Werne. Zu Beginn des Mai-Marktes wandert der ein oder andere besorgte Blick gen Himmel. Dunkle Wolken haben sich über Wernes Innenstadt zusammengezogen. Hier und da spannen besorgte Gemüter ihre Schirme auf. Doch es fallen nur ein paar Tropfen. Dann klart der Himmel entgegen aller Befürchtungen und Wetterprognosen auf.
Immer mehr Menschen strömen in die Steinstraße, auf den Markt- und den Kirchplatz. Gegen Mittag ist es am Samstag (16. Mai 2026) gemütlich voll. Leute stehen zusammen, kommen ins Gespräch. „Die Stadt wird als lebendig wahrgenommen, und das ist gut“, sagt Hubertus Waterhues vom Verein „Wir-für-Werne“.
Die Besucherinnen und Besucher des Mai-Marktes – so der neue Name für den traditionellen Blumen- und Spargelmarkt – schlendern entlang einer bunten Vielfalt von Ständen. Die Stimmung ist entspannt. An einem Gewürzstand sucht eine Frau Wacholderbeeren. Der Händler bietet 50 oder 100 Gramm an. „Ich brauche nur 30 Gramm“, sagt die Kundin etwas zögernd. „Kein Problem, bekommen Sie“, lautet die Antwort.

Auf dem Kirchplatz erklärt ein anderer Händler interessierten Frauen seine verschiedenen Sorten an Speiseölen. Gegenüber warten Emmilie Becker und ihr Partner hinter ihren Honigprodukten noch auf Kundschaft. „Aber die wird kommen, gerade, wenn jetzt die Sonne rauskommt“, sagt die junge Frau zuversichtlich. Ihre Eltern und sie fahren schon seit Jahren aus Winterberg nach Werne und kennen ihre Abnehmer. Neben gängigen Honigsorten bieten sie Honige mit verschiedenen Gewürzen an, ebenso wie Whiskey, der mit Honig aus der Winterberger Imkerei aromatisiert wurde.

Unikate aus Restposten
Auf dem Weg zum Markt kommen die Besucher am Stand von Marinus Heer vorbei. Seine Holzprodukte wecken sofort Aufmerksamkeit. Etwa kleine Beistelltischchen in unterschiedlicher Höhe. Die Tischplatte besteht aus glänzenden Holzscheiben, die wie frisch vom Baum gesägt wirken. Sind sie aber nicht. Es handelt sich um Restposten von Eibenholz. „Das darf inzwischen nicht mehr verkauft werden“, erklärt Heer und lädt dazu ein, mit der Hand über die Tischplatte zu streichen. Maserung und sogar dunkle Altersflecken sind gut zu erkennen. Genau das ist das Prinzip der nachhaltigen Produktion des jungen Unternehmers. Aus Bestandteilen alter Werkbänke fertigt er neue Tische, Deko-Objekte und Stiftschalen, aus Abfallholz geometrische Formen, die die Wand schmücken und gleichzeitig als Garderobe dienen. Jedes Stück ist ein Unikat. Preise stehen nicht an seinen Artikeln. Eine dreistellige Summe für Eibentische aus antikem Holz braucht eine Erläuterung. „Wenn ich die Tische nicht auszeichne, fragen die Leute nach und wir kommen ins Gespräch“, sagt Marinus Heer.

Mit Liebe gefertigt
Handgemachte Holzarbeiten hat auch Detlef Spengler aus Werne auf den Marktplatz mitgebracht. „Ich habe mit dem Drechseln angefangen, als ich in Rente gegangen bin. Sonst wäre es mir zu langweilig geworden.“ Er nimmt eine schlichte Holzschale in die Hand. „Das sind alles Einzelstücke, die ich mit Herzblut gemacht habe.“ Er dreht die Schale um und erklärt, wie er sie in mehreren Schritten mithilfe seiner Drechselmaschine aus einer Baumscheibe geschaffen hat. An anderen Ständen wecken Schmuckstücke, Tücher oder Kindersachen die Aufmerksamkeit der Passanten. „Es könnte allerdings mehr Kunsthandwerk dabei sein“, sagt eine Frau. Ihr ist das Angebot an Imbissbuden zu groß.

Auch Initiativen und Vereine wie die BIN Werne oder die Solidarische Landwirtschaft (SoLaWi) präsentieren sich auf dem Mai-Markt. „Das Interesse ist noch etwas verhalten“, sagt Laurin Liekenbrock von der SoLaWi. Immerhin: Die Leute würden gern die Probierhäppchen kosten. „Das ist auch schon etwas, dann können sie mit allen Sinnen erfahren, worum es uns geht.“ Unter anderem nämlich um ökologischen Gemüseanbau, um solidarische Finanzierung und um das Bewahren seltener Sorten.
Ein paar Meter weiter stehen die Menschen Schlange vor dem Spargelstand der Familie Bleckmann, andere begutachten ein farbenfrohes Blumensortiment. Auch wenn der Markt inzwischen anders heißt: Blumen und Spargel gehören nach wie vor selbstverständlich dazu.































