„Zukunft braucht Herkunft“: Ministerin besucht Feier der Altstadtfreunde

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Werne. „Sie geben dieser Stadt ein lachendes Gesicht“, sagte Ina Scharrenbach, als sie den Freunden des historischen Stadtkerns Werne persönlich zum elfjährigen Geburtstag gratulierte.

Die Landesministerin für Heimat und Kommunales war am Sonntag Ehrengast der Feier auf dem Roggenmarkt. Mitten auf dem historischen Platz, umgeben von denkmalgeschützten Häusern, hatten die Altstadtfreunde zu einem geselligen Treffen eingeladen. Unter blauem Himmel und schattigen Bäumen saßen sie an langen Tischen: Vereinsmitglieder, Weggefährten ebenso wie Passanten, die vorbeigekommen waren. Ihre Glückwünsche überbrachten außerdem Vertreter von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und der FDP. Die Singing Ladies untermalten die Stimmung mit bunten Herbstliedern.

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2015 hatte sich der Verein in der Cafeteria des Stadthauses getroffen. Fast 50 Bürgerinnen und Bürger gaben damals ihre Beitrittserklärungen ab und beschlossen einstimmig die Satzung des Vereins. Zum ersten Vorsitzenden wurde der Initiator des Vereins gewählt, Karl-Heinz Schwarze. Vorrangiges Ziel des Vereins war es, zwei denkmalgeschützte Häuser an der Westmauer und an der Burgstraße zu retten und daraus ein dezentrales Museum zu machen. Das gelang aufgrund verwickelter Erbschaftsverhältnisse nicht. Trotzdem gibt es für beide Häuser eine Zukunft: Zwei Privatleute kauften jeweils eines von ihnen. Die alte Stuhlmacherei an der Westmauer wird derzeit von Burkhard Jankowski fachgerecht restauriert.

Tauschten sich aus (von links): Bürgermeister Lars Hübchen, Heimatministerin Ina Scharrenbach, Burkhard Jankowski und Karl-Heinz Schwarze, Vorsitzender der Altstadtfreunde. Foto: Schwarze

Werne gehöre zu den wenigen erhaltenen historischen Stadtkernen in Nordrhein-Westfalen, so die Heimatministerin. Das gebe der Stadt ein unverwechselbares Gesicht. Doch auch hier stehen Gebäude, die noch auf Lösungen warten. „Wir hoffen natürlich auch als Land, dass wir diese Lösungen finden, denn Denkmäler, die verfallen, sind wie offene Wunden in einer Stadt.“ Um Denkmäler zu schützen, brauche es nicht nur Politik und Verwaltung. Das machte Scharrenbach deutlich. „Einen festen Anteil daran haben Sie als Altstadtfreunde.“ Dazu zähle nicht nur der Einsatz für den Erhalt und die Rettung von Denkmälern, sondern auch die Wissensvermittlung. Für dieses Engagement dankte Ina Scharrenbach den Werner Altstadtfreunden. „Denn Zukunft braucht auch Herkunft, das eine geht ohne das andere nicht.“

Ein denkmalgeschütztes Gebäude, das in vergangenen Jahren von Privatleuten aufwendig restauriert wurde, steht mitten am Roggenmarkt. Darauf wies Bürgermeister Lars Hübchen hin. „Denkmäler brauchen Menschen, die den Mut haben, zu investieren, und sie brauchen Freunde.“ Daher fände er den Namen des Vereins „Freunde des historischen Stadtkerns“ so passend. „Er steht für Menschen, die sich für die identitätsstiftenden Orte in dieser Stadt engagieren.“ Für Menschen, die daran mitwirken, die Bedeutung der Altstadt ins Bewusstsein der Bürger zu rücken.

Vor drei Wochen hätten allein 150 Menschen am Tag des offenen Denkmals die ehemalige Stuhlmacherei an der Westmauer besichtigt. „Was dort entstanden ist, ist auch aus diesem Verein erwachsen und darauf dürfen Sie stolz sein.“

Vorsitzender Karl-Heinz Schwarze mit Josef und Barbara Börste von den Grünen. Foto: Schwarze

Der Vereinsvorsitzende Karl-Heinz Schwarze gab das Lob zurück. „Wir fühlen uns mit unserem Anliegen bei der Verwaltung ausgesprochen gut aufgehoben.“ Er werde oft gefragt, warum er trotz fortgeschrittenem Alter den Verein vor elf Jahren ins Leben gerufen habe. Darauf hatte Schwarze mehrere Antworten.

„Historische Gebäude schenken unserer Stadt eine Seele und geben uns einen echten Lebenssinn abseits eines Kapitalismus, der immer neue Konsumwünsche weckt.“ In Zeiten künstlicher Intelligenz machten Denkmäler wie die Christophorus-Kirche oder das Kapuzinerkloster den individuellen Wert menschlicher Handarbeit bewusst. Und ein Blick auf die einfachen historischen Wohnhäuser in Werne zeige einer reizüberfluteten Welt, wie minimalistisch die Menschen früher gelebt hätten. „Wir wollen nicht einfach nur die Vergangenheit konservieren“, sagte Schwarze zum Schluss, „sondern wir wollen eine wertvolle Sicht darauf bewahren, dass Genügsamkeit nicht nur wertvoll, sondern in Zukunft auch wohl notwendig ist. Wir müssen die natürlichen Begrenzungen unseres Planeten und unseres Lebens begreifen.“

INFO

Zum Geburtstag der Altstadtfreunde hat der stellvertretende Vorsitzende und Pressesprecher Jörg Stengl eine Chronik zusammengestellt. Der Erscheinungstermin des Buches wird über die Presse bekanntgegeben.

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