„Wernes Grüner“ feiert Jubiläum: Striepens seit 40 Jahren im Rat

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Werne. Seit 40 Jahren – genauer gesagt seit dem 12. März 1986 – prägt Benedikt Striepens als Ratsmitglied die Werner Lokalpolitik mit. Für den vier Jahrzehnte umspannenden Einsatz für seine Heimatstadt wurde der 61-jährige Lehrer in der Ratssitzung am Donnerstag, 21. Mai 2026, von Bürgermeister Lars Hübchen mit Urkunde, Blumen und viel Applaus aus der Ratsrunde geehrt.

Striepens‘ lokalpolitisches Engagement hat – selten genug – schon seit mehr als 40 Jahren Bestand und begann mit der Gründung des Grünen-Ortsverbandes Ende 1983. Eine Zeitspanne, in der mit Wernes neuem Verwaltungschef Lars Hübchen nach Willi Lülf, Meinhard Wichmann, Rainer Tappe und Lothar Christ der immerhin fünfte Bürgermeister an der Spitze der Stadt steht.

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Eine politisch turbulente Anfangszeit, die Rita Schüttpelz-Benning beim Grünen-Jubiläum im November 2023 so beschrieb: „1983, das war die Zeit der Demonstrationen für Frieden und Abrüstung, der Hitler-Tagebücher, der Vergabe des Friedensnobelpreises an Lech Walesa, der lila Latzhosen, Bärte und selbstgestrickten Pullover.“ Bei den Kommunalwahlen 1984 errang die Partei mit 9,2 Prozent der Stimmen dann auf Anhieb drei Sitze und zog – bis dato ein Novum – als dritte Fraktion in den Werner Stadtrat ein.

Erste Ratssitzung für Benedikt Striepens (re.). 1986 rückte er in den Rat nach und vertrat grüne Politik zusammen mit Dieter Willam (Mitte) und Konrad Günther (li.). Der Westfälische Anzeiger berichtete über die Einführung und Verpflichtung.

Im März 1986 schließlich rückte Striepens in den Rat nach und setzte zusammen mit Konrad Günther und Fraktionssprecher Dieter Willam grüne Akzente in der Werner Politik. Als Willam 1987 zur SPD wechselte und Burkhard Naffin für ihn nachrückte, übernahm Striepens die Fraktionsführung, die er seither mit wenigen Ausnahmen innehat. Lediglich während seiner Amtszeit als stellvertretender Bürgermeister zwischen 2005 und 2010 übte er diese Funktion als stellvertretender Sprecher aus.

Als langjähriger Vorsitzender leitete der 61-Jährige, der in der Schulleitung der Sekundarschule Selm tätig ist, den Schulausschuss (10 Jahre) und den Jugendhilfeausschuss (5 Jahre) und war zusätzlich auch Mitglied in anderen Ausschüssen. Zu den genannten Schwerpunkten seiner Ausschussarbeit kommt die kontinuierliche Mitarbeit im Haupt- und Finanzausschuss hinzu.

Im Gespräch mit WERNEplus erinnert sich Benedikt Striepens an die Anfangsjahre im Rat. „Wir waren laut CDU die Partei, die Chaos will.“ Der damalige Stadtdirektor Heinz Austermann habe gar gewettert „die Anträge der Grünen sind das Papier nicht wert, auf dem sie geschrieben sind“.

„Wir waren provokant und deutlich“, so Benedikt Striepens über so manchen kontroversen Diskurs in der Werner Politik. Foto: privat

„Wir waren provokant und deutlich“, schildert er so manche Auseinandersetzung, etwa um die Volkszählung 1987, die von zahlreichen Bürgerprotesten begleitet wurde. „Da wurde von CDU-Bürgermeister Willi Lülf auch schon mal das Mikrofon abgestellt“, so Striepens.

Willi Lülf sei es aber auch gewesen, der schließlich die Wende im Umgang mit der jungen Fraktion eingeleitet und beschlossen habe, nicht alles niederzustimmen. Heute sei das Verhältnis speziell zu Lülf sowie zu vielen Mitgliedern quer durch alle Fraktionen ein freundschaftliches, betont der Jubilar. Mehrmals hatte er bei den zurückliegenden Kommunalwahlen für das Amt des Bürgermeisters kandidiert und so viel für die Bekanntheit der Grünen erreicht. Die Ergebnisse der Wahlen variierten über die Jahre stark, von zwei bis neun Sitzen sei alles dabei gewesen, so das Gründungsmitglied der Partei in Werne.

Glückwünsche zum zehnjährigen Bestehen gab es vom damaligen Bürgermeister Willi Lülf, links neben Fraktionssprecher Benedikt Striepens. Foto: privat

Dass sich die Wahrnehmung der Grünen geändert habe, sieht er als Erfolg und dass er zu Themen, die Stadt bewegen, oftmals angesprochen werde. Umfangreiche Kontakte, nicht nur in die politischen Parteien, sondern auch in Vereine, Verbände und die verschiedenen Bereiche der Verwaltung hinein sind geknüpft. Das wirke in die Politik zurück, so Striepens.

Für die Mitte der Legislaturperiode will der „Werner Grüne“, wie ihn Altbürgermeister Lothar Christ nannte, die Aufgabe des Fraktionssprechers an seine Stellvertreterin Esther Schüttpelz übergeben und dann selbst als Stellvertreter fungieren.

"Ein wunderbares Geschenk und ein treffendes Symbol für unsere Arbeit", freute sich Grünen-Sprecher Christoffer Diedrich für den Orstverband über das nachhaltige Geschenk vom früheren Bürger Lothar Christ anlässlich des Jubiläums 2023. Foto: Privat
„Ein wunderbares Geschenk und ein treffendes Symbol für unsere Arbeit“, freute sich der damalige Grünen-Sprecher Christoffer Diedrich für den Orstverband über das nachhaltige Geschenk vom früheren Bürgermeister Lothar Christ anlässlich des Jubiläums 2023.

Der politischen Agenda seiner Partei sieht sich Striepens weiterhin verpflichtet und setzt für sich persönlich Schwerpunkte. Dazu zählt die Schaffung einer lebendigen, klimaresilienten Innenstadt, die barrierefrei gestaltet wird. „Der Klimaschutz ist ja nicht weg“, setzt er den Erhalt der Natur nach oben auf die Liste der Ziele. Beim Thema Gewerbeansiedlungen plädiert er für eine Nachverdichtung anstelle neuer Flächenausweisungen.

Die Bildungspolitik bleibt sein Schwerpunktthema. Das Angebot an Kindertagesstätten müsse auf dem derzeit guten Niveau gehalten und auch die Werner Schullandschaft verteidigt werden. Für das Anne-Frank-Gymnasium müsse eine gute Lösung gefunden werden, denn der Raumbedarf in Zukunft sei ein anderer als heute. Die Schullandschaft habe sich verändert, sieht er neue Herausforderungen auch für die Grundschule und den Offenen Ganztag und meint: „Es bleibt also spannend.“

Bürgermeister würdigt Verdienste von Benedikt Striepens

Bürgermeister Lars Hübchen würdigte Benedikt Striepens in der Ratssitzung als „kommunalpolitisches Urgestein“, der eine tiefe Verbundenheit zur Stadt Werne spüre. Er sei ein „Politiker mit Prinzipien, aber kein Prinzipienreiter“. Sein Amt als stellvertretender Bürgermeister habe er damals mit der richtigen Mischung aus Ernsthaftigkeit und Humor ausgefüllt.

Die Scheck-Spende der Stadt Werne für sein jahrzehntelanges Engagement wird Benedikt Striepens direkt an die Hospizgruppe Werne weiterleiten. „Wernes Grüner“ dankte in seiner kurzen Rede vor allem seiner Frau Sibylle Arlinghaus sowie dem langjährigen Weggefährten Dr. Eberhard Stroben für ihre Unterstützung. „Ohne sie hätte ich wahrscheinlich nicht so lange durchgehalten.“

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