Montag, März 9, 2026

„Wir Frauen haben einen Grund, wütend zu sein“: Rundgang zum Frauentag

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Werne. Wut ist verstörend. Wut ist laut. Wut ist gefährlich. Mit einem Satz: Wut ist alles, was Frauen in den Augen der Gesellschaft nicht sein sollen. Trotzdem sind Frauen wütend. Wie sehr, das verdeutlichten am Samstag (7. März 2026) ein Stadtrundgang und eine Gesprächsrunde im Rahmen der Woche zum Internationalen Frauentag in Werne.

Auf Plakaten in Wernes Schaufenstern drückten Frauen ihre Wut aus. Und nicht nur im geschriebenen Wort. Beim Rundgang zu den Plakaten wurde es auch laut: Ein Stimmverstärker übertrug die vorgelesenen Texte weit hörbar.

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Die diesjährige Woche zum Internationalen Frauentag in Werne steht unter dem Motto „Mut zur Wut“. Und beim Rundgang wurde deutlich, dass die Offenheit, mit der Frauen zu ihrer Wut standen, genau diesen Mut braucht. Nicht allen fiel es leicht, ihre Texte vorzutragen. Bisweilen kamen Emotionen und hier und da auch eine Träne hoch. Trotzdem wurde weitergelesen. Und die umstehenden Frauen und Männer, etwa 30 an der Zahl, hörten zu, wandten den Blick nicht ab, sondern hielten die Gefühle mit aus.

Was das bewirkt, brachte eine Teilnehmerin in der anschließenden Gesprächsrunde im Pfarrheim St. Christophorus auf den Punkt: „Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem du explodierst oder resignierst. Und dann braucht man eine Gemeinschaft, mit der man seine Wut teilt. Dann wird diese nicht größer, sondern schlägt um in Dinge, die man schaffen kann.“

Daniela Sicken trug vor dem Friseursalon Quante ihr Gedicht über den alltäglichen Multitasking-Wahnsinn einer Frau vor. Foto: Schwarze
Daniela Sicken trug vor dem Friseursalon Quante ihr Gedicht über den alltäglichen Multitasking-Wahnsinn einer Frau vor.

In Wut steckt das Potenzial zur Veränderung. Was womöglich ein Grund dafür ist, dass weibliche Wut ungern gesehen wird. „Du übertreibst“, hieß dementsprechend ein Plakat im Eine-Welt-Laden. Thematisiert wurde, dass die Einforderung von Respekt oder das Ansprechen sexueller Übergriffe durch Frauen zur Angriffsfläche werden können. „Du übertreibst“ ist ein Satz, der Frauen, die sich offen wehren, gern entgegengehalten wird. Die Verfasserin dieses Textes wollte anonym bleiben. Die Sprecherin Aloisia Kreienbaum trug ihn stellvertretend vor. Ruhig schilderte sie, wie die Autorin sich zunächst verschloss, wenn ihr Übertreibung vorgeworfen wurde. Die Ursache bei sich suchte. Bis sie erkannte: „Das Problem gehört nicht mir, sondern dem im Erdkern verschwundenen Selbstbewusstsein meines Gegenübers.“

Sabine Fromme, Autorin der TeXXtwerkstatt, setzte sich beim Rundgang mit Gewalt gegen Frauen auseinander.
Sabine Fromme, Autorin der TeXXtwerkstatt, setzte sich beim Rundgang mit Gewalt gegen Frauen auseinander.

Sabine Fromme gab ihrer Wut im Schaufenster von Bücher Beckmann eine Farbe: Blutrot für alle geschlagenen und misshandelten Frauen. Auch in der Gesprächsrunde im Pfarrheim, die von der Diplomjournalistin Leonie Schulte moderiert wurde, erinnerten Teilnehmende an Frauen, die dort, wo sie leben, nicht wütend sein dürfen. Die Debatte ihrerseits wurde von den etwa 30 Frauen und Männern lebhaft, aber niemals wütend geführt. Und auch wenn es hier und da unterschiedliche Meinungen gab, waren sich alle in einem Punkt einig, wie Leonie Schulte verdeutlichte: „Wir Frauen haben einen Grund, wütend zu sein.“

Im Pfarrheim St. Christophorus tauschten sich die Teilnehmenden nach dem Stadtrundgang aus.

Für Marga Winkelmann hat diese Wut etwas mit Selbstermächtigung zu tun. „Wenn wir uns dieses Gefühl gestatten, können wir etwas bewegen.“ Dabei, so erzählte sie, habe sich ihre Sicht auf die Mittel zum Zweck mit der Zeit verändert. „Ich bin maximal pazifistisch groß geworden, aber ich bin an einen Punkt gelangt, an dem ich denke: Friedfertigkeit allein reicht nicht mehr. Meine Waffe ist das Wort.“

Die Plakate zur Ausstellung „Von der Wut zum Mut“ hängen in folgenden Schaufenstern: Friseur Quante, Modehaus Kroes, Eine-Welt-Laden, Bücher Beckmann, Tias Ranch (Kleine Burgstraße), Alle Gemeinsam (Roggenmarkt), Stadtmuseum Werne, Caritas Sozialstation, Pfarrheim St. Christophorus.

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