Mal wird die Kanzel als Ausstellungsobjekt wahrgenommen und nicht mehr als Möbel im Eingangsbereich. Auch Details wie die geschnitzten Engelfiguren zwischen den Gemälden fallen nun stärker ins Auge. Nur der alte Treppenaufgang zur Kanzel konnte aus Platzgründen nicht mit umziehen. Seit das sakrale Rednerpult isoliert steht, tritt andererseits ein Aspekt deutlicher hervor: Seine Form ähnelt einem Kelch. Kanzeln, die auf diese Weise gestaltet wurden, verbinden das gepredigte Wort Gottes mit dem Sakrament der Eucharistie, das durch den Kelch symbolisiert wird.

Bei einer Tasse Kaffee im Foyer des Stadtmuseums verweilen: Museumsleiter Flemming Feß zeigt, wie es geht. Foto: Schwarze

„Ort des Willkommens“

Der Ortswechsel der Kanzel ist Teil einer Umgestaltung des Eingangsbereichs und die wiederum gehört zum Konzept von Museumsleiter Flemming Feß. „Ich möchte das Museum weiterentwickeln, entsprechend den Sehgewohnheiten möglicher Besucher“, erklärt er. Das betrifft die Gestaltung der Ausstellung ebenso wie die der Räumlichkeiten. Anstelle der Kanzel befindet sich nun eine Sitzgruppe, bestehend aus vier türkisfarbenen Polsterstühlen und einem Tisch. Vor einer der hohen Fensterscheiben zum Kirchplatz hin stehen außerdem zwei ähnlich gepolsterte Barhocker vor einem schmalen Holztresen. Wer hier Platz nimmt, genießt einen Ausblick auf die Kirche und das Treiben ringsum. „Das Museum soll als lebendiger Ort wahrgenommen werden“, erklärt Feß. „Und dazu gehört eine hohe Aufenthaltsqualität.“

Daher müsse der Eingangsbereich ein „Ort des Willkommens“ sein. Schließlich sei dieser Raum die erste Anlaufstelle für Museumsbesucher. Damit Menschen sich hier gern aufhalten, ließ Feß zusätzlich zu den Sitzgruppen einen Kaffeeautomaten installieren. Außerdem soll der Shop-Bereich ausgebaut werden. Der Museumsleiter überlegt, Bücher zur Stadtgeschichte auszulegen, zusätzlich zu den bereits vorhandenen Info-Broschüren.

Hinsetzen, schauen, lesen: Das Konzept geht auf. „Seit wir das Foyer umgebaut haben, merken wir, dass die Leute länger hierbleiben“, erzählt Feß. Außerdem erhalten sie bereits beim Betreten des Museums einen Überblick über die Stadtgeschichte. Wer zur Tür hereinkommt, sieht links im Mittelalterraum den Merian-Stich mit einer Ansicht Wernes aus dem 17. Jahrhundert. Und rechts schaut er über dem Kassenbereich auf eine moderne Luftaufnahme der Stadt. Deutlich ist darauf zu erkennen, dass sich Werne um die St. Christophorus-Kirche gruppiert. Der Weg zur Kirchengeschichte führt an der Kanzel vorbei.

Anzeige

Weitere Artikel von Werne Plus

Nächtliche Sperrung von Verbindungen im Kreuz Dortmund/Unna

Unna. Die Autobahn Westfalen saniert im Autobahnkreuz Dortmund/Unna Teile der Fahrbahn. Dafür müssen einzelne Verbindungen nachts gesperrt werden. Betroffen sind die Verbindungen von der A44...

Mit Heavy Soul begeistern Principles Of Joy das Publikum im flözK

Werne. Einen rundum gelungenen Konzertabend erlebten knapp 200 Besucherinnen und Besucher am vergangenen Samstag (30.05.2026) auf der Open-Air-Bühne des flözK Werne. Zu Gast war...

Trotz Brückentag und Hafenfest – Flohmarkt in Werne ausverkauft

Werne. Der beliebte Familienflohmarkt am kommenden Samstag, 6. Juni, ist ausverkauft. Trotz des Brückentages Fronleichnam und des Hafenfestes in Rünthe sind alle Plätze weg,...

Salinenschwimmfest sorgt für Einschränkungen im Solebad

Werne. Am Samstag und Sonntag, 6. Juni/7. Juni, wird das Solebad Werne erneut zum Zentrum des regionalen Schwimmsports. Anlass ist das traditionsreiche Salinenschwimmfest. Die...