Werne. Trotz Haushaltssperre wird die Stadt Werne den Trägeranteil für die evangelische Kita Jona in Stockum vollständig übernehmen. Das beschloss der Jugendhilfeausschuss einstimmig in seiner Sitzung am Dienstag (29. September 2026). Die Finanzierung beginnt mit dem Kindergartenjahr 2025/2026.
Hintergrund ist die angespannte finanzielle Lage des Trägers. Die zweigruppige Einrichtung in Stockum wird vom Evangelischen Kirchenkreis Hamm betrieben. Der Kirchenkreis hatte bereits 2024 eine höhere Beteiligung der Stadt für seine drei Kitas in Werne beantragt. Damals ging es um eine strukturelle, sprich: fortlaufende, Förderung von insgesamt etwa 140.000 Euro jährlich. In Gesprächen mit dem Jugendamt habe der Kirchenkreis seine finanzielle Situation offen gelegt. „Der Träger konnte klar nachweisen, dass für das Jahr 2024 mit einem Defizit in Höhe von 420.000 Euro im Kita-Bereich zu rechnen sei“, sagte Jugendamtsleiter Maik Rolefs. Als Gründe für die Schieflage nannte er steigende Kirchenaustritte und steigende Tariflöhne.
Nach dem Kinderbildungsgesetz NRW (KiBiz) müssen die Träger von Kindertageseinrichtungen einen Eigenanteil an den Kosten tragen. Bei Kirchen und Religionsgemeinschaften des öffentlichen Rechts liegt dieser Anteil bei rund zehn Prozent. Die Stadt übernahm für die Kita Jona bislang 25 Prozent dieses Trägeranteils sowie die vollständige Erbpacht. Für die beiden anderen Werner Kitas des Kirchenkreises in Werne zahlt die Stadt im Fall der Arche Noah 25 Prozent des Trägeranteils sowie 50 Prozent der Erbpacht, im Fall der Kita Unter dem Regenbogen 25 Prozent des Trägeranteils für drei Gruppen sowie 100 Prozent für die vierte Gruppe.
Nach mehreren Gesprächen mit dem Kirchenkreis machte die Verwaltung das Angebot, den Trägeranteil für die Kita Jona vollständig zu übernehmen. Und das, obwohl sich zweigruppige Einrichtungen nicht mehr wirtschaftlich betreiben ließen, wie Rolefs ausführte. „Für uns erfüllt die Kita eine wichtige Funktion in Stockum.“ Auf Nachfragen seitens der Politik verwies er auf Neubauprojekte und prognostizierte Geburtenraten. „Die Zahlen, die uns vorliegen, sagen, dass wir diese beiden Gruppen neben den fünf Gruppen in der Kita St. Sophia benötigen werden.“ Ohne eine Kostenübernahme seitens der Stadt drohe die Schließung der Kita Jona. In einer anderen Kommune im Kirchenkreis sei der Träger bereits so verfahren.
Mit dem Zuschuss für die Kita Jona bleibt die Verwaltung unter der ursprünglich vom Kirchenkreis beantragten Forderung. Denn für die Kitas Unter dem Regenbogen und Arche Noah bleiben die bisherigen Förderregelungen bestehen. Wenn die Zuschüsse ab dem Kindergartenjahr 2025/2026 gezahlt werden, beträgt der zusätzliche Aufwand 38.854,69 Euro, für das laufende Kindergartenjahr 2026/2027 sind 39.644,15 Euro vorgesehen. Auf Haushaltsjahre gerechnet heißt das: 16.189,46 Euro entfallen für 2025, 39.183,64 Euro für 2026 und 23.125,76 Euro für 2027.
Dagny Dammermann (FDP) fragte, ob unbedingt rückwirkend für 2025 gezahlt werden müsse. Dezernent Frank Gründken bejahte. „Der Antrag des Kirchenkreises bezog sich ja schon auf den 1. August 2024, im fairen Umgang miteinander konnten wir davon nicht noch weiter abweichen.“ Jürgen Regener (CDU) konstatierte, dass mit diesem Verfahren ein Haushalt, der kein Geld habe, sein Defizit in einen anderen, der ebenfalls kein Geld habe, verschiebe. „Können wir das trotz Haushaltssperre leisten?“ Gründken und Rolefs verwiesen darauf, dass der Antrag bereits seit 2024 vorliege und die finanziellen Auswirkungen aktuell mit der Kämmerei abgestimmt worden seien.
Da das laufende Budget des kommunalen Haushalts für den erhöhten Sonderzuschuss nicht ausreicht, ist eine überplanmäßige Ausgabe erforderlich. Die Deckung soll über Zinsaufwendungen erfolgen; eine gesonderte Vorlage für den Haupt- und Finanzausschuss ist für den 13. Oktober 2026 vorgesehen.




















