Werne. Erstmals werden in Wernes Partnerstadt Bailleul Stolpersteine verlegt. Eine Delegation von Schülern und Lehrkräften des Anne-Frank-Gymnasiums (AFG) ist eingeladen, am 8. Mai dabei zu sein. Der Besuch markiert eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen dem Gymnasium und dem Collège Immaculée Conception in Bailleul.
„Aufgrund eines Personalwechsels am Collège kann der Austausch nur noch alle zwei Jahre stattfinden“, sagt Laura Parthe. Sie kümmert sich mit ihren Französischkolleginnen und -kollegen am AFG um den Schüleraustausch. Um dennoch einen regelmäßigen Kontakt zu ermöglichen, suchte die Fachschaft nach Alternativen. Der neue Schulleiter in Bailleul, Franck Doublet, zeigte Interesse an einer gemeinsamen Gedenkkultur. Bei einem Besuch in der Partnerstadt lernte eine Gruppe von Lehrkräften des AFG ein schulinternes Museum kennen. Dort halten französische Schüler die Erinnerung an Opfer des Holocaust wach. „Passeurs de mémoire“ („Träger der Erinnerung“) nennt sich die Gruppe, vergleichbar der WEREmember-AG des Anne-Frank-Gymnasiums. „Wir waren von dem Projekt begeistert und konnten uns eine Zusammenarbeit gut vorstellen“, berichtet Parthe.
Ende November vergangenen Jahres wurde es dann konkret. Das AFG erhielt eine Anfrage aus Bailleul: Ob das Gymnasium im Februar 2026 eine Schülergruppe betreuen könne, die sich auf der Rückreise einer Exkursion nach Auschwitz befände. Im Gegenzug wurde das Werner Gymnasium zur Verlegung der Stolpersteine nach Bailleul eingeladen. Vom 7. bis zum 10. Mai reisen nun 14 Schülerinnen und Schüler aus der Jahrgangsstufe 9 nach Bailleul. Mit dabei sind Laura Parthe und weitere Kolleginnen aus der Fachschaft „Französisch“, außerdem Johannes-Joachim Brysch als Koordinator der WEREmember-AG und Schulleiter Marcel Damberg.
„Die Mitglieder der AG waren als Mitfahrende gesetzt, außerdem konnten sich noch Schülerinnen und Schüler freiwillig melden“, sagt Parthe. Dazu gehört Rebecca. Als Französischschülerin möchte sie Frankreich kennenlernen. „Mich interessieren außerdem die geschichtlichen Ereignisse.“ Mia nutzte die Chance, als Lateinschülerin mitfahren zu können. „Ich möchte ein Gefühl für den Austausch bekommen.“ Polina gefallen Land und Kultur. „Und ich finde Projekte wichtig, die dazu beitragen, dass die Geschichte nicht vergessen wird.“

Die Zusammenarbeit zwischen der WEREmember-AG und den Passeurs de mémoire hat sich bereits bewährt. Beim Besuch der französischen Gruppe in Werne arbeiteten die Jugendlichen gemeinsam zum Thema „Wie gedenken wir?“. Anschließend besuchten sie zwei Stationen in Werne, in denen das Engagement der WEREmember-AG deutlich wird: die Sonderausstellung „Gegen das Vergessen – Facetten des Gedenkens“ im Stadtmuseum, konzipiert von der AG, und die Gedenkstätte Zwangsarbeit am Südring, die von Schülerinnen und Schülern der AG gepflegt wird. „Die beiden Gruppen sind sehr schnell zusammengewachsen“, erzählt Parthe. Die Verständigung gelang mit einer Mischung aus Deutsch, Englisch und Französisch und notfalls auch mit Händen und Füßen.

„Alle haben sich gut verstanden, und es ist auch gut, die andere Sprache noch besser kennenzulernen“, sagt Rika. In Bailleul werden die deutschen Schüler bei der Verlegung des Stolpersteins für den Widerstandskämpfer Anicet Salomé aktiv eingebunden. Unter anderem legen Tandems von deutschen und französischen Schülerinnen und Schülern weiße Rosen als Symbol für den Widerstand rund um den Stein. „Außerdem gibt es Zeit für Zusammensein und gutes Essen“, sagt Parthe. Sie hofft, dass sich aus dem Besuch weitere Begegnungen entwickeln. „Wir sind ja später die Generation, die sich weiter um Verständigung kümmern muss“, fährt Rebecca fort. „Da ist es gut, wenn wir jetzt schon damit anfangen.“






















