Werne. Der Blick auf den Wirtschaftsstandort Werne zeigt Licht und Schatten. Im Ausschuss für Stadtentwicklung, Planung und Wirtschaftsförderung (SPW) schlüsselte Wirtschaftsförderer Matthias Stiller auf, welche positiven Kennzeichen den Standort auf der einen Seite prägen und welche Herausforderungen es auf der anderen Seite zu meistern gilt.
Gewerbesteuer-Aufkommen: Solide-positiv mit Luft nach oben
Beim Gewerbesteuer-Aufkommen weise die Statistik über Jahre eine erfreuliche Entwicklung auf, so Stiller. Von 19,81 Millionen Euro im Jahr 2019 ging es 2020 mit einem „Ausreißer“ von 28,15 Millionen Euro nach oben. Von 2021 mit 20,15 Millionen Euro stieg die Kurve mit stabilen Werten um 24 Millionen Euro in den Jahren 2022 und 2024 schließlich auf 26,37 Millionen Euro im Jahr 2024 an.
2024 lag das Aufkommen aus der Gewerbesteuer je Einwohner in Werne bei 865,89 Euro, ist in der Präsentation der Wirtschaftsförderung verzeichnet. Damit bescherten die heimischen Wirtschaftsunternehmen der Stadt einen Mittelwert zwischen dem Kreis Unna (763,28 Euro/ Einwohner) und dem Land NRW (941,62 Euro/Einwohner). „Luft nach oben“, gebe es dennoch, so Stiller.
Arbeitsmarkt: Gutes Niveau mit leichten Abwärtstendenzen
Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Werne hat sich zwischen 2010 und 2025 kontinuierlich nach oben entwickelt und 2023 einen Stand von 12.091 Personen erreicht. Die Arbeitslosenquote sank von 7,3 Prozent in 2010 auf einen Tiefstwert von 4,7 Prozent in 2019. In der Folge lag sie zwischen 5,5 Prozent (2021) und 4,9 Prozent (2024). Seit zwei Jahren bewegen sich beide Kurven allerdings wieder aufeinander zu. So waren im Vorjahr 11.660 Menschen in Werne sozialversicherungspflichtig beschäftigt und die Arbeitslosenquote lag bei 5,2 Prozent. „Die Babyboomer gehen in Rente“, machte Matthias Stiller zum einen die demografische Entwicklung und zum anderen die allgemein schwierige Wirtschaftslage aus.
Gewerbeflächen und Innenstand: Mangel und Leerstände
Nahezu bei Null lag in den vergangenen drei Jahren der Grundstücksverkauf von Gewerbeflächen. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht. Für den Wirtschaftsförderer sei dies nach eigenem Bekunden die „schlimmste Grafik“, stellte er fest. Dabei fehle es nicht an Interesse von Firmen, in Werne Gewerbeflächen zu kaufen, wie sich aus Anfragen an die Wirtschaftsföderung erkennen lasse, so Stiller. Auch Flächen für erweiterungswillige ansässige Firmen gebe es kaum.

Sorgen bereiten bekanntlich die Leerstände in der Innenstadt, vor allem in ihrer geballten Form in der Bonenstraße. Auch wenn deren Zahl mit rund acht Prozent seit Jahren auf ähnlichem Stand verharrt und im Vergleich mit anderen Kommunen nicht schlecht ausfällt, liegen die Probleme offen zutage. Denn die Neuvermietung leerstehender Geschäftsräume scheitere nicht an der Quantität, sondern an deren Qualität.
So ließen sich etliche Ladenlokale allein wegen des großen Sanierungsbedarfs im Innern kaum vermieten, oder aber die Flächengrößen passen nicht, erläuterte Stiller auf die Frage von Maximilian Falkenberg (Grüne) nach den Gründen. Der Investitionsstau senke die Renditeerwartung, machte er ein „kleines Marktversagen“ aus. Der Niedergang der Innenstädte hänge an privaten Investoren, ergänzte er.
Dabei gebe es durchaus Interesse von potenziellen Nachmietern. Allein im Vorjahr hatten sich 23 Mietinteressenten gemeldet, ein Plus von 53 Prozent, bezifferte der Wirtschaftsförderer die Nachfrage nach Geschäftslokalen in der Werner Innenstadt.
Die Suche nach Lösungen gestaltet sich schwierig, war man sich im Ausschuss bewusst. So fehlen im Werkzeugkasten der Wirtschaftsförderer schlicht und einfach wirksame Stellschrauben wie vermarktbare Gewerbeflächen und Ladenlokale.






















