Neuer VKU-Fahrplan: Stockumer fürchtet um Job

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Stockum/Werne. Die geplanten Änderungen im Busnetz der VKU werden von Bürgerinnen und Bürgern aus Werne in sozialen Netzwerken kritisiert. Das beschäftigte den Ausschuss für Ausschuss für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz am vergangenen Mittwoch. Auch unsere Redaktion erreichten Beschwerden.

Mit einem neuen Nahverkehrsplan stellt die VKU ihr Liniennetz zum 25. Mai grundlegend um. Mit den neuen Schnellbuslinien kommen Fahrgäste zügiger von Lünen über Werne nach Hamm oder von Werne via Bergkamen und Kamen nach Unna. Das geht zu Lasten von Haltestellen.

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Auf der Strecke zwischen Lünen-Wethmar und Werne-Freistuhl werden elf der bisherigen Haltestellen nicht mehr angefahren. Das betrifft besonders Langern und Lenklar. Hier entfallen alle Haltestellen der Linie. „Wir hängen da einen ganzen Ortsteil ab“, bemerkte der SPD-Fraktionsvorsitzende Ulrich Höltmann im Umweltausschuss. CDU-Ratsmitglied Egbert Ortmann sagte, er sei bereits von Bürgern aus Langern angesprochen worden. „Dabei sind die Haltestellen auf dieser Strecke vor einigen Jahren noch aufwendig renoviert worden.“

Probleme für Menschen mit Rollstuhl und Rollator

Dominic Renner ist auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen. Er hat zwei schwerbehinderte Kinder, aber keinen Führerschein. „Ich komme aus Dortmund, da gibt es natürlich ein dichtes Angebot an Bussen und Bahnen.“ Mit seinen Kindern müsse er regelmäßig zur Therapie nach Lünen fahren. Bisher habe er dafür die Haltestelle Berliner Straße genutzt. Dort gibt es eine Haltebucht. Nun muss er die Bushaltestelle Freistuhl nehmen. „Da stehe ich dann mit einem Behindertenkinderwagen etwa 50 Zentimeter neben der viel befahrenen Bundesstraße 54.“

Wenig einladend: Die Haltestelle Freistuhl liegt direkt an der B54. Betroffene kritisieren dort unter anderem die Situation für Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen. Foto: Schwarze

Zudem führe der direkte Weg vom Penny- oder vom Getränkemarkt dorthin über den Seitenstreifen der Bundesstraße. „Da hat sich jemand an den neuen Fahrplan gemacht, der noch nie einen Bus von innen gesehen hat“, ärgert sich Renner im Gespräch mit WERNEplus.

Der Einstieg in die Busse sei mit Hilfsgeräten oder Kinderwagen ebenfalls problematisch. Da ein Bordstein fehle, können die Busse nicht richtig abgesenkt werden. „Für manche Nachbarn, die auf einen Rollator angewiesen sind, ist der Weg zur nächsten Haltestelle ohnehin oft schwierig“, sagt er. Nun müssen diese Nachbarn deutlich längere Wege zu einer Haltestelle in Kauf nehmen.

Was Dominic Renner nicht versteht: „Am Streckenverlauf wird ja nichts geändert, der Bus hält einfach nur weniger oft.“ Dabei wäre der Zeitverlust bei vereinzelten Stopps ja nicht so groß. Obwohl die neue X-Linie zwischen Wethmar und Freistuhl kein einziges Mal halte, komme sie nur
eine Minute früher an, rechnet er vor.

Nicht alle Pendler profitieren

Andreas Lawrenz befürchtet, mit Umstellung auf den neuen Fahrplan sogar seinen Job zu
verlieren. Er arbeitet im Hafen von Hamm. Arbeitsbeginn ist um 6 Uhr. Um pünktlich dort zu sein,
fährt er um 4.52 Uhr mit der Buslinie R14 ab der Haltestelle Stockum-La Taverna. Doch selbst
wenn das die neue – und einzige – Haltestelle Stockum-Mitte werden sollte, hilft ihm das nicht.
Denn im neuen Fahrplan übernimmt künftig die Linie 215 die Verbindung zwischen Werne und
Hamm, fährt jetzt aber später ab Stockum. „Dann, wenn ich in Hamm schon fast bei der Arbeit
sein muss“, erklärt Lawrenz.

Er habe bereits mit seinem Chef über einen späteren Arbeitsbeginn gesprochen. Die Antwort
lautete: „Wenn ich es nicht bis 6 Uhr schaffe, muss ich gehen.“ Dabei sei es mit dem alten
Fahrplan gut für ihn gelaufen. So gut, dass er und seine Frau sich vom Zweitauto trennten und
Lawrenz sich ein Deutschlandticket zulegte. „Davon habe ich jetzt nichts und das andere Auto
braucht meine Frau.“ Sein Problem habe er bereits der Stadtverwaltung in Werne geschildert. Dort
musste man ihn an die VKU verweisen. „Von denen habe ich nur eine Standardmail erhalten, dass
mit dem neuen Fahrplan alles besser wird.“ Für ihn nicht. „Und auch nicht für die drei bis fünf
Leute, die da jeden Morgen so früh mit mir eingestiegen sind.“

Kritik auch seitens Politik und Verwaltung

Ob die Stadt noch Einfluss auf den neuen Nahverkehrsplan nehmen könne, wollte die FDP-
Fraktionsvorsitzende Claudia Lange im Umweltausschuss wissen. Dr. Tobias Gehrke, Leiter des
Kommunalbetriebs Werne, verwies auf eine Stellungnahme, die die Stadt bereits im Oktober 2024
zur Neuplanung abgegeben hatte. „Bereits damals haben wir angeregt, gerade die Haltestellen in
Langern und Lenklar stärker zu berücksichtigen“, sagte Gehrke. Die VKU bewerte vor allem
Zustiegszahlen. „Bei diesem Kriterium sind wir als Stadt mit großem ländlichen Bereich leider
benachteiligt.“ Das betreffe vor allem Jüngere, Ältere sowie Menschen mit Behinderungen und
gesundheitlichen Einschränkungen.

Auch andere in der Stellungnahme geäußerte Kritikpunkte seien nicht berücksichtigt worden. „Wir
werden das Thema nochmal zur Sprache bringen“, sagte Gehrke. Er gebe sich allerdings nicht der
Hoffnung hin, dass die VKU das noch drehen werde. Es sei immerhin möglich, dass die
Verkehrsbetriebe zusätzliche Nahverkehrsangebote zur Verfügung stellen. An den Kosten muss
sich die Kommune dann beteiligen. Eine Alternative wäre, Kleinbusse auf Abruf bereitzustellen.
Die Zustiegszahlen an den wegfallenden Haltestellen seien ja tatsächlich gering. „Und das
Stadtgebiet von Werne ist nicht groß“, fügte Gehrke hinzu. „Da kommt man innerhalb von 20
Minuten von einer Seite zur anderen.“ Die Stadtverwaltung sei aktuell an der Sache dran.

Die WERNEplus-Redaktion hat die VKU am vergangenen Mittwoch (13.05.2026) zu Kritikpunkten und Auswirkungen der Fahrplanänderungen angefragt. Eine Stellungnahme lag bis zur Veröffentlichung dieses Artikels nicht vor.

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